E Kunst
schön« Künste, z. B. die Poesie, weil sie die geistigste ist und sich, wie die Wissenschaft, zuihrem Darstellungsmittel der Sprache bedient, schöne Wissenschaften nannte. Wissen- 'schast und Kunst sind aber gleichwol dadurch verbunden, daß eine Art derErkcnntniß über-haupt bei aller Kunstübung vorausgesetzt wird und dagegen auch die Wissenschaft in ihrenäußern Darstellungen Kunst ist. Wiederum wird auch die Kunst durch die Wissenschafterkannt und in ihren Werken beurtheilt, worauf die Kunstphilosophie und alle Theorie derKünste beruhen. Will man nun das Wesen der Kunst genauer betrachten, so muß man aufdas Bedürfniß zurückgehen, welches den Menschen überhaupt antreibt, durch Bearbeitungdes von der Natur empfangenen Stoffs und Umbildung vorhandener Formen Verände- irungen in der Erscheinungswelt hervorzubringen und die Natur zu seinen Zwecken zu be< ^handeln. Dieses Bedürfniß gründet sich auf die Wahrnehmung oder das Gefühl, daß direinzelnen Erscheinungen der Natur und des Menschenlebens, wie sie sich »erfinden, mit sei-nen Zwecken nicht immer übereinstimmen. Inwiefern er nun theils den Drang zu wirkenlebhaft in sich fühlt, theils die Natur nach ihren Gesetzen erkannt und sie zu behandeln ge-lernt hat, insofern sucht er auch den selbstthätig Vorgesetzten oder ihm gegebenen Zweck z»erreiche» und, zur Erreichung desselben die vorhandenen Mittel vergleichend, dar nachMangelnde durch,,Combinalion zu ergänzen. Hierdurch erzeugt sich in ihm die Vorstel-lung von etwas Außerm, das als Mittel, die Federung des Gedankens mit den äußernErscheinungen zu verbinden, dienen soll, d. h. er erfindet und dichtet. Herrschaft des Gei- ,fies über die Natur ist somit aller Kunst Wesen und Kennzeichen, und aller Kunstbestre- !bringen letzter Zweck und Erfolg beruht darauf, daß mit dem wachsenden geistigen Be-dürfnisse des Menschen die Natur und seine Umgebungen zu seinen idealen Fodcrungmimmer nrehr erhoben werden.
Durch ihre unmittelbaren Zwecke und durch das nächste Bedürfniß, worauf sich dieWerke der Kunst gründen, sowie durch die herrschenden Kräfte, welche bei ihrer Hervor- -bringung wirksam sind, und die Art, wie sie dabei in Wirksamkeit gesetzt werden, unterschei- ^den sich voneinander die verschiedenen Elasten der Kunst, welche Künste genannt werden.Jene Zwecke sind entweder niedere und relative, d.h. sie haben nur eine bedingte und abhän-gige Bedeutung, z. B. Alles, was zum Vergnügen oder Nutzen dient; oder höhere und ab-solute. Einige setzen mehr die Kräfte des Körpers, andere mehr die geistigen Kräfte in Bewegung. Die Wirksamkeit dieser Kräfte ist entweder mehr mechanisch und mit Anstren-gung verbunden (Arbeit), oder eine freie, leicht von statten gehende Thätigkeit, die in ihmÄußerung ihren eigenen Genuß findet und sich selbst zur Vollendung ihrer Werke anreizt(Spiel), und hiernach sind die Künste gebundene (mechanische) oder freie Künste. DüAlten verstanden unter Freien Künsten (s. d.) diejenigen Kenntnisse und Fertigkeiten,welche zu dem Unterrichte der Freigeborenen gehörten und die man eines freien Männerwürdig achtete, entgegengesetzt den Beschäftigungen der Sklaven, worunter man meist me-chanische Arbeiten verstand. In später» Zeiten wurden freie Künste auch die unzüchtigenGewerbe genannt und den zunftmäßigen entgegengesetzt. Die freien Künste in dem Sinne,welchen man gegenwärtig damit verbindet, selbst die, welche auf cdlern Bedürfnissen beru-hen, haben entweder einen außer ihren Werken liegenden Zweck, zu welchem sie Verstandoder Willen hinleitcn wollen und zu dessen Erreichung also ihre Werke nur Mittel sind, >weshalb sie auch nicht durch bloße Anschauung gefallen, oder sie sind solche, deren Werkeals Darstellungen eines geistigen Gehalts durch sich selbst gefallen. Letztem liegt das höhereBedürfniß und der Wunsch zum Grunde, das in irgend einer Art Vollkommene, Muster-hafte und Ideale in selbständigen, in sich abgeschlossenen, der Anschauung durch sich selbstwürdigen Formen auszuprägen. Während jene, zu denen z. B. selbst die Redekunst gehört,nur relative Künste genannt werden können, nennen wir diese absolute Künste und ihreWerke vorzugsweise Kunstwerke. Denn die Darstellung, welche der Kunst Kennzeichenist, wird hier zu etwas Absolutem erhoben, indem das Ideale auf eigenthümliche Weise ,durch sie zur Anschauung gebracht wird. Die absoluten Künste sind keine andern als die ^sogenannten schönen Künste. In ihnen herrscht die Schönheit, die ohne fremde Bezie-hung durch sich selbst gefällt und ihren Zweck in sich selbst trägt; dahingegen die Werke derrelativen und niedern Kunst dem Nutzen und der Brauchbarkeit huldigen und höchstens
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