Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
405
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Krönung Kropf LOS

düng der Newa vor, die hier 400stF. Breite hat und von ihr durch das Fort Kronslot völ-lig beherrscht wird, und ist durch ihre Lage, wie durch die Stärke ihrer Werke die wichtigsteFestung des Reichs. Ihr Gründer ist Peter der Große; bereits >710 hoben sich die erstenForts auf der Kotlin-Ostrow oder Kesselinsel im Finnischen Golf empor, die von dem russ.Architekten Kokorinow (s. d.) in der folgenden Zeit noch verstärkt wurden. K. besitztAlles, was auf das Seewesen sich besteht: Schiffswerfte, Schiffsdocken, ein Secarsenal,eine Steuermannsschule, eine Matrosenschule, ein Seelazareth, Zollgebäude, einen sichernKriegshafcn und zwei sehr tiefe Kauffahrtcihäfen. Die Stadt ist nur klein; doch herrschtdaselbst in Folge des großen Verkehrs und der vielen ankommenden Schiffe ein ungewöhn-liches Drängen und Treiben. Alljährlich kann man eine Schiffsbewegung von 27003000 an- und absegelnden Schiffen für den hiesigen Hafen annehmen. Dazu kommt nochdie stete Dampsbootverbindung zwischen K., Petersburg, Peterhof undOranienbaum, unddaß auch die Dampfschiffe von Stettin, Lübeck, Havre, Reval, Helsingfors und Stockholmjederzeit hier anlcgen müssen. Das Gewühl vermehren die steten Evolutionen dev kaiserli-chen Ostseeflotte, deren Station K. ist und die einen großen Theil ihrer überzähligen Trup-pen hier einquartiert. So ist es erklärlich, daß diese kleine Stadt im I. 1838 dennoch dieunverhältnißmäßig große Bevölkerung von mehr als 53000 Seelen zählte.

Krönung nennt man die Einsetzung und Anerkennung eines Monarchen unter kirch-lichen Feierlichkeiten. In älter» Zeiten, wo das Recht der Thronfolge oft unsicher und strei-tig war oder wo das Recht zu regieren nicht ohne förmliche Übernahme gewisser Regierungs-Pflichten erlangt werden konnte, war dieselbe nothwendiger als gegenwärtig, wo man auchin vielen Ländern blos die Huldigung (s. d.) an ihre Stelle hat treten lassen. Das We-sentliche bei der Krönung ist der Eid des Monarchen, daß er gerecht und fromm regieren,das wahre Wohl seines Volks stets vor Augen haben und die Grundgesetze des Staats ge-wissenhaft befolgen wolle, und dann das Aufsetzen der Krone (s. d.) unter Gebet undSalbung. Wie in Frankreich bis zur Julirevolution, so haben sich in England bis auf dieneueste Zeit die Regenten stets mit großem Prunk und mit Beobachtung alterthümlicherLehnsgebräuche krönen lassen. In Frankreich geschah solches von uralter Zeit an in dererzbischöflichen Kirche zu Rheims, in England geschieht es in der Westminsterabtei. Auchin Ostreich und Rußland ist Krönung noch üblich. Hauptsächlich zeichnete sich durch Feier-lichkeit und Pracht die Krönung des deutschen Kaisers aus, als des ersten christlichen Fürsten.Sowol über die Krönung König Georg's IV. von Großbritannien (>82l), wie über dieKarl's X. von Frankreich (1825) sind Prachtwerke erschienen.

Kropf (inglnvies) nennt man in der Zoologie die sackartige Erweiterung der Speise-röhre, welche besonders den Hühnern, Tauben, Papageien und Tagraubvögeln eigen ist,unter den übrigen Vögeln aber nur bei einzelnen Gattungen gefunden wird. Obschon manim gewöhnlichen Leben jede Anschwellung an der »ordern Seite des Halses beim Menschenebenso zu nennen Pflegt, so bezeichnet die Pathologie doch eine solche Anschwellung nurdann mit dem Namen Kropf (struma), wenn sie von einer Vergrößerung der die beidenSeiten des Kehlkopfs bedeckenden Kehlkovf- oder Schilddrüse herrührt, und unterscheidetdavon gewöhnlich drei Arten. Der Gcfäßkropf entsteht durch Erweiterung der in derDrüse sich verzweigenden Gefäße; der lymph atis che Kropf, die am häufigsten beobach-tete Art, wird durch Erguß oder Ausschwitzung von Lymphe im Zellgewebe der Drüse ge-bildet und stellt sich in vielen verschiedenen Formen dar, und der krebsartige Kropfbietet eine weniger große als harte Geschwulst der Drüse, deren Gewebe nach Art des an-sangenden Krebses (s. d.) verhärtet ist. Die Ursachen des Kropfes sind sehr ungewiß.Er ist in manchen Gegenden endemisch, ohne daß man den Grund davon aus der Beschaffen-heit der Luft und des Wassers, wie bisher immer geschehen, mit unbezweifeltcm Rechte her-leiten könnte. Bei Männern findet man ihn seltener als bei Frauen, bei denen sein Anfangsehr häufig in die Zeit der Pubertätsentwickelung fällt; auch findet man ihn oft bei Krc-tinen (s. d.) und bei skrophulösen Subjecten. Heftige Anstrengungen, das Tragen schwe-rer Lasten auf dem Kopfe, Schreien u. s. w. bringen ihn häufig, manchmal sehr schnellhervor. Meist ist der Kropf ohne Schmerzen und vergrößert sich langsam ohne cigentlickeBeschwerde und ohne die Functionen des darunter liegenden Kehlkopfs zu stören; zuweilen