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Lafayette (Gräfin de)
mcinsamen Schritten. Am 29. übernahm er das Commando der Pariser, welches bisherDubourg geführt hatte, und zugleich den Oberbefehl über die Nationalgardcn. Laffitteff. d.) gewann ihn für die Wahl des Herzogs von Orleans zum König der Franzosen. Erverlangte jedoch einen auf Volkssouverainetät gegründeten und mit republikanischen Insti-tutionen umgebenen Thron, und der Herzog von Orleans erklärte sich auch mit diesem am31. Juli auf dem Stadthause entworfenen Programm einverstanden. Jndeß fiel die Um-arbeitung der Charte keineswegs nach dem Wunsche L.'s aus. Dessenungeachtet entschloßer sich, nachdem er am26. Aug. zum Oberbefehlshaber der Nationalgarden des Reichsernannt worden, im Interesse der Ordnung und Freiheit den neuen Thron gegen die Be-wegungen der Republikaner zu schützen. In der Kammer stimmte er aber im Sinne derBewegungspartei gegen dasSystem der Doctrinaires (s.d.). Als die Kammer das Ge-neralcommando über die Nationalgarden aufzuheben beschloß, nahm er sofort am27.Sept.seine Entlassung. Er befand sich nun eigentlich wieder in der Lage von > 792, indem er keinerder Parteien gehörte, für die er zugleich gekämpft, und die beide über das Ziel hinausstrebten,das er ihnen gesteckt hatte. Schmerzlich berührten ihn noch die Emeute vom 7. Juni > 832und die Neaction, welche darauf folgte. Er starb am 2 V. Mai 1834 bei vollem Bewußt-sein in Folge einer Erkältung, die er sich beim Begräbnisse des jungen Deputaten Dulongzugezogen hatte. Alle Parteien mußten gestehen, daß Frankreich einen seiner edelsten Cha-raktere und wenn auch nicht den erleuchtetsten, doch den rechtschaffensten Charakter verlorenhabe. Vgl. Negnault Warm, „blemoirss ;,our servir ä la vie <1» generali,, et ö I'iiistoiroile I'assemljlö« Constituante" (2 Bde., Par. 1824); Sarrans, „I,. et >a rövolnt'ion lle1839"(2 Bde.; 2. Aust., Par. 1832) und ,Mömoire5, corresponckance et inauiiscritsll» gSnöral Ih." (6 Bde., Par. 1836—37). — Sein einziger Sohn, Georges Wa-shington de L., geb. >777, trat früh in das Heer, war Grouchy's Adjutant und zeich-nete sich in den Feldzügen in Italien, Ostreich, Preußen und Polen rühmlichst aus. Jm J.1815 zum ersten Mal in die Kammer gewählt, ist er seit 1827 ununterbrochen der Ver-treter für Coulommiers im Departement der Seine und Marne gewesen und hat als sol-cher stets, ohne jedoch besonders hcrvvrzuragen, auf der äußersten Linken sich gehalten.
Lafayette (Marie Madclcine Pioche de La v erg ne, Gräfin de), eine der gebildet-sten Frauen ihrer Zeit, geb. 1632, verfaßte mehre Romane, die der Zeit nach als die erstenin Frankreich anzusehen sind, worin Begebenheiten und Charaktere naturgemäß entwickeltund treue Gemälde menschlicher Stimmungen und Leidenschaften aufgestellt wurden. IhrVater, Aymar de Lavergne, der Marechal-de-Camp und Gouverneur von Havre war,gab ihr eine vortreffliche Erziehung; unter der Leitung von Mönage und Pet. Navinlernte sie selbst die lat. Sprache. Früh wurde sie in die große Welt eingeführt und war eineHauptzierde der Coterie im Hotel Rambouillet, wo Akademiker, Schöngeister, Hofleuteund Damen sich versammelten und über Gegenstände der Literatur sich besprachen. Im I.1655 heirathete sie den Grafen Franc, de Lafayette und sehr bald war nun ihr Haus einSammelplatz der ausgezeichnetsten Geister. Am häufigsten sah sie Huet, Lafontaine, Se-grais und Menage, und im innigsten Freundschaftsverhältnisse stand sie mit dem HerrogLarochcfoucault, der nebst Segrais sie auch mit kritischem Rath bei Abfassung ihrer Ro-mane unterstützte, von denen mehre zuerst unter Segrais' und Larochefvucault'S Namenerschienen. Nachdem sie die letzten Jahre ihres Lebens in strengen ReligionSübungcn zuge-bracht, starb sie im Mai > 693. Ihre vorzüglichsten Romane sind „Laicie, Kistoir« e-paF-»ols" (2 Bde., Par. >679 —7 1 ; am besten von Auger, 2 Bde., Par. 1814 ; neue Aufl.,1826) und „Histnire cle Henriette ci'^iiAleterre, roinsn Iiistnrigus" (Amst. 1729).Diesen zunächst stehen „I.s princesse <Ie illontpoiisier" (Par. 1660; neue Aufl., Par.I 894), „k.a princesss <1e Oleves, ou les »inour» ein 6uc cis Nemours avec cette ;>rin-ce-se" (4 Bde., Par. >678; 2 Bde., Par. 1815) und die ,Mömaire» ckela conr cle k'runce;»>nr les annees 1688 — 89" (Amst. 1731). Da man damals mit einem historischen Ro-man noch nicht den gegenwärtigen Begriff verband, sondern darin im historischen Stil undin der Sprache der prosaischen Wahrheit erdichtete Begebenheiten aufstellte, die man nachGefallen mit wahren vermischte, so kann man auch bei diesen Romanen schwer bestimmen,welches die wirklichen Facta seien und wie viel Erdichtetes zur Ausschmückung eingemischt