388 Kreuz
den Pfahl befestigt ( 1 '), crux com,»,-!«!,, und waren beide Stücke in Form des X zusam-mengefügt, crux ciecussata. Die einzelnen Bestandthcile des Kreuzes bildeten der Pfahl,welcher in die Erde befestigt wurde (crux im engern und eigentlichen Sinne), und der Quer-balken (patibulum), der zur Befestigung der Arme diente. Die Einführung der Todes-strafe am Kreuze wird dem König Larquinius Superbus beigelegt, nicht sowol, weil er siezuerst in Anwendung bringen ließ, sondern vielmehr, weil er sic genauer bestimmte. Siewar eine so entehrende Strafe, daß sie nur an Sklaven und Verbrechern der niedrigstenVolkSclasse vollzogen wurde. Das Kreuz errichtete man außerhalb der Städte, aber anOrten, welche sehr belebt und besucht waren. Der daran geheftete Verbrecher blieb oft nochTage lang lebend. Den Sklaven wurde in der Regel eine Schelle angehängt; übrigenswar cs Gebrauch, den Namen des Verbrechers und die Ursache der Strafe durch Ausrufbekannt zu machen, oder eine Tafel (album), worauf Beides bemerkt war, an das Kreuzzu befestigen. Der Umstand, daß Christus am Kreuze starb, gab die Veranlassung, daß dasKreuz zu einem heiligen Zeichen erhoben wurde, dessen sich die Christen alsUnterscheidungS-und Erinnerungszeichen bedienen. Der Gebrauch, sich zum Andenken Jesu zu bekreuzigen,geht bis ins ü. Jahrh. zurück. Kaiser Konstantin der Große ließ, besonders seitdem er mitHülfe des Kreuzes den Maxcntius besiegt zu haben glaubte, auf öffentlichen Plätzen, inPalästen und Kirche» Kreuze ausstellen, und schon damals bemalte man damit den Ein-gang der Häuser, um sie als christliche zu bezeichnen; auch baute man später die meistenKirchen i» Kreuzform. Der Gegenstand der höchsten Verehrung aber wurde es erst, nach-dem die Kaiserin Helena das angebliche Kreuz Jesu inJcrusalem gefunden und einen Theildavon nach Konstantinopel gebracht hatte. (S. Kreuzcserfindung.) Von nun anlegte man den Reliquien des Kreuzes oder Nachbildungen desselben Wunderkraft bei undstellte es auf den Altären auf, ja selbst Fahnen und Waffen wurden daniit geschmückt, undder Kaiser Heraklius glaubte das Palladium seines Reichs wiedererobert zu habe», als erjenes zu Jerusalem aufbcwahrte Stück des Krcuzholzes wiedcrgewann. Zum Andenkenan diese Wiedergewinnung wurde das Fest der Kreuzeserhöhnng (s.d.) gestiftet. Übri-gens redete sich die Reliquicnsucht wirklich ein, daß sich das Kreuzesholz theilen lasse, ohnekleiner zu werden. Vergebens fochten die Bilderstürmer und einige spätere Sekten auch dieAnbetung des Kreuzes an; man verehrte es mit dem daran gehefteten Bilde des sterben-den Erlösers, weshalb es nun Crucisix genannt wurde, vor allen andern Heiligenbildern.Daß auch der Occident seiner Gestalt geheime Kräfte zuschrieb, beweist die Kreuzprobe oderdas Kreuzgericht. (S. Ordalie n.) Nach der Lehre Luther's sollte das Zeichen des Kreu-zes ein heiliges Erinnerungszeichen an den Versöhnungstod Jesu sein. Statt dessen betrach-tete man es als ein Sicherungsmittel, gleichsam als Amulet wider alles Böse, namentlichgegen böse Geister und Hexen, von denen man glaubte, daß sie das Zeichen des Kreuzes, alsdas Zeichen des Überwinders des bösen Feindes, des Teufels, nicht zu überschreiten vermöch-ten; daher das Zeichen des Kreuzes über manchen Haus - und Stallthüren der Landleute,das zu Walpurgis erneuert wird. Als Erinnerungszeichen ist das Kreuz auch zu betrachten,wo es statt der Unterschrift von Personen gesetzt wird, die des Schreibens nicht kundig sind.
Die Lehre von den Kreuzen bildet in der Diplomatik und Heraldik eine nicht unwe-sentliche Abtheilung. In der Diplomatik sind die Kreuze ein Ausfluß des ChristenthumS,und es findet sich das Kreuz theils zu Anfänge der Urkunden an der Stelle der üblichen An-rufung des Namens Gottes, theils vor den Unterschriften oder an deren Stelle. Die He-raldik und Numismatik dagegen kennen das Kreuz und dessen verschiedene Arten schon ausdem frühesten Alterthume, sodaß hier das Christenthum ohne Einfluß war. Die gewöhn-lichsten Formen desselben sind das crux immissa und das crux clecussats, letzteres auchAndreaskreuz genannt, weil der heil. Andreas an einem solchen den Tod erlitt. Außer die-sen kennt das Alterthum das Rautenkreuz, ein Kreuz von einer Raute eingeschlossen;bas Kolbenkreuz, mit Kolben an den vier Endpunkten; das Radspeichenkreuz;das Winkelmaßkreuz, wo jeder Balken in einen rechten Winkel ausgeht; dasSchräg-krcuz; das Ständerkrcuz, aus vier Dreiecken (Ständer) zusammengesetzt; dasLi-lienkrcuz, dessen Balken in Lilien auslaufen; das Ankcrkreuz, dessen Balken sichtheilen und vier Anker bilden, und das Kruckenkreuz, wo jedes Balkcnende mit einem