360
Kotys Kotzebue (Aug. Fr. Ferd. von)
Samen erwachsen, dessen Keim mit sogenannten Samenlappen oder Kotyledonen versehe»ist, wie bei der Aohne u. s. w. Die Samenlappen erheben sich, wenn der Same keimt,bei vielen Pflanzen mit über den Erdboden, bei andern bleiben sie unter der Erde. Sie ha-ben die Bestimmung, der Pflanze die erste Nahrung zu gewähren, weshalb dieselbe auchab-stirbt, sobald man ihr die Kotyledonen nimmt. (S. D i k o t y l e d o n e n und Kryptogame».)
Kotys oderKotytto, war eine thrazische Göttin, deren Dienst (Ko tyttia) mitlärmenden Aufzügen auf Bergen, gleich dem der Cybele, begangen wurde, später, wiederdes Bacchus, mit den unzüchtigsten Ausschweifungen sich verband, auch in Athen und Ko-rinth und später bei den Römern Eingang fand.
Kotzebue (Aug. Friede. Ferd. von), der fruchtbarste und gewandteste deutsche Lust,spieldichter, geb. am 3 . Mai 1761 zu Weimar, wo sein Vater, den er frühzeitig verlor, Le-gationsrath war, besuchte daß dasige Gymnasium und kam noch nicht l 6 I. alt auf die Uni-versität zu Jena, wo seine Neigung für die Schauspielkunst, die bereits in Weimar durcheine Schauspielertruppe geweckt war, in einem Liebhabertheater neue Nahrung fand. AuiLiebe zu seiner Schwester, die sich nach Duisburg verheirathete, studirte er einige Zeit aufder dortigen Universität, kehrte aber >779 nach Jena zurück und wurde dann Advvcat.Nachdem er einige schwache Versuche, meist in Nachahmungen bestehend, wie „Ich.Eine Geschichte in Fragmenten" (Eisenach 1781 ), „Er und Sie- Vier romantische Ge-dichte" (Eis. 1781 ) und ein Bändchen „Erzählungen" (Lpz. 1781 ) hatte erscheinen lassen,ging er auf Veranlassung des preuß. Gesandten am russ. Hofe, Grafen Görz, nach Peters-burg und wurde Secretair bei dem Generalgouverneur von Bawr, der nachher die Direk-tion des deutschen Theaters erhielt. Don ihm der Kaiserin empfohlen, wurde er zunächstTitularrath, 1783 Assessor des Oberappellationstribunal- in Reval und 1785 , nachdemer sich mit der Tochter des Generallieutenants von Essen vermählt hatte, Präsident desGouvernementsmagistrats der Provinz Esthland, womit er zugleich den Adel erhielt. Seine„Leiden der Ortenbergischen Familie" (2 Bde-, Petcrsb. 1785 ) und seine „Kleinen gesam-melten Schriften" (4 Bde., Lpz. 1787 ), die er in Reval schrieb, bekundeten seine Darstel-lungsgabe ans eine glänzende Weise; vorzüglich erwarben ihm die beiden Schauspiele„Menschenhaß und Reue" und „Die Indianer in England" ( 1789 ) den größten Beifall.Dagegen schadete er sich sehr in der öffentlichen Achtung durch die Herausgabe der berüch-tigten Schrift „Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn", die er unter Knigge'S Namen er-scheinen ließ. Nach dem Tode seiner Gattin reiste er nach Paris, nahm dann seine Entlas-sung aus dem Staatsdienste und lebte seit 1795 auf dem Lande, wo er etwa acht Meilenvon Narva den kleinen Landsitz Friedenthal sich erbaute. In dieser Zeit schrieb er „Diejüngsten Kinder meiner Laune" (6 Bde., Lpz. 1793 — 96 ) und mehr als 29 Schauspiele.Jm J. 1798 folgte er an Alxinger's Stelle dem Ruse als Hoftheaterdichter nach Wien,nahm aber in Folge mehrfacher Unannehmlichkeiten nach zwei Jahren mit einer jährlichenPension von 1990 Fl. seine Entlassung und lebte in Weimar, bis er sich entschloß, nachRußland zurückzukehren, wo seine Söhne im Cadettenhausezu Petersburg erzogen wurden.Der russ. Gesandte in Berlin, Baron von Krüdcner, hatte ihm den Eingangspaß gegeben;allein an der russ. Grenze wurde er im Apr. 1899 verhaftet und nach Sibirien gebracht.Ein günstiger Zufall rettete ihn. Ein junger Russe, Krasnopulski, hatteK.'skleincs Drama„Der Leibkutscher Peter's des Großen", eine indirecte Lobrede auf Paul l., ins Russischeübersetzt. Diese Übersetzung wurde dem Kaiser Paul in der Handschrift vorgelegt, welchemdas Stück so gefiel, daß er nicht nur sofort den Verfasser aus seiner Verbannung zurückbe-rufen ließ, sondern ihm auch seine ganze Huld zuwendete. Er beschenkte ihn mit demKron-gute Wvkroküll in Liefland, übertrug ihm die Direktion des deutschen Theaters und ertheilteihm den Charakter als Hofrath. Romanhaft beschrieb K. diese seine Verbannung unterdem Titel „Das merkwürdigste Jahr meines Lebens" (2 Bde., Berl. 1891 ). Nach demTode des Kaisers Paul bat er wieder um seine Entlassung, die er auch mit dem Titel einesEollegienraths erhielt, und lebte zunächst wieder in Weimar, dann in Jena, bis er wegenwannichfacher Irrungen, in die er mit Goethe gerieth, 1892 nach Berlin ging, wo er in dieAkademie der Wissenschaften ausgenommen wurde und im Verein mit Garlicb Merkel den„Fteimüthigm" herausgab. Beide machten nun Partei gegen Goethe und dessen Anhän-