-189
Lafont
wendig darzustellen. Im I. 1827, als das Ministerium Villele durch blutige Gewalt inden Straßen von Paris den höchsten Grad von Unpopularität erreicht, erhob sich L. undfederte die Anklage der Minister. Damals schon sah er den Sturz der alten Bourbons vor-aus und warf seine Augen auf den Herzog von Orleans. Als endlich im Juli 1830 derKampf'losbrach, wurde sein Haus der Mittelpunkt aller einflußreichen Männer, die sichderBewegung anschlosscn, und seine Privatkasse reichte die Mittel, um die Revolution zu voll-enden. Überzeugt, daß mit Erklärung der Republik Frankreich in neue Zerrüttung verfallenmüsse, ermunterte er seitdem 28. Juli den Herzog vonOrleans, die Gelegenheit zu benutzen.„Sie haben nur", schrieb er, „zwischen einer Krone und dem Laufpaß zu wählen". Am30. Juli wurde hierauf der Herzog auf L.'S Vorschlag zum Eenerallieutenant des Reichserklärt. Schon entwickelte sich auf dem Stadthause unter Lafayette aus den republikani-schen Elementen eine neue Staatsverfassung. L. aber bewog den Herzog von Orleans,auf dem Stadthause das sogenannte Programm der Julirevolution anzuerkcnnen, und dasSchicksal Frankreichs war hiermit entschieden. Indessen führte der Julithron, an dessenErrichtung L- so wesentlich geholfen, den Ruin seines Gründers mit sich; L. verlor seinVermögen, seinen Einfluß und die Popularität. Inmitten der Gefahren, die der jungenDynastie drohten, trat er ins Ministerium und stieß hier sogleich mit den ihre Macht be-gründenden Do ctri n aires (s. d.) zusammen. Am 3. Nov. 1830 übertrug ihm der Kö-nig die Bildung eines neuen Cabinets, das jedoch zufolge seines conservativen Charaktersdie Unterstützung der Linken, mithin die Majorität der Kammer sehr bald verlor. Allseitigenttäuscht und unter den Erneuten und Jntrigucn der Parteien legte L. am 13. März 1831die Verwaltung nieder und Ptzrier trat ans Ruder. Auch fodcrtcn seine eigenen Angele-genheiten dringend diese Resignation. Beim Eintritt in das Ministerium genöthigt, seinBankgeschäft aufzugeben, wurde hierdurch sein bereits erschütterter Credit vollends zerrüt-tet. Von Gläubigern gedrängt, vom Hofe vergessen und verlassen, sah er sich genöthigt,seine Besitzthümer zu veräußern, um SO Mill. Schulden zu decken. Durch eine National-subscription wurde ihm jedoch sein Hotel in Paris erhalten. Noch im 1.1831 trat er wie-der als Deputirter von Paris in die Kammer und eröffnete eine scharfe Opposition; dieTäuschungen, die er erfahren, trieben ihn mehr und mehr in die Reihen der Republikaner,weshalb er mehrmals seinen Sitz in der Kammer nicht behaupten konnte. Aus den Trüm-mern seines Vermögens bildete er 1837 in Form einer Gesellschastsbank eine Discontokassc,die auf die Vereinigung der kleinen Kapitalisten zur Concurrenz mit den großen berechnetwar. Durch dieses Unternehmen in Stand gesetzt, erwarb er sich große Verdienste um dieGründung der Eisenbahnlinie von Paris nach Rouen. Je mehr sich indeß Regierung undKammern von den Grundsätzen der Julirevolution entfernten, um so freimüthiger, herberund anklagender erhob er seine Stimme. „Ich bitte Gott und die Welt wegen meines An-theils an der Julirevolution um Verzeihung" war eine Äußerung, die er mehr als einmalwiederholte. Zum großen Verdruß der Regierung wählte ihn die Kammer von 1843 zuihrem Präsidenten. Er starb am 26. Mai 1844 und hinterließ eine Tochter, die er in denTagen seines Glücks mit dem Sohne des Marschalls Ney, dem Herzog von der Moskwa,verheirathet hatte. Vgl. „Louveuirs <Io .Iac<p Ü., racoutäs psr iui-meme et pulse» suxsources les plus sutbeutigues" (Par. 1844).
Lafont (Charl. Phil.), einer der bedeutendsten Violinspieler der neuern Zeit, geb.1781 zu Paris, machte schon mit seinem ersten Lehrer Bertheaume noch sehr jung eineKunstrcisc. Später, nachdem er durch Rud. Kreutzer's und Rode's ernste Schule gegan-gen, unternahm er eine größere Kunstreise durch Deutschland, England, Italien, bis nachPetersburg, wo ihn der Kaiser Alexander 1809 zu seinem ersten Violinisten und Concert-meister ernannte. Im I. 1818 nach Paris zurückgekehrt, wurde er erster Violinist der kö-niglichen Kammerkapelle und später Accompagnist der Herzogin Berri. L.'s eigenthüm-liche Spielart war einnehmend durch Zartheit, Sauberkeit, Zierlichkeit, weniger imponircnddurch großartiges Pathos und staunenerregende Technik. Von der seit und durch Paganiniin Schwung gekommenen Spielweise hatte er sehr wenig angenommen; doch blieb er fort-während thätig in Spiel und Composition und machte noch 1833 eine Kunstreise durchDeutschland. Auf einer früher» Reise war er in Mailand mit Paganini zusammengetrof-