Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
473
Einzelbild herunterladen
 

Lachauffee Lächerlich 473

feinsten und Fe'ne'lon angegangen, mußte er sich häufig von allen Parteien zugleich die heftigstenVorwürfe zuziehen. In den wichtigen Fragen seiner Zeit, bei der Erklärung der Geistlich,keit über die Freiheiten der gallicanischen Kirche, bei der Zurücknahme des Edicts vonNantes, bei den quietistischen Streitigkeiten, >686 bei der Vermählung des Königs mitder Maintenon, handelte er meist im Geiste des Vermittlers. Wiewol ein eifriger Jesuitund mittelmäßiger Kopf, rühmen ihn doch seine Zeitgenossen als einfachen, milden, ehrlichenCharakter, welcher Verleumdung, Kriecherei und Gewaltstreiche haßte. Die Maintenonkonnte ihm nie den geringen Eifer verzeihen, mit dem er die Gründe, welche der Veröffentli-chung ihrer Ehe entgegenstanden, widerlegte. L. lebte gern im Umgang mit Gelehrten undliebte die Wissenschaften, besonders die Numismatik und Alterthumskunde. Während der 34Jahre, die er sein Amt versah, verlor er nie die Gunst des Königs, obschon man oft an seinemSturze arbeitete. Er starb am 20. Jan. 1709. Die Schriften L.'s'sind jetzt von keinerBedeutung. Ludwig XlV. hatte ihm im Westen von Paris ein Landhaus bauen lassen,das den Namen Mont-Louis führte und dessen weite Gärten 1804 in einen Begräbnißplatzumgewandclt wurden, der den Namen ?ere l7>scliaise erhielt. Derselbe umfaßt 30 HectarenLand, zählt mehr als 40000 Grabsteine mit den berühmtesten Namen und ist der schönsteund größte, den Paris besitzt.

Lachauffee (Pierre Claude Nivelle de), franz. Schauspieldichter, geb. l09! oder1692 zu Paris, trat, als Lamotte das Paradoxon über das Unnütze der Versification inder Tragödie und Ode aufgestellt hatte, mit seinerRpltre lle t7Iio a I>l. 6« verci" (173!)auf, welche neben einigen allgemeinen Wahrheiten viele maßlose Ausfälle enthielt. Inseinem 40. Jahre wurde er durch einen zufälligen Umstand zur Pflege der dramatischenLiteratur veranlaßt. Die Schauspielerin Quinault glaubte in einer gesellschaftlichen Farceden Keim eines sehr rührenden Stückes zu finden, und nachdem Voltaire ihren Antragabgelehnt hatte, schlug sie L. die Bearbeitung desselben vor. Dieser schrieb nun >735Do^ Prestige ä In wolle". So entstand aus der Posse dieComsllie larmoyante", d. i. dasweinerliche Schauspiel. L. glaubte sich auch zur Tragödie erheben zu können, und schrieblUsximieir" (1738), das aber keinen Beifall fand. Unter seinen Lustspielen sindl^colelles weres",Da gouvernante" undXmvur pour amour" die besten. Bemerkenswert!)ist außerdem noch sein DramaNelanille" (174 l). L. wurde 1736 Mitglied der franz.! Akademie und starb am l 4. Mai >754. Voltaire sagt von ihm, er sei einer der Ersten nachDenen, welche Genie haben. Seine Werke erschienen in 5 Bden, Paris 1762.

Lachaup de Fonds, ein durch die Industrie seiner Bewohner merkwürdiger Ort ini der zum schweizer. Canton Neuenburg gehörenden Grafsckaft Valcndis (Valengin),! 3075 F. über dem Meere, in einem einförmigen, öden, für den Anbau wenig geeignete»

Thale des Jura an der franz. Grenze, hat gegen 9500 E., unter denen viel Wohlstand und> Neichthum herrscht, und die der Mehrzahl nach mit Uhrmacher- und Goldarbeiten sich be-! schäftigen. Überhaupt ist L. nächst dem benachbarten Orte Loclc und Genf der Hauptsitzder Uhrmachcrei und des Handels mit Uhren für ganz Europa. Die Stadt brannte im I.1794 ab und hat seitdem ein stattlicheres Ansehen gewonnen.

! Lächerlich heißt Das, was Lachen erregt. Das Lachen ist zunächst ein körperlicher^ Vorgang, der zwar gewöhnlich den gleichnamigen psychischen Afftet begleitet, aber nicht' nothwendig damit verbunden ist, und in Krankheiten auch unabhängig davon verkommt.Das Lachen als körperliche und geistige Erscheinung ist daher ein sehr zusammengesetztesPhänomen, dessen Bedingungen beiweitcm noch nicht hinlänglich ergründet sind. Abge-sehen von dem Physiologischen zog das Lächerliche als Theil des Komischen schon die Auf-merksamkeit des Aristoteles auf sich, der es als eine unschädliche oder schmerzlose Unschick-lichkeit erklärte. Kant besinnt es viel zu eng als Das, was eine gespannte Erwartung innichts verwandle; Jean Paul endlich, tiefer gehend, nannte cs den sinnlich angeschautenunendlichen Unverstand. Aber der Unverstand, über den wir lachen, braucht weder unendlichzu sein, noch ist jeder sinnlich angeschaute Unverstand schon an sich lächerlich. Vielmehr wirdder Unverstand, das Ungereimte und Zweckwidrige erst dadurch lächerlich, daß der Auffaffendeihm seinen eigenen Verstand unterlegt, und aus dem Conflict zwischen diesen verschiedenensich kreuzenden Gedanken scheint der psychische Kitzel zu entstehen, den wir empfinden, wenn