Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
396
Einzelbild herunterladen
 

396 Kriegskunst Kriegsmaschinen

hen noch gegenwärtig hauptsächlich in Schlägen, Ecfängniß, D egradativn (s. d.) undTodesstrafe, unter Hinzufügung von harter Arbeit, vermehrtem Dienst, auch theilweiscr !Entziehung der Portionen. Die Schläge wurden mit Stöcken, bei der Cavalerie mit dm ^Steigricmcn, an Unteroffizieren mit der Degenklinge (Fuchtel), auf Schiffen mit einemTauende und noch gegenwärtig in England mit der sogenannten Katze, einer mehrfach ge-spaltenen Geißel, crtheilt, sind aber in der neuern Zeit fast überall abgeschafft oder doch aufdie Fälle beschrankt, wo das Verbrechen ein entehrendes ist. Ebenso ist das ehemaligeSpieß ruthcn laufen (s. d.) gänzlich verbannt. Man hat den Geist der neuern Zeitrichtiger erkannt und durch Weckung des Ehrgefühls mehr erreicht, als körperliche Züchti-gungen gewähren können. Die Gcfängnißstrafe erhält unter Umständen eine Schärfung !dadurch, daß der Verurtheilte einsam bleibt und nur jeden dritten Tag warme Kost erhält; !dagegen ist das Einspcrrcn in finstere Löcher u. s. w. ebenfalls aufgehoben. Die Todes-strafe besteht gewöhnlich im Erschießen oder Arkebusiren; die sonst im Civil Vorkommen-deu Todesstrafen werden beim Soldaten nur dann angewcndet, wenn er sich eines genui-nen Verbrechens schuldig gemacht hat.

Kriegskunst, s. Kriegswissenschaft.

Kriegsmaschinen der Alten, von den Griechen, Macedoniern und Römern erfun-den oder vervollkommnet, zum Theil auch im Mittelalter gebräuchlich, waren entweder zumAngriffe der Festungen bestimmt und zerfielen in Deckwerke und eigentliche Kricgsgeräthk,oder dienten als Schießwcrkzeugc. Die Deckwer ke waren oben offene Schirme (pluteijaus leichtem Holz, gegen das Anzünden mir Blech oder mit rauhen Häuten überzogen, ge-wöhnlich auf drei oder vier Vlockrädcrn beweglich und dazu bestimmt, die Schüßen, welchePfeile gegen die Maucrzinnen abschosscn, zu decken. Die Sturmdächer (vinsue) be-standen in nieder» Lauben, oben mit starken Bohlen und rauhen Fellen bedeckt, um den mit ;Untergrabung der Mauern oder Ausfüllung der Gräben beschäftigten Mannschaften sSchutz gegen die herabgcworfenen Steine und Feuertöpfc zu gewähren. Stand dasSturmdach auf Rädern, so bekam es den Namen Schildkröte (tsstucko oder auch mn-sculu-ch. Der Mauerbohrer (t<webr<>) war ein etwa fünf Zoll starker Baum, vorn miteinem scharfen Spitzbohrer, der durch ein umgewickeltcs Seil in einer Rinne umgedrebtund zugleich vorwärts geschoben wurde, um die Fugen fester Mauern zu öffnen und dieSteine locker zu machen. Der Mauerbrecher (»rio») bestand in einem 60 F. lange»Baumstamm mit einem metallenen Knopfe in Form eines Widders, 610 F. hoch ge-wöhnlich unter einem Sturmdache aufgehangen, der von 205,0 Soldaten mit großerGewalt gegen die Mauer gestoßen ward, um sie niedcrzustürzen. Er hing nicht selten auch imuntern Stockwerke eines Wand elt hur ms (tui-ris), der an die feindliche Mauer gebrachtwurde, um den Soldaten, die auf ihm standen, mittels einer Fallbrücke (exostra) den ^Übergang aus jene zu verschaffen. Die größer«, öfters über 100 F. hoch, 2«»-10 F. insGevierte, bestanden auch wol aus mehren Stockwerken, durch Soldaten besetzt, die zum iTheil oben standen, um durch Pfcilschüsse die Belagerten von der Mauer zu treiben, wäh- lrend ans einem der Mittlern Stockwerke die Fallbrücke niedergelassen wurde, nachdem einTheil der Mauer durch den Sturmbock eingcstürzt worden war. Mit dem Sturmhakcn(darpaxa) suchte man dabei die Zinnen und die auf den Mauern stehenden Blendwerkeder Belagerten herabzureißcn. Des Hakens, sowie einer beweglichen an Ketten hängenden jZange (corvns) bedienten sich namentlich auch die Vertheidiger, um das Eeräth des Thur-mes zu ergreifen und unwirksam zu machen. Bei den Stürmen dienten endlich noch derHebekastcn (t-olleno), an einem langen und starken Balken hängend, um ihn mit 1220 Kriegern mittels einer Wippe auf die Mauer zu bringen, und die Sturmbrückc(.--anibuca), eine Art fliegender Brücke auf einem Fahrzeuge, auf dem sich eine 5060 F.hohe Leiterzwischen einem galgcnförmigen Gerüste befand, um auf einem Wassergraben da-mit an und aufdieMauerzu kommen. Die Schieß- und Werfzeugcwaren die Katapulten(s. d.) und Ballisten (s.d.). Besonders erfindungsreich in Angabe von Kriegsmaschinenwar bei der Vertheidigung von Syrakus der berühmte Archimedes. Von Augustus erhieltVitruvius die Aufgabe, über Kriegsmaschinen zu schreiben. Unter den Neuern stellte na-mentlich Just. Lipsius sorgfältige Untersuchunger über diesen Gegenstand an.