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8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
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399
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Krissa Kritias 399

nun meist gewisse Ausleerungen durch Schweiß, Urin u. s. w. die Erscheinungen, durchwelche sich der Zeitpunkt der Krisis charakterisirt, und man bezeichnet aus diesem Grundediese sogenannten kritischen Ausleerungen sehr häufig schlechtweg mit dem NamenKrisen, ein Sprachgebrauch, der sich eigentlich nicht rechtfertigen läßt, da diese Ausleerun-gen nicht allemal wesentlich sind oder auch, ohne kritische Bedeutung zu haben, erfolgenkönnen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Krisis in vielen Fälle» auf bestimmte Tagefällt, und man hat als solche kritische Tage besonders den 7., 14. und 21. Tag nach Anfangder Krankheit beobachtet. Ob die Krisis eine günstige oder ungünstige gewesen sei, läßt ge-wöhnlich durch das daraus eintretende Befinden des Kranken sich am besten beurtheilen,welches nach einer günstigen Krisis, die bedeutende, oft nun erst eintretende Mattigkeit ab-gerechnet, meist auffallend und schnell sich bessert, während nach einer ungünstigen entwederdie Zufälle der Krankheit selbst sich verschlimmern, oder einen andern bösartigeren Charak-ter annehmen, oder auf einmal eine ganz neue Krankheit auftritt und das Leben des Kran-ken bedroht. Im gewöhnlichen Leben nenntman Krisis den Zeitpunkt in einer einzelnenoder einer Reihe von Begebenheiten, welcher den Ausgang derselben bestimmt, dem Gan-zen die Wendung gibt, die es annimmt.

Krissa, eine sehr alte und reiche, südwestlich von Delphi gelegene Stadt in Phocis,von welcher der krissäische Meerbusen, der jetzige Busen von Salona, seinen Namen erhielt,in der Nähe des heutigen Krisso oder Chryso, oberhalb der oft fälschlich mit ihr für iden-tisch gehaltenen Stadt Kirrha (s. d.), wurde zweimal in Folge der Bedrückungen durchAbgaben, die sie sich gegen die nach Delphi Wallfahrenden hatte zu Schulden kommen las-sen, zerstört und blieb zuletzt in Trümmern liegen, von denen noch jetzt mehre sich vorfinden.

Kriterium heißt das Merkmal oder Unterscheidungszeichen, wonach wir etwas be-urtheilen. Kriterium der Wahrheit ist Das, woran wir das Wahre erkennen undwodurch wir cs von dem Falschen unterscheiden. Über das Vorhandensein solcher Kriterienhaben die Philosophen viel gestritten. Gewiß ist, daß cs sich widerspricht, ein Kriteriumdes Wahrem welches von dem Wahren selbst verschieden wäre, anzunehmen, weil letzteresdann ein Unwahres sein würde. Die Wahrheit verbürgt sich selbst und alles Andere; abersie will gedacht sein. Die Nöthigung des Subjects im Denken ist daher das einzige subjec-tive Kriterium, durch welche es zugleich sich seiner Einstimmung mit den allgemeinen Ge-setzen des Seins und Denkens bewußt wird, nur muß diese Nöthigung als von derBeschaf-fenheit des Gedachten selbst abhängig gedacht werde». Der Streit über die Kriterien derWahrheit begann von der Zeit an, wo das Verhältniß des Subjectiven und Objectivenstreitig wurde und man daher für alle Forschung ein Princip der Übereinstimmung mit derWahrheit suchte. Die Stoiker und die Epikuräer wählten/ihrem Standpunkte gemäß,entgegengesetzte Kriterien, und die Skeptiker wiesen in dieser Entgegensetzung selbst derenUnzulänglichkeit nach. Unter den neuern Philosophen hat namentlich Kant die Ünmöglich-keit eines allgemeinen materialen Kriteriums der Wahrheit nachgewiesen und die ganzeFrage auf die Form der Gedanken beschränkt.

Kritias, der gewaltsamste unter den sogenannten Dreißig Tyrannen in Athen,stammte aus einer angesehenen Familie, zu der auch Platon gehörte, erhielt unter der Lei-tung des Sophisten Gorgias und nachher des Sokrates eine sorgfältige Bildung und eröff-nete im I. -i11 v. Chr. bei Verhandlung eines Criminalprocesses seine politische Laufbahn.Sechs Jahre später wurde er nach Thessalien verwiesen, kehrte aber nach der für die Athe-ner unglücklichen Schlacht bei Ägospotamos im J.405 v.Chr. in Folge der Amnestie nachAthen zurück und schloß sich hier mit dem wärmsten Eifer der von den Spartanern durchLysander (s.d.)s eingeführten oligarchischen Verfassung der Dreißig Tyrannen an. Beiseiner geistigen Überlegenheit wußte sich K. in dieser Stellung sehr bald den meisten Ein-fluß zu verschaffen, verfuhr jedoch mit solcher Ungerechtigkeit, Härte und Grausamkeit, daßer selbst seinen charakterlosen Collegen Theramenes (s.d.) hinrichten ließ und zuletzt denallgemeinen Haß der Athener sich zuzog. Zum Glücke dauerte sein Schreckenssysiem nurein Jahr, da die Vertriebenen und Ausgewanderten unter Anführung des Thrasybulus(s. d.) mit bewaffneter Hand gegen die Stäot zogen, in welchem Kampfe K. im I. 4NZ v.Ehr. fiel. Wie als Philosoph und Redner, so zeichnete sich K, auch als Dichter namentlich