Äriegsmünzeu Kriegswiffenschaften :">7
KriegSMÜnzeil nennt man diejenigen Münzen, welche in Kriegszeiten, um dieHülfsmittel zum Kricgführen ergiebiger zu machen, geringhaltiger, oder wol ganz vonschlechteni Metall ausgemünzt werden. Der Gebrauch, solche Münzen zu schlagen, erhieltseine größte Ausdehnung während des Dreißigjährigen Kriegs. Aus der Zeit des Sieben-jährigen Kriegs sind die Ephrainiiten (s-d.) am bekanntesten; außerdem prägten diepreuß. Münzpächter solche geringhaltige Sorten in Pommern, Mecklenburg, Anhalt,Sachsen u. s. w. Wegen der Bezeichnung mit L. 8. U., welche man durch „Bruder SaufMal!" erklärte, sind die bernburger ganzen und halben Groschen eine Curiosität. BonGoldmünzen sind die Augustd'or in Sachsen und die Friedrichsd'or in Preußen als Kriegs-münzen bekannt. Erstere von 1753 56 ausgeprägt, hielten kaum sieben Karat fein, er-
reichten noch nicht den Werth der Goldgulden und sind an den Buchstaben L. 6. zu erken-nen, welche sich auf dem Revers als Zeichen des Münzpächters Ephraim finden. Diepreuß. Friedrichsd'or aus den I. 1755 und 1757 haben den Werth von 3'/, Thlr., sindaber größer als die alten und unterscheiden sich durch das v, welches statt V in der Um-schrift gebraucht wurde.
Kriegsrath. Im Feldkriege und namentlich bei der Bcrcheidigung der Festungenkommen Fälle vor, wo der Commandirende nicht allein über die weiter zu treffenden Maß-regeln entscheiden kann oder will. In solchem Falle beruft er die Hähern Offiziere der ver-schiedenen Truppengattungen, hauptsächlich die Artillerie- und die Jngcnieuroffiziere, umüber das weitere Verfahren zu entscheiden, zu einem Kriegsrathe. Wenn auch in einzelnenFällen ein rascher, selbst gewagter Entschluß den Vorzug vor einer solchen Berathung ver-dienen dürfte, so ist doch gewiß in andern Fällen es sehr räthlich, die Meinungen derjenigenPersonen zu hören, welche den meisten Einfluß auf die nächste Folge haben müssen.
Kriegsschauplatz (tiieütre clo la Fuorre) heißt im Allgemeinen dasjenige Land,zuweilen auch nur die Provinz, wo die Schlachten, Gefechte und Belagerungen stattfin-den, welche den Krieg bilden. Eine genaue, sowol statistische als topographische Kenntnißdesselben ist dem Heerführer unentbehrlich.
Kriegsschiffe scheiden sich in Linienschiffe (s. d.), Fregatten (s. d.) und klei-nere Schiffe, von denen die beiden letzter» Arten auch bereits durch Dampf getrieben wer-den. Alle werden nach der Zahl der Kanonen benannt, welche sic führen, und die in einerbis drei Lagen auf ihren zugehörigen Decken übereinander stehen. Im Allgemeinen wirdangenommen, daß Schiffe über 90 Kanonen drei Decke haben. Bei den Engländern habenLinienschiffe des ersten Ranges 101 — 120 Kanonen in drei, die des zweiten 80 — 92 inzwei, die des dritten 70—78 ebenfalls in zwei Lagen, die des vierten 50—60, sowie diefolgenden in einerLage, die des fünften Ranges oder dieFregatten 36—-t-1, die des sechsten20—30, Corvetten und große Briggs 18, kleine Briggs 10 Kanonen. Die Schiffe vomersten bis dritten Range haben in der untern Lage 32pfünder, in der zweiten 24pfünder,in der dritten und auf Back und Schanze > 2pfünder. Die Bemannung steigt von denSchiffen mit 60 Kanonen bis zu den größten Linienschiffen von -'50—850 M. Im Allge-meinen führen die engl. Schiffe leichteres Geschütz als die französischen. Zu den kleinernKriegsschiffen werden nächst Briggs und Kuttern auch Bombardiergalliotten, Kanonenscha-luppen und die kleinen Galeeren der Scheerenflotten Rußlands und Schwedens gerechnet.Kriegsschulen, s. Militairschulcn.
Kriegswiffenschaften nennt man diejenigen Wissenschaften, welche dem Militair,namentlich dem höher» Befehlshaber als positive Kenntnisse unentbehrlich sind. Wennhiernach beinahe keine einzige Wissenschaft ausgeschlossen scheint, und daraus der großeUmfang hervorgeht, den das Wissen des unterrichteten Offiziers umfassen soll, so wirddoch nicht Alles überall gleichzeitig gebraucht und sehr Vieles dient auch nur zur allgemei-nen Bildung des Verstandes. Eine eigentliche Kriegswissenschaft im strengsten Sinnegibt es nicht, denn obgleich gar viele Theorien des Kriegs aufgestellt worden sind, so läßtsich dieFührung desselben nie auf so bestimmte Regeln zurückbringen, wie andere exacte Wis-senschaften. Daher ist es auch angemessener von Kriegskunst zu sprechen, wenn die Fä-higkeit, den Krieg in seinen einzelnen Thcilen oder im Großen zu führen, bezeichnet werde,,soll, wogegen die Kriegswissenschaften besserHülfswissenschaften genannt werden. Hierhe