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8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
477
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Lackmus

Lacondamiue 477

über Europa verbreitet. Der chines. Lack ist nach d'Jncarville keine Composition, sondernein Harz, welches aus dem 4'si-ctiou oder dem Lackbaum (Lugia cbinensis) fließt und mitdem Öle aus den Früchten der Vernicia montan» gemischt wird. Der japan. Lack, welcherweit mehr geschätzt ist, wird durch Einschnitte aus der Kims vernix gewonnen und mit demÖle der Sißnonia tormentosa gemischt. Die gemeinste Art der Lackirung ist die, wo derLackmit der Farbe zugleich aufgetragen wird. Bei dem Lackiren mit den Öllacksirnissen wirdder Oberfläche des zu lackirenden Gegenstandes erst die nöthige Vollendung gegeben, derselbedann mit einer mit Ölfirniß angemachten Grundfarbe gedeckt, hierauf die ebenfalls mit Öl-firniß versetzte Hauptfarbe in mehren Lagen aufgetragcn, nach deren Austrocknung geschlif-fen, und der Öllacksirniß in 8IO Lagen aufgetragen, welchen man dann ebenfalls schleift.

Lackmus, ein blauer Farbstoff, welcher gegenwärtig besonders in Holland und Nor-wegen dadurch bereitet wird, daß man gewisse Flechten der Küstenfelsen (besonders I^eca-nora tartarsa) mit einem Zusatze von kohlensaurem Kali und Ammoniak gähren läßt, unddie in Folge der Zersetzung erst roth und später blau werdende Masse mit Gyps oder Kreidedergestalt verdickt, daß fie sich zu leicht zerreiblichen Würfeln gestalten und austrocknen läßt.Der Lackmus enthält einen von Natur rothen, durch Verbindung mit Ammoniak blau wer-denden, eigcnthümlichen, chemisch sehr interessanten Farbestoff, der sich durch Wasser aus-ziehen und dann zu Färbung von Papier, Wäsche, Wein, Zuckerwaaren u. s. w. verwendenläßt. Da er durch die geringste Spur freier Säure roth gefärbt wird, so dienen Lackmus-ti n ctu r und La ckmuspapier in der Chemie als Reagens auf freie Säure. Dem Lack-mus ganz nahe verwandt sind die Farbstoffe, welche man aus Flechten unter dem NamenOrseille auf den Canaricn, in Südfrankreich u. s. w., unter dem Namen Persio oder Cud-bear in England und Schottland verfertigt. Echt ist keine dieser Farben.

Lackritzensaft nennt man den eingedickten Saft der Süßholzwurzeln, von schwarz-brauner Farbe und einem süßlich-schleimigen, etwas bittcrn Geschmack. Er wird haupt-sächlich in Spanien, Italien und Sicilien, auch zu Bamberg und an andern Orten Deutsch-lands bereitet und kommt in kleinen Stangen in den Handel. In der Medicin, für die erin den Apotheken zuvor gereinigt wird, dient er als Brustmittel; auch gebraucht man ihnzur Bereitung des engl. Porterbiers, sowie zum Jlluminiren der Landkarten u. s. w.

Laclos (PierreAmbroise Franc. Choderlos de), franz. Brigadegeneral und be-kannter Schriftsteller, geb. zu Amiens 1741, trat mit 18 Jahren in das Geniecorps underwarb sich bald durch mehre militairische, publicistische und schöngeistige Schriften einenNamen. Eine beißende, unter dem Titellins äpitre ä Llargot" herausgegebene Satiregegen die Dubarry wäre ihm bald sehr gefährlich geworden. Im I. 1778 übertrug manihm, als geschicktem Geniecapitain, die Erbauung des Forts auf der Insel Aix. Währenddieser Beschäftigung schrieb er den zu seiner Zeit viel gelesenen RomanI^eo liaisous cian-geronses" (4 Bde., Par. und Amst. 1782 und oft.; deutsch, Franks. 179899), welcherdas sittliche Verderben seiner Zeit darstellte. Der Scandal, den dieses Buch erregte, warungeheuer und zog dem Verfasser, der so tief im Schmuze des Jahrhunderts herumwühlenkonnte, die Verachtung, besonders der Frauen, zu. Bei Ausbruch der Revolution wurdeer Secretair des Herzogs von Orleans, für dessen Plane er wirkte und mit dem er nachEngland ging. Nach seiner Rückkehr betheiligte er sich durch die Herausgabe eines Jour-nals an der Revolution, trat 1792 als Mare'chal-de-Camp in die Armee zurück und erhieltbald darauf das Gouvernement sämmtlichcr franz. Besitzungen in Indien. Zu Anfängedes I. 1793 als Freund des Herzogs von Orleans verhaftet, bekam er erst durch die Revo-lution vom 9. Thermidor die Freiheit wieder. Im Gefängnisse beschäftigte er sich eifrigmit den Kriegswissenschaften und erfand ein neues Geschütz, das man mit Erfolg versuchte.Längere Zeit verwaltete er nun mit großer Gewandtheit das Amt eines Generalsecretairsbeim Hypothekenwesen, bis ihn der erste Consul Bonaparte als Brigadegeneral in der Ar-tillerie wieder anstellte. Er starb als solcher zu Tarent am 5. Oct. 1803. Obgleich Ver-fasser des frechen Romans, war er doch ein guter Gatte und Vater.

Lacondamine (Charl. Marie de), geb. zu Paris am 28. Jan. 1701, widmete sichanfangs dem Soldatenstande, nahm aber bald seinen Abschied, um den Wissenschaften zuleben. Da er jedoch in allen Zweigen derselben zugleich arbeitete und auch in den gesellschaft-