656 Lein Leindotter
Wasser entsteht; denn der Vogcllcim und andere, ihrer Klebrigkeit wegen Leim genannteSubstanzen sind ganz anderer, meist harziger Natur. Die reinste Form des Leims ist die,welche die Schwimmblasen des Störs und Hausens (Hausen blase) liefern; der gewöhn-liche Tischlerleim wird durch längeres Kochen, oft unter erhöhtem Druck im Popin'schenTopfe, aus Sehnen, Haut und Lederabfällen u. s. w. bereitet; er ist in Folge angehenderZersetzung mehr oder minder braun gefärbt, kann aber künstlich gebleicht werden, was manbesonders gut in Frankreich versteht. Überall, wo sich viel Gerbereien, große Abdeckereienu. s. w. befinden, wird viel Leim producirt; in Deutschland vorzüglich in Würtemberg;auch ist der russ. Leim berühmt. Die bindende Kraft des Leims kann durch einen Zusatz vonBleiweiß erhöht werden, wie in dem sogenannten russ. oder eschweger Knochenleime. Sol-cher Leim ist aber nur zum Binden, nicht als Appreturmittel für Baumwollenwaare u.s.woder als Bindemittel für Farben anwendbar. Zu langes und öfteres Erhitzen färbt denLeim immer dunkler und raubt ihm am Ende durch Zersetzung seine bindende Kraft. Außerden genannten Anwendungen als Verbindungsmittcl für Hol; und Papier, als Appre-tur, als Farbeverdickungsmittel wird farbloser Leim (Hausenblase) auch zu Darstellungvon Gelöes verwendet. Die Knochcnbouillontafcln sind nichts als Leim, und concentrirkeFleischbrühen verdanken ihre Eigenschaft, beim Erkalten zu gelatiniren, nur dem aufgelöstenLeim. Reiner Leim ist nach vielfachen Versuchen an Thiercn nicht nährend, wird es aberdurch Verbindung mit andern thierischen Substanzen, und demnach sind die Meinungenüber die nährende Kraft der Fleischbrühen zu berichtigen.
Lein (Innum) ist eine Gespinnstpflanze, von der man drei Arten unterscheidet, den ge-wöhnlichen Lein, den Staudenlein und den ausdauernden Lein. Am gebräuch-lichsten ist die erste Art, die wieder in Klang- und in Dreschlein zerfällt. Elftererspringt nach der Reife mit einem Knistern von selbst auf und gibt einen feiner», weißer» undweicher» aber kürzern Bast als letzterer, der dagegen später reist und weniger und dunklernSamen liefert. Von dem gewöhnlichen Lein unterscheidet sich der Staudenlein dadurch,daß er sich stärker bestockt. Der ausdauernde Lein hat stärkere Wurzeln, mehr Blätter undliefert sehr viel Werg. Von dem gewöhnlichen Lein wird der Dreschlcin am häufigsten an-gebaut. Man baut den Lein zur Gewinnung des Flachses (s. d.) und der Samen (Lein-samen) an. Letzterer dient in der Mcdicin und zur Ölbereitung (Leinöl) und bildeteinen wichtigen Handelsartikel. Er kommt in Fässern besonders aus Lief- und Kurland,Polen, Lithaucn und Preußen. Den zu Öl bestimm»» Samen nennt man Schlaglein.Als Saatlein schätzt man den russ. am meisten, der aus Riga bezogen wird. Der Leinbauist einer der wichtigsten Zweige des Ackerbaus. Namentlich wird ihm in neuester Zeit vonSeiten der Regierungsbehörden die größte Aufmerksamkeit gewidmet, weil von der Gewin-nung eines vorzüglich guten Leins nicht nur der Aufschwung des Ackerbaus, zunächst in dendemLeinbau günstigen Gegenden,sondern auch die Blüte der Leinwand- und Spitzcnfabrika-tion abhängt. Im blühendsten Zustande befindet sich der Leinbau in Belgien und zwar inden Provinzen Südbrabant, Hennegau, West- und Östflandern, wo der schönste Lein vonganz Europa gezogen wird. Der Ertrag einer einzigen Ernte des Leins übersteigt hiernicht selten den Werth des Bodens, auf welchem die Ernte gemacht wurde, indem vondem gewonnenen Lein die berühmten brüsselcr Spitzen gefertigt werden, wozu das PfundFlachs fast mit IVO« Thalern bezahlt wird. Namentlich thut sich in Erzielung dieses wich-tigen SpinnmaterialS das Dorf Nebegue bei Belle-Alliance hervor. Durch in Belgiengewonnene Belehrung, durch Gründung von Flachsbau schulen von Seiten deS Staats,wie z. B. in Preußen, werden der Leinbau und die Flachsbereitung auch in Deutschlandeinen höhern Aufschwung nehmen.
Leindotter oder Dotter, im Altenburgischen Schmalz genannt (U^agrmnsativum), ist eine Ölpflanze, welche über Sommer, häufig statt der ausgewinterten Win-terölsaaten, doch auch selbständig angebaut wird. Der Leindotter ist ein sicheres Gewächs,indem er nichts von Insekten zu leiden hat, und verdient insofern den Vorzug vor Rapsund Rübsen, obwol er weniger und nicht so ölreiche Samen liefert als diese. Da sich dieDottersamen ihrer geringen Größe halber nicht ganz ohne Schaden rösten lassen, so wirder häufig mit Rübsen vermischt und ein Öl daraus geschlagen, das besonders von den