Krammetövogel Krampf 361
Suchenden so viele sich finden, daß hier nicht weniger Uberfüllung als in andern gewerbli-chen Fächern zu treffen ist. Die Statuten der Kramerinnungen heißen das Kramerrecht.
Krammetövogel, auch Wachholderdrossel oderZeimer genannt,oben asch-grau, unten weißlich gefärbt, mit bräunlichem Oberrücken und Schulterfedern, die Brustmit herzförmigen, der Bauch mit dreieckigen Flecken versehen, ist ein im Winter in Deutsch-land scharemvcis eintreffender Zugvogel, der im hohen Norden brütet, sich von Wachholder-beeren, aber auch von Insekten nährt, und seines gewürzig schmeckenden Fleisches wegenmittels Schlingen von Pfcrdehaaren gefangen wird. Auf den Märkten großer Städtekommen gelegentlich auch andere ähnliche Drosselarten unter jenem Namen vor.
Krämpcln oder Krempeln nennt man das Verfahren, mittels dessen man die ve-getabilische und animalische Wolle, die Flockseide u. s. w., nachdem sie zuvor aufgelockertund obenhin gereinigt ist, vollständig von Sand und Staub befreit und so zurichtet, daß dieeinzelnen Fäden und Fasern derselben eine mehr regelmäßige und gleichförmige Lage erhal-ten und so zum Spinnen oder anderer Verarbeitung geeignet werden. Die Operationselbst geschah ehedem und geschieht selbst gegenwärtig noch an vielen Orten, wo die Fabri-kation so gering ist, daß sie die Anschaffung der Maschinen nicht verzinst, aus freier Handmittels zweier Handkrämpeln oder Handkartätschen. Da indessen in großenSpinnereien das Krämpeln auf der Hand nicht genug fördern kann, hat der EngländerArkwright (s. d.) die Maschinen-Krämpel erfunden, mittels deren die Operationnicht allein schneller, sondern auch viel regelmäßiger geschieht. Eine Vervollkommnungdieser Maschine oder vielmehr eine Erweiterung derselben sind die Vorspinn-Kräm-pcln. Durch ihre Construction zeichnet sich namentlich die Vorspinnmaschine von Hart-mann in Chemnitz aus, welche die Watte gleich in regelmäßige Bänder schneidet und diesenBändern mittels ein Paar rauher Walzen, welche sich während ihres Umlaufes der Längenach übereinander hin und her sckieben, gleich den ersten Grad der Drehung gibt, sodaßsie zum weitern Verspinnen bereits die vorläufige Form erhalten.
Krampf (spasmus) ist ein im gemeinen Leben für viele krankhafte, mit Schmerz ver-bundene Zustände gebrauchter Ausdruck, unter welchem die Wissenschaft eine krankhafteVerkürzung, Spannung undVerdichtung des Zellgewebes versteht, ohne daß eine derselbenvorangegangene Veränderung in der Ernährung oderOrganisation der Theile, die von ihmbefallen werden, wahrgenommen werden kann. Dieser Zustand kann in allen Theilen desKörpers Vorkommen, außer in denen, welche weder Nerven noch Blutgefäße besitzen, meistjedoch bezeichnet man mit dem Worte, wenn man es allein ohne weitere Nebenbestimmunggebraucht, den beschriebenen Zustand in den Muskeln und besonders in denen, welche derWillkür unterworfen sind. Je nach der Art, wie sich der Krampf äußert, unterscheidet mandie anhaltende Zusammenziehung (spssmus tonicus) und die Zuckung, eine schnell auf-einander folgende Zusammenziehung und Erschlaffung (spasmns clvnicus s. convuloio).Da der Krampf in der Regel keine selbständige Krankheit, sondern nur ein Symptomeines tiefer liegenden Leidens ist, so bemerkt man auch in seinem Verlaufe große Verschie-denheit. Ein Krampfanfall kann in wenigen Augenblicken beendigt sein, während ein an-derer viel länger, aber mit deutlichem Nachlassen der krampfhaften Erscheinungen zu dauernvermag. Zuweilen ist mit einem Anfalle die ganze Krankheit beendigt, während sie in an-dern viele Jahre bleibt und nur mit dem Leben endigt. Die demKrampse zu Grunde liegen-den Krankheiten sind von der verschiedensten Art, stets aber von bedeutendem Einflüsse aufdas Nervensystem, daher auch die gewöhnlichen Formen des Krampfes am häufigsten beiKindern und Nervenkranken, besonders bei hysterischen Frauen vorkomme». An sich nurdurch etwaige zufällige Verletzungen und durch Consumtion der Kräfte gefährlich, ist derKrampf doch stets ein Zeichen eines gefährlichen Zustandes, verschwindet zwar gewöhnlichnach Beseitigung des Grundübels, bleibt jedoch auch zuweilen, wenn dieses länger anhielt,wie es scheint, aus einer gewissen Gewohnheit des Nervensystems als reine Nervenkrank-heit zurück, ohne daß ihm durch irgend ein Mittel Einhalt gethan werden könnte. Alsschädliche Einwirkungen, welche den Krampf meist sehr schnell Hervorrufen können, sindanzuführen starke Gemüthsbewegungen, geschlechtliche Ausschweifungen, Entzündungenmit Wasserausschwihung im Gehirn und Rückenmarke, Verwundungen einzelner Nerven,