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Krüdener Krug (Joh. Friede. Adolf) 407
wie es möglich ist, daß sie, in hohlen Bäumen oder Felsenritzen durch Zufall eingesperrt, nurmittels Hautaufsaugung der umgebenden Feuchtigkeit sich viele Jahre erhalten können.
Krüdener (Juliane, Freifrau von), eine berühmte Frau, die durch ihren Hang zumPietismus und zur Sektirerei eine Zeit lang viel Unheil anrichtete, geb. zu Riga um 1766,erhielt im Hause ihres Vaters, des Barons von Vietinghoff, eines der reichsten Gutsbe-sitzer in Kurland, eine sorgfältige Erziehung. Noch als Kind kam sie mit ihren Altern nachParis, wo deren Haus ein Sammelplatz der schönen Geister war. Man bewunderte denWitz und die Kenntnisse der aufblühenden Jungfrau, die weniger durch Schönheit alsdurch ihre Gestalt, zarte Züge und kindliche Heiterkeit gefiel; doch zeigte sie schon damalseinen Hang zu schwermüthigen Träumereien. In ihrem 14. Jahre vermählte man sie miteinem durch edle Gesinnung und gründliches Wissen ausgezeichneten Liefländer, dem Frei-herrn von Krüdener, geb. >744,welchemsienachKopenhagen und dann nach Venedig folgte,wo er als russ. Gesandter mehre Jahre lebte, und dem sie einen Sohn und eine Tochter gebar.Da sie indeß, durch ihre natürliche Lebhaftigkeit und durch die Lockungen der großen Weltverleitet, sich zu vielen Verirrungen Hinreißen ließ, die ihre häuslichen Verhältnisse zerrüt-teten, so wurde die Ehe getrennt, worauf sie 1791 nach Riga in das Haus ihrer Alternzurückkehrte. Hier galt sie für eine der liebenswürdigsten Frauen; doch unbefriedigt vonihren Umgebungen, gefiel es ihr hier nicht lange und abwechselnd lebte sie nun in Parisund Petersburg. Hier wie dort verwickelte sie ihr Hang nach Zerstreuung in tausend Ver-legenheiten, und in Paris soll der leichtsinnige Sänger Ga rat (s. d.) ihr Herz beherrschthaben. Nichtsdestoweniger erwarb sie sich durch den Roman „Valerie, »u lettre« cie 6u-stave cks lünar ü Llrrieste cke 6." (2 Bde., Par. 1894; deutsch, Lpz. 1894, und vonMüller, Hamb. 1894), worin sie ein Verhältniß schilderte, das ihr selbst einst theuer gewe-sen war, den Ruf als Schriftstellerin. Im I. 1896 befand sie sich in der Umgebung derKönigin Luise von Preußen. Schon damals fühlte sie sich zu dem Pietismus der Brüder-gemeinde hingezogen. Später begab sie sich wieder nach Paris, 1812 nach Genf und 1813nach Deutschland, wo sie in Karlsruhe viel mit Jung (s. d.), genannt Stilling, umging.Von jetzt an glaubte sie sich berufen, den Armen das Evangelium zu predigen. Als sie1814 wieder nach Paris kam, fing sie an, in ihrem Hause religiöse Versammlungen zuhalten, die von den bedeutendsten Persönlichkeiten besucht wurden. Von dem Feste, dasdie russ. Heere in den Ebenen von ChalonS feierten, gab sie eine Beschreibung unter demTitel „I.e csmj» cks vcrtiis" (Par. 1814) heraus, in der sic alle damalige Freigeisterei alsden Anfang des Reichs Christi auf Erden darstellte. In Basel, wohin sie sich 1815 begab,schloß sich ihr Empeytaz, ein junger Geistlicher aus Genf, an; da sie aber durch ihre Er-bauungsstunden Unordnungen und Mishelligkeiten in den Familien anrichtete, mußte siedie Stadt sehr bald verlassen. Ebenso ging es ihr in Lörrach, Aarau und an andern Orten.Endlich unter policeiliche Aufsicht gestellt, wurde sie wegen der Unruhigen Bewegungen, indie sie überall den großen Volkshaufen versetzte, und, da weder Ostreich noch Frankreich ihrden Eintritt gestatteten, nebst ihrer Tochter und ihrem Anhänge über Leipzig, wo man ihreinen länger» Aufenthalt gewährte, unter policeilicher Bedeckung 1818 über die russ.Grenze gebracht. Da man auch hier ihr sofort andeutete, daß sie weder nach Petersburgnoch nach Moskau kommen dürfe, so begab sie sich nach Riga, wo sie ihre Bckehrungsver-suche fortsctzte. Als sie später dessenungeachtet nach Petersburg kam, wo sie sich lebhaftfür die Sache der Griechen erklärte, wurde sie von dort förmlich verwiesen und ging nunnach Liefland und von hier im Juni >824 mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersöhne,dem Staatsrath Berkheim, in die Krim, wo sie am 13. Dec. 1824 zu Karasubasar starb.Vgl.Brescius und Seiler, „Beiträge zu einer Charakteristik derFrau von K." (Berl. l 8! 8).
Krug (Joh. Friedr. Adolf), ein durch seine Bemühungen für die Begründung derElementarmethode verdienter Schulmann, geb. am 19. Mai >771 zu Naunhof bei Gro-ßenhain, wo sein Vater Prediger war, den er aber im zweiten Lebensjahre verlor, besuchtevon 1787—91 das Gymnasium zu Bautzen und studirte von >79! an Theologie zu Leip-zig. Nachdem er schon während seiner Schul- und Universitätsjahre Unterricht ertheilthatte, beschäftigte er sich nach Beendigung seines theologischen Cursus, wo er Hauslehrerwurde, mit dem Studium der Naturkunde, Anatomie und Physiologie. Hierdurch, wie