379
Krehl Kreis
der Handel mit Colonialwaaren ist sehr bedeutend. Die Stadt verdankt ihre Entstehungeinem poln. Edelmanne, der vom Grafen Friedrich von Mors gefangen genommen, späterdie Erlaubniß erhielt, sich hier ein Schloß, Krakau genannt, zu bauen, um welches sich nachund nach ein Dorf bildete. Kaiser Karl IV. gab dem Orte 1373 die Rechte und Freiheiteneiner Stadt und den jetzigen Namen. Das Schloß Krakau wurde 1677 geschleift. In derNähe von K. erfochten am 23. Juni 1758 die mit den Preußen verbündeten engl.-hannöv.Truppen unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig einen vollständigen Sieg überdie Franzosen unter dem General Grafen Clermont.
Krehl (Aug. Ludwig Gottlob), ordentlicher Professor der praktischen Theologie undUniversitätsprediger zu Leipzig, geb. zu Eisleben am 2. Febr. 1783, machte seine Studienzu Schulpforte, Wittenberg und Leipzig. Nach dreijähriger Wirksamkeit als Hauslehrerin Meißen wurde er 1810 am königlichen Silberpageninstitute zu Dresden angestellt, undals dieses 1813 mit dem Cadettenhause vereinigt wurde, Professor der alten Sprachen ander Nilterakademie. In dieser Zeit erschienen von ihm mehre Abendmahlsreden und dieAusgabe der Werke des Priscian (2 Bde-, Lpz. 1819—20). Im I. 1821 erhielt er dasPfarramt zu Sr.-Afra in Meißen und die Professur der hebr. Sprache an der dasigenLandesschule, in welcher Stellung er sein „Predigtbuch auf alle Sonn- und Festtage"(2 Bde., Meiß. 1825—26; 2. verm. Ausl., Lpz. 1831), eine Sammlung kirchlicher „Ge-bete" (Meiß. 1832; 2. Aust., Lpz. 1835) und die vielfach angefeindete Schrift „UberPresbyterien und Ephoralsynoden" (Dresd. 1832) herausgab. Am Jubelfeste der Augs-burgischen Konfession von der theologischen Facultät zu Leipzig zum Doctor ernannt, er-hielt er vier Jahre später den Ruf in seine noch gegenwärtige Stellung in Leipzig, wo erbei der Universität, wie insbesondere als beliebter Kanzelredner nach vielen Seiten hin an-regend und belebend wirkt. Seine theologische Ansicht, die als rein biblische einen nichtunmerklichen Gegensatz zu den Philosophemen der Zeit bildet, läßt sich am besten aus sei-nem „Neutestamentlichen Handwörterbuch, zur Darstellung der christlichen Glaubens- undSittenlehre" (Lpz. 1833), sowie aus der Auslegung des „Briefes an die Römer" (Lpz.1835) erkennen. Außerdem erwähnen wir von seinen Arbeiten noch „Des Herrn Mahl",ein Andachtsbuch (Lpz. 1830) und „Das Leben im Geiste Christi", eine Sammlung vonPredigten (Hft. 1 und 2, Lpz. 1833—35).
Kreide ist nichts Anderes als eine in der Natur vorkommende lockere und deshalbabfärbende Form kohlensauren Kalkes. Ihr Name kommt wahrscheinlich von der InselKreta her, welche sie in großer Menge und von besonderer Güte liefert. Sie ist in England,Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Dänemark und andern Ländern sehr gemeinund bildet oft ganze Vorgebirge, zumal an den Seeküsten, wie in England, wo Kalk darausgebrannt wird. Man gebraucht sie zum Schreiben, mit Leim vermischt als Farbe und zumPolicen des Silbers und anderer Metalle; ferner zur Verfertigung des Spiegelglases, desNe'aumur'schen Porzellans, der Schmelztiegel, als Grundlage auf Holz bei Vergoldungen,als Düngmittel auf thonigen Äckern, in der Chemie zu Entwickelung der Kohlensäureu. s. w. Die meiste Kreide liefern England und Dänemark, von wo sie in ganzen Ladungenals bloßer Ballast nach Hamburg, Bremen und andern Seestädten gebracht wird.
Kreis (circulus) heißt in der Geometrie die einfachste krummlinige Figur, welchevon einer Kreislinie eingeschlossen wird. Die letztere ist eine in sich selbst zurücklau-fende, d.h. in einer ebenen Fläche enthaltene, krumme Linie, deren Punkte sämmtlich von demMittelpunkte oder Centrum gleichweit entfernt sind. Eine gerade Linie vom Mittelpunktnach der Kreislinie, welche letztere auch Umfang oder Peripherie des Kreises genannt wird,heißt ein Halbmesser oder Radius. Da eine solche den Abstand der Peripherie vom Mittel-punkte mißt, so sind alle Halbmesser eines Kreises einander gleich. Jede gerade Linie,welche zwei Punkte einer Kreislinie verbindet, heißt eine Sehne oder Chorde; geht sie durchden Mittelpunkt, so heißt sie insbesondere ein Durchmesser oder Diameter. Da nun jederDurchmesser offenbar aus zwei Halbmessern besteht, so sind auch alle Durchmesser einesKreises einander gleich. Eine den Kreis treffende gerade Linie heißt eine Tangente oderBerührende, sobald sie, auch beliebig verlängert, mit dem Kreise nur «inen einzigen Punktgemein hat; sie steht dann immer auf dem nach diesem Punkte gezogenen Halbmesser senk-