486 Lafayette (Marquis de)
sten Siege bei Philippevillc, Maubcuge und Florennes erkämpfte. Von Dumsuriez undSollst d'Herbois verleumdet, überdies für die Sicherheit des Königs besorgt, erschien er imJuni 1792 vor der Nationalversammlung und faßte, als er die Oberhand der Jakobinerbemerkte, den Plan, die königliche Familie nach Compiegne in Sicherheit zu bringen. Lei-der wies der König diesen Schritt zurück, weil er die Ankunft deS Herzogs von Braun-schweig erwartete. Die Volkswuth richtete sich nun gegen den Hof und gegen L. zugleich;sein Bildniß wurde in den Straßen als das eines Verräthers zerrissen, er selbst in Anklageverseht, aber am 8. Aug. freigesprochen. Dessenungeachtet erklärte er sich gegen die Aus-schweifungen vom I9. Aug. 17 92 und ließ am I5. die Abgesandten der Nationalversamm-lung zu Sedan verhaften. Da er jedoch einsah, daß ein Marsch gegen Paris die Verwir-rung nur steigern und die Grenzen dem Feinde öffnen würde, so entzog er sich der über ihnvon den Republikanern ausgesprochenen Acht und entwich nach Flandern. Allein zuRochefort wurde er von den Östreichern verhaftet und mit seinen Begleitern, Latour-Maubourg, Alex. Lameth und Bureau de Pusy, nach Olmüh abgeführt, wo ihn unterAndcrm Bollmann (s. d.) zu befreien suchte. In Folge der Verhandlungen zu Leo-ben wirkte endlich Bonaparte seine Befreiung aus. L. ließ sich nun in Hamburg nie-der, wo er an Archenholz einen Freund fand, und kehrte erst, da er den Gewaltstreich vom18. Fru ctidor (s.d.) verabscheute, nach dem 18. Bru maire (s. d.) nach Frankreich zu-rück. So zuvorkommend er auch vom ersten Consul behandelt wurde, verleugnete er dochweder sein Mistrauen noch seine Grundsätze von 1789; die Senatorstelle, die man ihmanbot, lehnte er ab, weil er sich erst überzeugen wollte, ob Vonaparte die Freiheit Frank-reichs Herstellen würde. Diese Schroffheit beleidigte den ersten Consul gewaltig, und L.zog sich nun auf sein einziges ihm vom Dircclorium übriggelassenes Landgut Lagrange zu-rück und erschien nie wieder bei Hofe. Auf diesem Landsitze, wo er sich dem Landbau wid-mete, sah ihn auch nach dem Frieden von Amiens Fox und wurde sein Freund. Währendder ersten Restauration trat er aus dieser Einsamkeit nicht hervor. In den Hundert Tagenließ ihm Napoleon die Pairswürde antragcn; er schlug dies abermals aus, doch nahm erdie Wahl in die Deputirtenkammer an. Nach der Schlacht von Waterloo erhob er sich fürdie Grundsätze von 1789, setzte die Permanenz der Kammer durch, drang auf Napoleon sAbdankung und betheiligte sich an der Commission, welche den Verbündeten den Waffen-stillstand antrug. Seine Bemühungen waren jedoch vergebens; seine Rückreise verzögerteman, bis die Capitulation von Paris geschlossen war. Damals gab er dem brit. Gesand-ten, der ihm die Auslieferung Napolcon's vorschlug, die Antwort: „Ich bin erstaunt, daßSie sich mit diesem niederträchtigen Vorschlag a» den Gefangenen von Olmütz wenden".Am 6. Juli erstattete er der Kammer über die zu Hagenau gepflogenen VerhandlungenBericht, und als die Deputieren am 8. Juli den Sitzungssaal verschlossen fanden, begab ersich an der Spitze der Gleichgesinnten zum Präsidenten LanjuinaiS und legte gegen diesenAct der Gewalt eine feierliche Protestation nieder. Seit dieser Zeit lebte er wieder auf sei-nem Landgutc Lagrange. Obschon er während der ersten Zeit der Restauration einmalbei Hofe erschien und vo« den Prinzen freundlich ausgenommen wurde, blieb seine Stel-lung gegen die Bourbons seine» Überzeugungen nach immer eine feindliche. Als ihn >8>7das Wahlcollegium von Paris zum Deputaten wählen wollte, wußte dies die Regierungzu verhindern. Im folgenden Jahre wählte ihn jedoch das Departement der Sarthe und ernahm nun seinen Sitz in der Kammer auf der äußersten Linken, bis er >824 durch die vonder Negierung geleiteten Wahlen wieder ausgeschlossen wurde. Auf die von dem Präsi-denten der Vereinigten Staaten erhaltene Einladung unternahm er am 13. Juli 1824 inBegleitung seines Sohnes nochmals die Reise nach Nordamerika, wo er von der StadtNcuyvrk als der Gastfreund der Nation würdig empfangen wurde. Vgl. „Voz-sge <>» 8«'»vliil I,. it„x Ltsts-blni-j en 1824 et 1825" (4 Bde., Par. 1825) und seines SecretairsLevasseur, „ävurnul tl'uu voz-nFe NIIX ^tuts-llnis, »II l,. en Xineriljiie en 1824—25(Par. >829). Bei seiner Rückkehr im Sept. >825 hatte Karl X. den Thron bestiegen. L.ließ sich nun wieder in die Kammer wählen und stand bis zur Revolution von 1839 in derersten Reihe der Kämpfer. Als am 27. Juli die ersten Gerüchte von der Volksbewegungzu ihm drangen, eilte er nach Paris und verband sich mit den übrigen Deputirten zu ge-