Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
381
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Kreislauf deS Blutes 381

Kreislauf des Blutes (circulatio ssnguinis) nennen wir dieBewegung des Blutesdurch den Körper, welche insofern ein Kreislauf genannt werden kann, als das Blut ausdem Herzen nach allen Theilen des Körpers hin ausfließt und von diesen wieder nach jenemzurückkehrt, nachdem es jedoch einen Theil seines Gehaltes verloren und neue Stoffe in sichausgenommen hat. AuS der linken Herzkammer strömt das Blut in die große Körperschlag-ader (srteria aorta) und zwar in den Theil derselben, welcher der aufsteigende (sort-cAscentlens) genannt wird, ungefähr 12 Linien im Durchmesser hat und unmittelbar amHerzen einige Zweige zur Ernährung der Herzsubstanz selbst abgibt. Nicht weit über ihremAustritte aus dem Herzen bildet die Aorta einen Bogen (arcus sortse), dessen Convexitätnach oben gekehrt und.die Ursprungsstelle der ungenannten Arterie (urleria imwmiaalu),der linken Kopfschlagadcr (carotis communis sinistru) und der linken Schlüffelbeinarterie(srteriu subclsvi» sinistra) ist. Nachdem so die Aorta das Blut, welches für denKopf unddie obern Extremitäten bestimmt ist, abgegeben hat, geht sie in ihren absteigenden Theil(aorta tlescenilcns) über, welcher längs der Wirbelsäule mit verhältnismäßig kürzermund sich nach Abgabe vieler Arterienäste immer mehr verkürzendem Durchmesser erstals Brustaorta (avrla ckescenckcns tüoracica) und dann unterhalb des Zwerchfells alsBauchaorta (uorts (icsccnclcns ^dliominalis) bis in das Becken hinabsteigt, wo er sich end-lich in zwei Hauptäste, die beiden gemeinschaftlichen Hüftarterien (arteriac iliacue com-mune»), spaltet, welche das Blut zu den untern Extremitäten führen. Die Arterien theilensich nach und nach in immer kleinere Zweige, bis sie, alle unter der Haut liegenden Theiledes Körpers durchdringend, in die Haargefäße übergehen, in denen die eigentliche Ernährungdes Körpers, die Verwandlung eines Theiles des Blutes in die Masse des Organes, welcheser berührt, stattfindet. Ist dieses Geschäft des Blutes beendet, so geht cs aus den Haar-gefäßen in die durch Zusammentreten mehrcr Zweige immer umfangreicher werdendenVenen über, deren Hauptstämme meist an der Seite der Arterien verlaufen, und sammelt sichzuletzt fast vollständig in die obere und die untereHohlvene (vens csva superior et inferior),welche beide nebst den Herzvenen (ven»« carüiucue) in die rechte Vorkammer des Herzenseinmünden. Vorher jedoch erleidet das Blut, ehe es in die untere Hohlvene tritt, noch eineVeränderung in der Leber, in dem Pfortadersysteme, während das, welches durch die obereHohlvcne in das Herz gelangt, den Nahrungssaft aus den Lymphgefäßen ausgenommenhat. Aus der rechten Vorkammer tritt nun das Blut in die rechte Herzkammer, von dadurch die Lungenarterien in die Lungen, aus diesen, nachdem es mit der daselbst befindlichenatmosphärischen Luft in Berührung gekommen und dadurch wieder in vollkommenesarterielles Blut verwandelt worden ist, durch die Lungenvenen in die linke Vorkammer undvon da endlich wieder in die linke Herzkammer, um aufs neue den Kreislauf zu beginnen.Man unterscheidet gewöhnlich den großen und kleinen Kreis lauf; erster» bezeichnetden zuerst beschriebenen Lauf des Blutes aus der linken Herzkammer durch alle Theile desKörpers in das Herz zurück, letzterer den Lauf aus der rechten Vorkammer durch die rechteHerzkammer, die Lungen und die linke Vorkammer bi- in die linke Herzkammer. DieserKreislauf des Blutes ist ununterbrochen, sodaß das ganze Gefäßsystem immer mit Blutgefüllt und kein leerer Raum darin zu finden ist; nur die Herzhöhlen verengern sich beiihrer Zusammensetzung so, daß sic fast ganz leer werden müssen. Die Bewegung dieseszusammenhängenden Blutstromes wird durch Zusammenziehen des Herzens und der Ar-terien bewerkstelligt, indem gleichzeitig durch die Klappen im Herzen und in de» Venenrückgängige Bewegungen des Blutes verhindert werden. Die Schnelligkeit der Blut-bewegung beim Menschen ist nach Alter, Geschlecht, Temperament u. s. w. sehr verschieden,auch weicht sie in einigen Organen von der in andern ab, während die Theile des Blutes,welche den kür^sten Weg zu durchlaufen haben, auch in kürzerer Zeit wieder zum Herzenzurückkehren als andere. Wesentlich von diesem Kreisläufe verschieden ist der imFetus(s. d.), indem diesem das Blut durch die Nabelvene zukommt, worauf es nach vollendetemKreislauf im Körper der Frucht durch die Nabelarterien wieder zu dem Fruchtkuchen zurück-kehrt, und die dem Blute nothwendigen Veränderungen, welche beim geborenen Menschendurch den Zutritt der atmosphärischen Luft in den Lungen und des Nahrungssaftes statt-stnden, in dem Fruchtkuchen und der Leber bewerkstelligt werden. Auch besitzt der Fetus