Laborde 467
wallende Gesinnungen ausgezeichneter Mann aus einer alten Familie in Bearn, geb.172-1, erwarb zu Bayonne durch wohlbcrechncte Unternehmungen im Handel mit Westin-dien und Spanien ein so großes Vermögen, daß der span. Hof, als der französische bei dem-selben 1758 eine Anleihe von 50 Mill. Livres machen wollte, das Geschäft nicht eher ab-schloß, bis sich L. verbürgt hatte, der hierauf Hofbanquier wurde und des Ministers Choi-seul volles Vertrauen erwarb. Seine Besitzung Laborde wurde zum Marquisat erhoben,doch machte er nie Gebrauch von dem Titel. Nach dem Stune Ehoiseul's zog auch L. sichaus den meisten Geschäften zurück und behielt nur sechs Schiffe, weil er auf St.-DomingoPlantagen hatte. Beim Ausbruche des amerik. Freiheitskriegs lieferte er der Negierung12 Mill. Livres in Gold nach Brest, wodurch das Auslaufen der Expedition unter Nocham-beau möglich wurde. Später führte er eine Menge großer und prachtvoller Bauten aus;er gab jährlich 24000 Fr. zur Unterstützung der Armen, und im I. l 7 88 zur Errichtungvon vier großen Hospitälern in Paris 400000 Fr. Während der Schreckenszeit lebte L.in der Stille auf seinem Schlosse Mereville, bis er seines Ncichthums wegen vor das Nc-volutionsgericht gebracht wurde, das ihn auf die Anschuldigung, mit Wucherern in Ver-bindung gestanden zu haben, am 18. Apr. l 784 zum Tode verurtheilte und noch an dem-selben Tage ungeachtet der dringendsten Bitten seiner Unterthanen hinrichten ließ. — Vonseinen vier Söhnen hatten zwei, die in der Marine dienten und den unglücklichen Lapcy-rouse begleiteten, noch ehe dessen Schiff verloren ging, ihren Tod gefunden, als sie an derKüste von Californicn einige in einem leichten Fahrzeuge ausgesetzte Kameraden in derheftigsten Brandung zu retten suchten. — Der dritte und älteste seiner Söhne, Fr an x.Louis Jos., Graf de L-, der ebenfalls in der Marine diente, wurde, nachdem er denSeedicnst aufgegeben, königlicher Schatzmeister. Er war Mitglied der Generalstaaten undder constituirenden Versammlung. Nach dem Schluffe derselben wanderte er nach Eng-land aus, wo er in London 1801 starb. — Der jüngste der vier Brüder, Alex. LouisJos., MarquisdeL-, geb. zu Paris am >5.Sept. >774, machte in östr. Diensten dieersten Feldzüge gegen die franz. Republik mit. Nach dem Frieden von Campo Formio kehrteer 1797 in sein Vaterland zurück, wo er bald in den großen Cirkeln beliebt und mit derVonaparte'schen Familie vertraut wurde. Er bereiste England, Holland, Italien undSpanien, begleitete 1808 Napoleon nach Spanien und >809 in dem Feldzüge nach Ost-reich, bekam für die Dauer der Occupatio» Wiens die Verwaltung der kaiserlichen Domai-nen und wurde sodann Nequetenmeister beim kaiserlichen Staatsrakhe in Paris. Auch warer bei der Gesandtschaft, welche für den Kaiser um die Hand der Erzherzogin Marie Luiseanhielt. Im I-181 l erhielt er die Aufsicht über den Brücken- und Wegebau im Umkreisevon Paris und 1813 die Mitgliedschaft im Institut. Beim Heranrücken der Verbündetengegen Paris wurde er zum Adjutanten im Generalstabe der Nationalgarde ernannt. Alssolcher begab er sich bei der Einnahme der Stadt mit ins feindliche Lager, um in Betreffder Nationalgarde zu unterhandeln. Nach der Restauration verlor er seinen Einfluß aufdie Staatsgeschäfte. In dieser Zeit beschäftigte er sich eifrig mit der Lancaster'schcn Unter-richtsmethode, wie dies sein „Ulan li'etlncation pour le» enlänts pauvres" (Par. 1815)beweist. Zwar wurde er 1818 wieder in den Skaatsrath berufen, jedoch wegen Verdachtsliberaler Gesinnungen sehr bald von neuem daraus entfernt. Im 1.1822 wurde er einerder Deputaten der Stadt Paris in der Kammer, wo er sich durch seine Frcimüthigkeit undgeistreichen Reden auszeichnete, auch 1827 wieder erwählt. Mit seinem Sohne machte er in-zwischen 1825 eine Reise nach Kleinasien, Ägypten und Griechenland, Im 1.1830 gehörte erzu den 221 Deputaten, welche die Protestatio» gegen die Ordonnanzen Karl's X. Unterzeich-neten. Am 30. Juli übernahm er provisorisch die Stelle eines Präfecten des Seinedepar-tements. Ludwig Philipp ernannte ihn zu seinem Adjutanten bei der Nationalgarde mitdem Grade eines Marechal-de-Camp, sowie auch zum Staatsrath. Zwar verlor er unterdem Ministerium Cas. Pe'ricr seine Adjutantur, doch wurde sie ihm sehr bald wieder zuTheil. In den I. >831 und >834 wurde er wieder in Paris in die Kammer gewählt,1837 aber, wo er hier durchfiel, zu Etampcs, wo auch 1839 die Wahl wieder auf ihn fiel.Jm J. 1841 nahm er indeß seine Entlassung aus der Kammer. Er starb zu Paris am 19.
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