Krethi und Plethi Kretinen 385
durch Zeus, die Liebe der Ariadne (s. d.) und die Tödtung des Minotaurus (s. d.).Berühmt war ferner das hier auf Befehl des Minos von Dädalus (s. d.) erbaute La-byrinth (s.d.). Die beiden namhaftesten Städte, Gortynaim Süden, und später Knossusan der nördlichen Küste, wo Pythagoras und Epimenides lebten, gelangten zu hohem An-sehen und großer Macht, sodaß die Insel zur Zeit ihrer Blüte > Mill. Einwohner zahlte.Schon frühzeitig scheinen sich an der Küste von K. phöpiz. Seefahrer niedergelassen undHandelsplätze errichtet zu haben, während einer alten Überlieferung zufolge die Insel an-fänglich von besondern Königen beherrscht wurde, unter denen der durch seine vortrefflicheGesetzgebung bekannte Minos (s. d.) und dessen Enkel Jdomen eus (s. d.) zu erwähnenfind. Die Hauptbevölkerung erhielt K. durch die Übersiedelung der Dorer (s.d.), welchedie ursprünglichen Bewohner besiegten, sich unterwarfen und eine eigene Staatsverfassunggründeten, die in Hinsicht der Erziehung, des öffentlichen und Privatlebens mit den dori-schen Einrichtungen Spartas (s. d.) die größte Ähnlichkeit hat. Innere Befehdungenhatten zuletzt zur Folge, daß die beiden Städte Gortyna und Knossus die Oberhand erhiel-ten, bis die Betheiligung der Kreter bei dem politischen und dem Seeräuberkriege den er-oberungssüchtigen Römern eine erwünschte Gelegenheit gab, die Insel im I. 66 v. Ehr.durch O. Metellus, der daher den Beinamen Creticus erhielt, zu erobern. Unter Augustuswurde sie dann mit Cyrenaica als Provinz vereinigt und unter Konstantin später durcheinen eigenen Statthalter verwaltet. Als im 9. Jahrh. unter dem byzantin. Kaiser Mi-chael hier die Sarazenen ihr verschanztes Lager oder Khandar in eine Stadt verwandelten,die bald sehr blühend wurde, so ging dieser Name unter den Venetianern, die seit 1211 Be-sitz von der Insel nahmen, erst in Kandida, dann in Kandia (s. d.) über, ohne daß dieBewohner selbst ihr Vaterland damit bezeichnen. Die alten Kreter standen übrigens beiden Griechen in dem Rufe der Treulosigkeit, Hinterlist und Lügenhaftigkeit und bildetenmit den Kappadociern und Kilikiern das verhängnißvolle dreifache Kappa. (S. Kappa-docien und Cilicien.) Die Alterthümer und Geschichte der Insel sind in neuester Zeitvielfach erforscht und erläutert worden, namentlich von Sieber in der „Reise nach der InselK." (2 Bde., Lpz. 1822); Hock, „K., ein Versuch zur Aufhellung der Mythologie undGeschichte, der Religion und Verfassung dieser Insel" (3 Bde., Gott. 1823—29); Rob.Pashley in ,,'l'ravelü in 6." (2 Bde., Cambr. und Land. 1837) und Churmuzis, „Xpi,-r-x«" (Athen 18-12). Über die Verfassung und Gesetzgebung vgl. Sainte-Croix, „De» un-cienr Gouvernements keckerutiks st sie In le^isistion ,Ie Lrete" (Par. 1796) und Neu-mann's „Kerum cretic. specimei," (Gott. 1829).
Krethi und Plethi, d. i. eigentlich Scharfrichter und Läufer, hieß die Leibwache desKönigs David, welche Benaja, der Sohn Aojada's, befehligte. Neuere Erklärer wollendarunter ohne hinreichende Gründe Eigennamen verstanden wissen und denken an südlichund nördlich wohnende Philistäer, die den Dienst als Leibwächter nach Art der Schweizerübernommen hätten. Für die erstgenannte Erklärung spricht die alte Sitte an den mor-genländ. Höfen, wie sie noch gegenwärtig in der Türkei und Persien sich findet, nach wel-cher die Krethi zur Vollstreckung der Todesurtheile, die Plethi zu Eilbotschaften gebrauchtwurden. Das Volkssprüchwort, welches damit eine sehr gemischte Gesellschaft bezeichnet,möchte nur bei der Erklärung als Eigennamen einen Anknüpfungspunkt finden-
Kretinen nennt man eine Art Menschen, welche sich durch eine besondere geistigeSchwäche und körperliche Misgestaltung von andern unterscheiden und meiss in den Al-penthälern der Schweiz, Savoyens und Piemonts, aber auch in andern Theilen der Alpen,in den Pyrenäen, hier und da im nördlichem Deutschland, zuweilen nur auf eine ganz ge-ringe Zahl von Ortschaften beschränkt, sowie auch außer Europa gefunden werden undüberall verschiedene Namen führen. Ihre Misgestaltung, welche zuweilen, indem sie sel-ten mittlere Größe erreichen, nur in einer^bedeutenden Kleinheit besteht, richtet sich sehr nachdem höher» oder niedrigem Grade des Übels; meist ist ihr Schädel in irgend einer Artvon der regelmäßigen Schädelbildung abweichend, zu groß, zu klein, zu niedrig, platt ge-drückt u. s. w. Die Entwickelung ihrer geistigen Anlagen ist gleichfalls sehr verschiedenund schwankt zwischen einem Zustande, in welchem solche Unglückliche kaum als MenschenCvnv.-Lcx. Neunte Aust. Vlll. 25