Kuppelei Kurdistan 447
seit Michel Angelo ruht meist auf einem sogenannten Cylinder oder Tambour, welcher eineReihe Fenster enthält und von Außen mit einer Colonnade versehen ist. Das Innere derKuppel selbst ist in Felder oder Kassetten getheilt oder mit Fresken geschmückt, ,und ge-wöhnlich die innere Schale der Kuppel bedeutend niedriger als die äußere. Über denarchitektonischen Werth der Kuppel, zumal in ihrer Verbindung mit einem Langhause,streitet man schon lange; jedenfalls sind ihr ein großer malerischer Werth und ein höchstbedeutender äußerer Umriß nicht abzusprechen. Eine der schönsten neuern Kuppeln ineinem Profanbau ist die Kuppel km Museum zu Berlin, eines der edelsten Werke Schin-kei's. An Kvlossalität der Verhältnisse wird sie jedoch von der Kuppel der im Bau be-griffenen Befrcinngshalle auf dem Michclsberge weit überboten werden.
Kuppelei (lenocinium) nennt man das Anlaßgeben und Gelegenheitschaffen zu un-erlaubter Befriedigung des Geschlechtstriebes. Die Kuppelei wird an Denen, die sich diesesVerbrechens schuldig machen, härter bestraft, je nachdem Verführung unschuldiger Mäd-chen und andere Schlechtigkeiten hinzukommcn, oder gar Männer ihre Frauen und Alternihre Töchter fremder Wollust Preis geben. Das röm. Recht geht hier bis zur Todesstrafe;im neuern deutschen Strafrechte ist Freiheitsstrafe in verschiedenen Abstufungen angedroht.
Kur, im Alterthum Cyrus, ein Fluß in dem jenseit desKaukasus liegenden, zu Ruß-land gehörigen Grusinischen Gouvernement, entspringt in den Armenischen Bergen, die vondem Ararat sich verzweigen, hak über I »0 M. Länge und ergießt sich, durch den aus Armenienkommenden Arasflnß (den alten Araxes) verstärkt, zwischen Baku und Lenkoran in dasKaspische Meer. Er bildet bei seiner Mündung ein breites, aus mehren Flußarmen be-stehendes Delta, dem viele kleine Inseln vorlagern, und einen mehre Meilen breiten Meeres-busen, die Bai von Lenkoran. An den K. und seine Umgebungen knüpfen sich viele inter-essante Sagen, besonders aus der biblischen und pers. Geschichte. Vgl.Parrot, „Reise zumArarat" (2 Bde., Stnttg. 1834) und Klaproth, „Geographisch-historische Beschreibungdes östlichen Kaukasus zwischen Terek, Aragwi, Kur und Kaspisee" (Weim. 1814).
Küraß, ein gewöhnlich aus Eisen geschmiedeter Brustharnisch, zuweilen auch miteinem dergleichen Rückenstück verbunden, und durch Achselbänder und Riemen befestigt,ist eine Nachbildung des mittelalterlichen Harnisches (s. d.) und soll die Brust gegen dasFeuer des kleinen Gewehrs, so wie gegen Hieb und namentlich gegen den Lanzenstich sichern.Das große Gewicht aber, welches er bekommen muß, um schußfest zu sein, hat vielfacheVorschläge zur Anwendung anderer Stoffe veranlaßt. Die mit Kürassen bewaffnetenReiter kommenschon im lö.Jahrh. unter demNamen Kürassiere vor und finden sich nochgegenwärtig bei den meisten Armeen.
Kürbis (Oucnrblta) ist eine sehr häufig in Gärten und Feldern cultivirte Pflanze.Als verschiedene Arten unterscheidet man denFlaschenkürbiS (6.IaFenaria), denMe-lonenkürbis (6. melopepo) und den Warzenkürbis (6. verrucosa). Die Kürbissegewähren nicht nur eine nahrhafte Speise, sondern auch ein gutes Viehfutter. Auch kannman daraus Zucker und Branntwein fertigen. Aus den Kernen läßt sich ein brauchbaresÖl bereiten. Am häufigsten benutzt man die Kürbisse im südlichen Europa, um allerhandSpeisen daraus zu bereiten. In Venedig z. B. werden große Massen von Kürbissen aufden Märkten gebraten und verspeist, und die niedere Volksclasse ist daran so gewöhnt, daßsie zur Kürbiszeit fast nur diese gebratene Frucht genießt.
Kurdistan, d.h. das Land der Kurden, ist kein genau begrenztes Gebiet und erstrecktsich auf dem südöstlichen Abhang des armenischen Hochlandes und dem nordwestlichen desZagrosgebirges, in dem Raume zwischen diesen beiden Gebirgen und dem Tigris in Vvrder-asicn ungefähr vom 36" 31V—39" 3<V nördl. Br. und 59"—66° östl. L. Der größte Theildes Landes ist sehr gebirgig und um so rauher, je höher sich das Gebirge erhebt; doch sinddie Thäler meist sehr fruchtbar und schön; nur die Gegend längs des Tigris im südlichenTheilc des Landes ist ebener, aber im Sommer auch dürr und glühend heiß und nur in dernassen Jahreszeit begrünt. Die Kurden sind ein räuberisches, zum Islam sich bekennendesNomadenvolk indogerman. Stammes, das seit undenklichen Zeiten schon, immer dieselbe Le-bensart führend, hier haust und den Alten unter den Namen der Karduchen und Gordyäerbekannt war. Sie zerfallen in viele Stämme unter eigenen Häuptern und find ein ebenso