Kutaiv Kutsche 457
preuß. Provinz Brandenburg, in einer Ebene, an dem Einflüsse der Warte in die Oder, überwelche hier eine 875 F. lange hölzerne Brücke führt, ist auf der einen Seite von der Warteund auf der andern von der Warte und der Oder, sonst überall mit breiten Morästen um-geben. Die Stadt hat 6000 E., eine höhere Bürgerschule, einige Fabriken und etwasSchiffahrt. Sie war bald nach ihrer Gründung, vom J. >53 5 an, eine Zeit lang die Residenzdes Markgrafen Johann, eines Sohnes des Kurfürsten Joachim'-I. von Brandenburg,und wurde später Sih der neumärkischen Kriegs- und Domainenkammer, bei welcherFriedrich der Große als Kronprinz in der Eigenschaft eines Assessors einige Zeit arbeitenmußte. Die Festung, die 1537 unter dem Markgrafen Johann zuerst blos mit Erdwällen,dann aber durch einen Grafen von Lynar mit gemauerten Wällen umgeben wurde, hattevom >5.—22. Aug. 1758 ein furchtbares Bombardement durch die Russen zu ertragen,bis sie Friedrich der Große entsetzte. Im I. 1806 wurde sie bald nach der Schlacht beiJena von dem damaligen preuß. Commandanten Obersten von Ingersleben, wiewol der-selbe mitProviant reichlich versehen war und dem kurz vorher persönlich anwesenden Königeversprochen hatte, sich aufs Äußerste zu verthcidigen, den kaum erschienenen franz. Truppenübergeben, welche sie auch nach dem Frieden besetzt hielten und erst zu Anfang des I. 1814auf Capitulation an die Preußen übergaben.
Kutais oder Kutaissi, die Hauptstadt der jetzt russ. Provinz Jmerethi oder Meli-tenien, die einen Bestandtheil des Gouvernements Grusicn oder Georgien ausmacht, hatgegenwärtig nur etwa 3900 E-, während sic unter der früher« türk.Herrschaft über 14000zählte. Sie ist der Sitz eines griech. Metropoliten und besitzt eine schöne russ. Kathedrale.Die Bevölkerung besteht in einem Gemisch von Juden, Griechen, Türken, Armeniern,Grusiniern und Russen. In der Umgegend der Stadt, am Rioni, gibt es viele Fasanen,als deren eigentliches Vaterland Jmeretien betrachtet wird.
Kutsche. Schon in den allerfrühesten Zeiten hatten die Fürsten besondere Wagen,deren sie sich bei feierlichen Gelegenheiten bedienten; sie waren unbedeckt, wie die, deren inder Bibel zu Joseph's Zeiten in Ägypten Erwähnung geschieht; doch schon zu Moses' Zeitengab es auch bedeckte Lastwagen. Die nomadischen Scythen sollen mitLeder bedeckte Wagengehabt haben, ebenso die Spartaner. Auch die Römer hatten schon frühe offene und für krankeSoldaten und alte Leute bedeckte Wagen. Später kam die csrruca auf, ein bedeckter Lust-wagen, dessen Plinius zuerst gedenkt. Gefertigt wurde die carruc-a von Elfenbein, Erz, zu-letzt sogar von Silber und Gold, weswegen auch nur die Magistrats- und andere vornehmePersonen sich derselben bedienten; Maulesel zogen sie. Hängende Wagen sollen in Ungarnerfunden und daher auch der Name Kutsche Ungar. Ursprungs sein. In Italien zog im I.1266 Beatrix, die Gemahlin Karl's von Anjou, in einer mit himmelblauem Sammet,worauf goldene Lilien gestickt waren, beschlagenen Kutsche in Neapel ein. In Frankreichsoll l 405 Isabelle, die Gemahlin König Karl's VI., in einem bedeckten, in Riemen hän-genden Wagen ihren Einzug in Paris gehalten haben. Auch in Deutschland bedienten sichdie Vornehmen bereits im >5. Jahrh. der Kutschen; so kam Kaiser Friedrich III. >474 ineinem hängenden Wagen nach Frankfurt. Die Gemahlin des Kurfürsten Joachim's l. vonBrandenburg hatte 1509 bereits einen ganz vergoldeten Wagen und zwölf andere mitCarmoisin beschlagene Kutschen. In Spanien soll um die Mitte des 16. Jahrh. Kaiser-Karl V. des Podagras wegen sich zuerst einer Kutsche bedient haben. Dem Herzoge Ulrichvon Würtembcrg wurde die erste Kutsche von einem poln. Fürsten um 1548 geschenkt.Unter Franzi. erhielten in Frankreich die Kutschen, die man hier csrrnsses nannte, einebessere Einrichtung, indem man die Öffnungen derselben mit ledernen Vorhängen versah;doch waren sie noch etwas äußerst Seltenes. Nur die berühmte Diana von Poiticrs undder überaus wohlbeleibteHofcavalierRaimond de Laval hatten um > 540 dergleichen Fuhr-werke in Paris und zehn Jahre später zählte man deren noch immer nicht mehr als drei.Unter Heinrich III., 1574—89, wurde die vierte Kutsche, und zwar von einer Privatpersonangeschafft, während man bisher das Halten einer solchen für ein Vorrecht des königlichenHauses und der vornehmsten Beamten angesehen hatte. Heinrich IV., der in der Kutscheermordet wurde, hatte nebst seiner Gemahlin zusammen nur eine Carrosse, wie aus einemBriefe hervorgeht, in welchem er sein Ausbleiben bei einem Freunde damit entschuldigt,