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ftu, bald unterdrücken. Von den Affecten unterscheiden sich die Leidenschaften theils durchihre Dauer, theils durch die Art ihrer Wirksamkeit. Der Affcct ist ein plötzlich entstehen-der, rasch vorübergehender, stoßweise wirkender Eemüthszustand, einem Rausch oder einemSchlagfluß vergleichbar; die Leidenschaften entstehen allmälig, wachsen oft unbemerkt,greifen um sich und verzweigen sich mit dem ganzen geistigen Leben; sie gleichen chronischenKrankheiten, die, einmal ausgebildet, nur allmälig heilen. Ganz falsch ist es, wenn mandie Leidenschaften als sinnliche Begehrungen bezeichnet; im Allgemeinen kann jede Begeh-rung zur Leidenschaft werden, und die stärksten Leidenschaften sind oft gerade die, welchemit den Objecten sinnlicher Eenießungen gar nichts zu'thun haben, z. B. die religiösen Lei-denschaften. Leidenschaften, die einen solchen Grad erreicht haben, daß der Mensch ihnen inseinem eigenen Innern keinen Widerstand entgegenzusetzcn fähig ist, bezeichnet man durch dasWort Sucht und Gier, z. B. Habsucht und Habgier. Unterschiede, die für die Entstehung undAusbildung der Leidenschaften folgenreich sind, liegen vornehmlich darin, ob die Leidenschaftin das eigene Selbst oder in äußere Dinge versinkt, ob sie an das Individuum als solchesgebunden oder durch gesellschaftliche Verhältnisse bedingt ist. Übermäßige Leidenschaftenführen oft zu Geisteskrankheiten. Vgl. Madame Stael-Holstcin, „Über den Einfluß derLeidenschaften auf das Glück ganzer Nationen und einzelner Menschen" (deutsch, Zur. undLpz. 1797) und Maaß, „Versuch über die Leidenschaften" (2 Bde., Hallen. Lpz. 1895—7).
Leier, die deutsche Leier (lit'il leckescu) oder die Bauer uleier (liro ru-tica oderpagaua), ganz verschieden von der Lyra (s. d.) der Alten, besteht aus einem länglichenKasten, der auf einer Seite dem untern Theil einer Geige ähnlich ist. In den Seitenwän-dcn desselben befindet sich eine Art Claviakur, die aus lO—-12 Tasten besteht, durch welchedie zwei Saiten, die innerhalb des Kastens liegen, verkürzt werden und einen Tonumfangvon 10—12 diatonischen Stufen bilden. Zwei andere Saiten erklingen dazu unverändertim Einklang oder in einer Quinte gegeneinander. Alle vier Saiten werden durch ein mitKolophonium bestrichenes Rad intonirt, welches mittels eines Griffs gedreht wird, wäh-rend die Finger der linken Hand die Tasten bewegen. — Die Leicrorgel, der Leier-kaste n oder die Drehorgel ist eine kleine, in einem Kasten befindliche Orgel ohne Clavia-tur, aber inwendig mit einer Walze versehen, welche von außen durch eine an der Seitebefindliche Kurbel umgetrieben wird. Auf dieser Walze^ befinden sich kleine Stifte, diedurch Berührung die Ventile öffnen.
Leigh - Hunt, s. H unt (James Henry Leigh -).
Leihbauk» Leihhaus oder Lombard nennt man die öffentlichen Anstalten, beiwelchen Jedermann gegen hinlängliches Pfand Geldsummen auf kurze Zeit gegen billigeZinsen vorgestreckt erhalten kann, um zu verhüten, daß der Borger nicht dem Wucherer indie Hände falle. Die Leihbank gibt Scheine aus, auf welchen der Tag der Verpfändung,die Summe des empfangenen Geldes, der Name des Verpfänders, das Folium des Leih-bankbuches und das Verzeichniß der Pfänder enthalten ist. Wer sich mit einem solchenScheine bei der Leihbank meldet und den darauf als geleistet bemerkten Vorschuß zurück-zahlt, erhält die Pfänder ausgeliefcrt, wenn nicht der wahre Eigenthümer den Verlustdes Scheins der Leihbank angezeigt hat. Nach Verlauf der bedungenen Schuldzeit werdendie nicht «ungelösten Pfänder nach vorheriger Bekanntmachung öffentlich versteigert. DerÜberschuß wird, nach Abzug der Zinsen und aller Kosten, dem Eigenthümer ausgeantwor-tet, oder wenn er sich binnen einer gewissen Zeit nicht meldet, den Gesetzen gemäß, gewöhn-lich den Armen - oder andern wohlthätigcn Anstalten zugewendet. Das erste eigentliche> Leihhaus legte der Minorit Barnabas zu Perugia im Kirchenstaate im I.1404 an. Nach-her wurden die Leihhäuser in der Lombardei eingeführl und durch Lombarden, die währenddes Kriegs der Guclsen und Ghibellincn auswanderten, in andere Länder verbreitet. InDeutschland wurde das erste Leihhaus zu Nürnberg 1498 gegründet. Vgl. Beugnot's Preis-schrifk „I)e8lrsn«;ues pul>Iiguos tlepret8,ir g!»j;e8 et cle leurs iaconvöniens" (Par. 1829).
Leim ist der Name einer stickstoffhaltigen, daher beim Verbrennen wie Haare oderHorn riechende, in heißem Wasser leicht auflüsliche, beim Erkalten gelatinirende, starkklebende Substanz, welche sich in der Natur nicht fertig gebildet vorfindet, sondern ausder Substanz der Sehnen, Knorpel und Häute des thierischen Körpers durch Kochen mit