Kurmark 453
Herrscherrecht gegen die Ansprüche des bevorrechteten Adels behauptend, die Klagen derStände in Warschau durch Gegenklagen bekämpfte, so hatte die Alles sanft und klug ver-mittelnde Herzogin öfter Gelegenheit, zur Aussöhnung der Parteien beizutragen. Zugleicherheiterte sie durch Frohsinn und durch ihr musikalisches Talent die durch Mishelligkeitenaller Art getrübten Tage ihres Gemahls. Im I. 17 84 unternahm sie mit demselben eineReise nach Italien, welche zu ihrer geistigen Ausbildung nicht wenig beitrug. Als auf derRückreise der Herzog ihr« Entbindung in Deutschland abzuwarten entschlossen war, gabsie den Bitten der damit unzufriedenen Stände nach, reiste im Dec. 1786 nach Mitau,wo sie am 23. Febr. >787 einen Erbprinzen gebar. Jetzt war es der Wunsch der Land-schaft und der obersten Verwaltungsbehörde, daß sie gemeinschaftlich mit den Oberrathenals Vormünderin die Regierung übernehme; doch sie weigerte sich dessen und bewog imFrühjahre >788 den Herzog zur schleunigen Rückkehr. Dessenungeachtet konnten die Zwi-stigkeiten nicht beigelegt werden, und der Tod des Erbprinzen, im März 1799, zerstörtealle Hoffnungen der Herzogin. Mit ihrer Schwester, Elise von der R e cke (s. d.), welchevon Kindheit an bis zu ihrem Tode als treue Freundin ihr zur Seite stand, ging sie imHerbste >799 nach Warschau, wo die Streitigkeiten des Herzogs mit den Ständen ver-handelt wurden. Jndeß gelang es ihr erst bei ihrer zweiten und dritten Anwesenheit, 1791und 1792, eine Entscheidung der kurländ. Angelegenheiten zur scheinbaren Zufriedenstel-lung des Herzogs und des Landes zu erlangen. Nach seiner Abdankung im I. 1795 hieltsich der Herzog bald aus seiner Allodialherrschast Nachod in Böhmen, bald in dem von ihm>786 erkauften Herzogthum Sagau in Schlesien auf, und starb zu Gollenau, unweit Na-chod, am 12. Jan. 1899. Hierauf lebte die Herzogin mit ihren vier Töchtern theils aufder von ihr 1796 erkauften Herrschaft Löbichau im Altenburgischen, theils in Berlin. ZmI. 1896 machte sie eine Reise nach Petersburg; im I. 1899 nach Paris, 1817 auf Ale-xander'-Einladung wieder nach Petersburg, und dann nach Mitau, wo sie eine Armenschulestiftete und das Fräuleinstift mit einem ansehnlichen Capitale ausstattete. In den letztenJahren ihres Lebens brachte sie den Winter in Paris und den Sommer in Löbichau zu, wosie am29.Aug. >82 l starb. — Ihre älteste Tochter Kath arina, geb. am 8. Febr. 1781,die als Herzogin von Sagan 1899 ihrem Vater in der Regierung folgte, 1819 zum drit-ten Male sich mit dem Grafen Karl Rudolf von der Schulenburg vermählte und 1827zur katholischen Kirche übertrat, starb am 29. Nov. > 839. — Die zweite Tochter Pau -line, geb. am 19. Febr. >782, Witwe des 1838 verstorbenen Fürsten FriedrichHermannOtto von Hohcnzollern-Hechinge», wurde zufolge Testaments ihrer altern Schwester derenUniversalerbin und starb zu Wien im I. >844. — Die dritte Schwester Johanne, geb.am 24. Jun. >7 83, vermählt >891 mit Franz, Fürsten Pignatelli de Belmonti, Herzogvon Acerenza, ererbte von ihrer Mutter Löbichau. — Die vierte Tochter Dorothea,geb. am 21. Aug. >793, vermählte Gräfin von Talleyrand-Perigord und Herzogin vonDino, besitzt die Herrschaft Deutsch-Wartenberg. Vgl. Tiedge, „Anna Charlotte Doro-thea, letzte Herzogin von Kurland" (Lpz. >823).
Kurmark hieß der Haupttheil der Mark Brandenburg, deren zweite kleinere Hälftedie Neumark war. Sie umfaßte die Altmark mit der Hauptstadt Stendal, die Vormarkoder Priegnitz mit der Hauptstadt Pcrleburg, die Mittelmark mit der Hauptstadt Bran-denburg, die Uckermark mit der Hauptstadt Prcnzlau und die Herrschaften Beeskow undStorkow oder den beeskow- und storkowcr Kreis, und enthielt auf 447 mM. 839999 E.Der Name Kurmark, der in Folge der Übertragung dcrKurwürde auf Brandenburg unterLudwigII. aus dem Hause Wittelsbach um 1369 entstanden war, verschwand mit dem Un-tergänge der deutschen Rcichsverfassung. Nach dem tilsiter Frieden wurde die Altmarkmit dem neuerrichteten Königreiche Westfalen, dafür aber daS rechts der Elbe gelegeneHerzogthum Magdeburg mit der Mark verbunden, die demzufolge damals 418 H>M. mit785999 E. umfaßte. Im I. 1813 fiel die Altmark an Preußen zurück, doch erneuerteman bei Errichtung der Regierungsbezirke die Eintheilung in Kurmark und Neumark nichtwieder, sondern theilte die Altmark dem Magdeburger, die Priegnitz, Uckermark und dengrößer» Theil der Mittelmark dem Potsdamer, die übrige Mittelmark und den beeskow-storkower Kreis aber dem frankfurter Regierungsbezirke zu.