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8 (1846) Kaaba bis Ligne
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654
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654 Leichdorn Leidenschuften

von den eigentlichen Tanzliedern, sind in der Leichform gedichtet. Vgl. Lachmann, „überdie Leiche der deutschen Dichter des 12. und 13.Jahrh." im „Rheinischen Museum" (Heft3, Bonn 1829) und Ferd.Wolf, „Über die Lais, Sequenzen und Leiche" (Heidelb. 1841).

Leichdorn, s. Hühnerauge.

Leichenhaus oder Leichen Halle nennt man ein Gebäude, welches dazu bestimmtist, die Leichen aufzunehmen, bis sick unzweideutige Zeichen des Todes an ihnen kundgeben.Da die beginnende Fäulniß, deren Eintritt durch den Geruch sich bemerklich macht, eigent-lich das einzige sichere Kennzeichen des Todes ist und diese sich nach vielerlei Umständen,z. B. Todesursache, Beschaffenheit der Atmosphäre u. s. w-, zu sehr verschiedener Zeit nachwirklich erfolgtem Tode äußert, da ferner auf der andern Seite es nicht räthlich ist, alle Lei-chen bis zu dem Zeitpunkte, wo die Verwesung eintritt, in der Nähe anderer Menschenverweilen zu lassen und doch Beispiele lebendig Begrabener wirklich vorgekommen sind, sohat man seit dem vorigen Jahrhundert angefangen, Gebäude zu errichten, in denen mannach vollendeten Bcgräbnißfcierlichkeiten die Leichen einstellt, um sic, sobald die Verwesungbemerkbar wird, der Erde zu übergeben. Durch an Händen und Füßen des Tobten ange-brachte Klingelzüge werden die angcstelltcn Wärter, auch selbst wenn sie schlafen, von jederetwaigen Bewegung der Leichname in Kenntniß gesetzt. Der nöthigste Apparat zur Wie-dererweckung Scheintodter muß vorhanden und ein Arzt baldigst zu erlangen sein. Auchist es nöthig, daß in dem Zimmer, in welchem die Leichname stehen, stets eine gemäßigteTemperatur herrsche, um thcils die Verwesung nicht aufzuhalten, theils einem wieder Er-wachenden weder durch Kälte noch durch Hitze zu schaden. Sind auch nur wenig Beispieledes Nutzens dieser Einrichtung bekannt geworden, so reicht doch ein einziges vollkommenaus, diesen in das hellste Licht zu setzen. Das erste Leichenhaus in Deutschland wurde aufHufeland's Vorschlag 1792 in Weimar errichtet. Vgl. Schneider, „Medicinisch-policci-lichc Würdigung der Leichenhallen" (Freiburg 1839).

Leichenöffnung, s. Section.

Leichenreden gehören zu den sogenannten Casualreden (s. d.) und sind entwe-der förmliche Predigten oder Grabreden (Parentationen), oder Abdankungen. Die Leichen-predigt behandelt mehr allgemeine Wahrheiten, die an Gräbern sich aufdrängen, währendes die Grab - oder Standrede mit der Persönlichkeit des zu Bestattenden zu thun hat, unddie Abdankung ihrem ursprünglichen Sinne nach eigentlich nur den Dank für die Theil-nahme am Leichenzuge ausspricht. Leichenreden waren schon bei Griechen und Römerngebräuchlich, obgleich meist zum Lobe der Verstorbenen. In der alten Kirche zeichneten sichauf diesem Gebiets Eusebius, Gregor von Nazianz, Gregor von Nyssa und Ambrosius aus.Erst die neuere Zeit aber hat den Mangel an Takt und die Geschmacklosigkeit, die früherauch in protestantischen Leichenreden herrschten, überwunden.

Leichenschau, s. Obduction.

Leidenschaften nennt man im gewöhnlichen Leben häufig alle stärkern Eemüthsbe-wegungen, besonders insofern sie sich alsAffect äußern, und leidenschaftlich heißt in die-sem Sinne Der, welcher sich von seinen Affecten Hinreißen läßt; für eine genauere Feststel-lung der Begriffe ist aber eine Unterscheidung derselben von den Affecten nothwendig. Wonämlich Affect ist, da ist nicht immer Leidenschaft, und ebenso umgekehrt, wiewol Leiden-schaften leicht in Affecte ausbrechen. Leidenschaften find Dispositionen zu einer gewissenArt des Begehrens, die in der überwiegenden Herrschaft derjenigen Vorstellungsmassenihren Grund haben, aus denen sich das entsprechende Begehren erzeugt. Das, was von ih-nen leidet, ist die Fähigkeit, sich in seinem Begehren und Handeln nach andern Gründenund Überlegungen zu richten, als denjenigen, welche in dem Umkreise Dessen, worauf dieLeidenschaft gerichtet ist, liegen. Der Leidenschaft fehlen keineswegs die Überlegung unddie Zugänglichkeit für gewisse Gründe; der Ehrgeizige, der Geizige, der Eifersüchtige com-binirt sehr scharf Alles, was mit seiner Leidenschaft in Verbindung steht; aber er ist blindfür Das, was seinem Wollen eine andere Richtung geben könnte und sollte; cs fehlr ihmdie allgemeine Zugänglichkeit für Gründe. Deshalb vernünfteln die Leidenschaften, wäh-rend die eigentliche Vernunft ihnen fehlt, und cs erklärt sich daraus der scheinbare Wider-spruch der populairen Redeweise, nach welcher die Leidenschaften den Verstand bald schär.