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Kotzebue (Otto von)
ger, namentlich gegen A. W. und Fr. Schlegel, und als Spazier, als Herausgeber der„Zeitung für die elegante Welt", Partei für diese nahm, gab es einen hartnäckigen Zei-tungskrieg. Außer mehren dramatischen Werken, die K. in dieser Zeit lieferte, fing er auchden „Almanach dramatischer Spiele" an, den er bis an seinen Tod fortgesetzt hat(18Jahr-ganze, Lpz. 18«):;—20). In den I. 1803 und >804 bereiste er Frankreich und, nachdemer zuvor Liefland besucht hatte, Italien; seine „Erinnerungen aus Paris" (Berl. 1803)und „Erinnerungen von einer Reise aus Liefland, aus Rom und Neapel" (3 Bde.,Berl. 1805) enthalten einiges Gute, manches Interessante, aber auch viel Flüchtigesund manches Falsche. Hierauf beschäftigte er sich wieder ausschließend mit literarischenArbeiten und schrieb namentlich mehre Lustspiele. Im Anfänge des I. >806 ging ernach Königsberg, wo ihm zur Abfassung seines Werks „Preußens ältere Geschichte"(3 Bde., Riga 1808—9), das zwar kein historisches Kunstwerk ist, aber wegen der darinabgedruckten Urkunden Beachtung verdient, das dasige Archiv zu benutzen «erstattet war.Doch in Folge der politischen Ereignisse in Deutschland sah er sich gegen Ende des I.1806 veranlaßt, nach Rußland zu stückten, wo er nun, seit 1807 auf seinem GuteSchwarze in Esthland lebend, Napoleon und die Franzosen mit allen Waffen des Witzes,namentlich in den Zeitschriften „Die Biene" (Königsb. 1808—9)und„DieGrillc"(18l 1—12) bekämpfte. Bei der Wendung der politischen Angelegenheiten Europas imJ. >813schien er unter solchen Umständen ganz der Mann, um die den Franzosen so ungünstigeStimmung der Völker zu unterhalten. Zum Staatsrath erhoben, folgte er dem ruff. Haupt-quartiere und gab in Berlin sein „Russisch-deutsches Volksblatt" (1813) heraus. Baldnachherwurde er zum russ. Generalkonsul für die preuß. Staaten inKönigsberg ernannt, woer, neben mehren politischen Flugschriften, größern und kleinern Lustspielen, eine sehr einseitige„Geschichte des deutschen Reichs" (Bd. I und 2, Lpz. >813—15; fortgesetzt von Rüder, Bd.3und 3, 1832)schrieb. Nachdem er 1816 alsStaatsrath bei dem Departement der auswär-tigen Angelegenheiten in Petersburg angestellt worden war, erhielt erl8!7 mit einem Jahr-gehalt von 15000 Rubeln denAuftrag, sich nach Deutschland zu begeben, um monatlich überden Zustand der Literatur und der öffentlichen Meinung an den Kaiser unmittelbar zu berich-ten. Neben dieser seiner Hauptbeschäftigung begründete er zugleich 1816 das „LiterarischeWochenblatt", in welchem er über Schriften aller Art aburtheilte und über Politik und Zeit-geist höchst einseitig absprach. Ihm waren Deutschland und die neue Zeit fremd geworden;sein Spott ergoß sich schonungslos über alle liberale Ideen und über das Verlangen derVölker nach ständischen Verfassungen, Preßfreiheit u. s. w.; er kannte kein anderes Heilfür die Völker als in der Benutzung der Gnade der Fürsten, und der Zustand Europas vorder franz. Revolution war ihm der Typus des höchsten Välkerglücks. Indem er nament-lich die Begeisterung des jünger» Geschlechts für Freiheit und Vaterland, die sich in derdeutschen Burschenschaft zu Tage legte, mit Hohn und unbarmherzig verfolgte, erregte er,nachdem er bereits die Achtung aller Edcln verwirkt, auch sich genöthigt gesehen hatte, sei-nen Wohnsitz von Weimar nach Manheim zu verlegen, den schwärmerischen JünglingKarl Ludw. Sand (s. d.) bis zum Fanatismus und fiel unter den Dolchstichen desselben inManheim am 23. März 1819. Als Lustspieldichter und im bürgerlichen Drama sind K.Witz, Leichtigkeit des Dialogs, gewandte Charakterzeichnung und unerschöpfliche Erfin-dungsgabe nicht abzusprechen; dagegen fehlte es ihm an der höhern Einsicht in die Kunstund an jeder nationalen Gesinnung. Den großen Beifall der Menge gewann er nament-lich auch dadurch, daß er tief zu ihr Herabstieg und in unsittlichen Zweideutigkeiten ihrstöhnte. Die Zahl seiner Schauspiele beläuft sich auf 98; doch sind viele derselben wegender momentanen Beziehung, welche sie hatten, veraltet und von der Bühne verschwunden,wahrend man andere bei den höhern Ansichten über die Bühne, welche Platz gegriffen, undwegen ihrer Frivolität dem gebildeten Publicum nicht mehr vorzuführen sich trauen darf.Gesammelt erschienen seine „Sämmtlichen dramatischen Werke" in 28 Bänden (Lpz.1797—1823) und in 33 Bänden (Lpz. 1827—29, 12.). Sein Leben beschrieben Cra-mer (Lpz. 1819) und Döring (Weim. 1829).
Kotzebue (Otto von), ruff. Flottencapitain, der zweite Sohn des Vorigen, geb. zuReval am 19. Dec. 1787, machte, nachdem er im Cadettencorps zu Petersburg eine zweck-