Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
358
Einzelbild herunterladen
 

358 Kosmopolitismus Kothurn

Aristoteles aus dem Begriffe der ersten Bewegung, Leibnitz aber aus dem Satze des zu.reichenden Grundes führen wollte. Die Mangelhaftigkeit desselben wies unter AndernKant in seiner „Kritik der reinen Vernunft" nach.

Kosmopolitismus (griech.) heißt so viel wie Weltbürgersinn. Der Kosmopolit gehörtnicht blos seiner Familie und seinem Vatcrlande an, sondern verbindet mit dem Eifer für dasVaterland eine feurige und edelmüthige Liebe zu dem ganzen menschlichen Geschlechte, ernimmt an dem Wohl und Wehe der ganzen Menschheit innigen Antheil und wünscht, daßdie höchsten Güter der Menschheit bald bleibende Gemeingüter des ganzen Menschenge,schlechts werden möchten und sucht für jenes wie für dieses zu wirken. Dieser wahre Kos-mopolitismus verträgt sich sehr gut mit dem echten Patriotismus, während der Kosmopo-litismus, der sich des Patriotismus entbinden zu können meint, unnatürlich ist.Kosmoräma, s. Panorama.

Kosten, Gerichts- und Proceßtostcn, Erpensen, heißen diejenigen Gebühren undAuslagen, welche in gerichtlichen Angelegenheiten sowol dem Gerichte oder dem Staate,als den Sachwaltern und ihren Gchülfen zu bezahlen sind. Es unterscheiden sich darin diebaaren Auslagen, z. B. für Porto, Schreibegebühren, Stempel und dergl. (Verlage), vonden an die Gerichtspersonen oder, wo diese fixe Besoldung erhalten, an die Staatskasse(Sportclkasse) und an die Sachwalter für deren Bemühungen zu zahlenden Gebühren.

Koströma, ein Gouvernement in Großrußland von l "163 lüM. mit 080000 fastlediglich russ. Einwohnern, wird von der schiffbaren Wolga^ die hier die Kostroma, Unschaund Wctluga aufnimmt, durchströml, hat großen Waldreichthum und fruchtbaren Boden.Fischfang, Ackerbau, Viehzucht und Jagd neben der Industrie, die sich besonders auf Lei»-wandweberci, Juftenbereitung und Papierfabrikation erstreckt, bilden die Hauptbeschäfti.gung der Bewohner, deren viele im Sommer auf Handarbeit in andere Provinzen aus-wandern. Die Hauptstadt Kostroma, an der Wolga, hat >220«» E-, -io Kirchen, nennSchulen und 38 Fabriken und gewährt durch ihre schöne terrassenförmige Lage, ihre vielenKlöster und Kirchen und ihre zum Thcil prächtigen Gebäude, worunter besonders der schöneGouvernementspalast, der von einem herrlichen Blumen- und Fruchtmarkt umgebene stei-nerne Kaufhof und die Kathedrale auf der Höhe des Bergs sich auszcichnen, vom andernUfer der Wolga einen überraschenden Anblick. Dem Zar Michael Fedorowitsch, der im hie-sigen Jpatjewschen Kloster lange Jahre in der Zurückgezogenheit lebte, wird gegenwärtigin K. ein Denkmal errichtet.

Kothe, eigentlich Käthe, heißt im Niedersächsischen ein Bauerhaus, welches wederHof noch Ländereien hat; im Gegensätze zu den eigentlichen Bauern werden die Besitzereiner solchen Kothe Kothsassen, Kossathen oder Kossäten genannt, was wieder mit Hin-tersassen (s. d.) gleichbedeutend ist. — Kothen oder Salzkothen heißen noch ins-besondere die kleinen Hütten in den Salzwerken, worin das Salz gesotten wird; so na-mentlich in Halle.

Köthen, die Hauptstadt des Herzogthums Anhalt-Köthen (s. Anhalt) und die Re-sidenz des Herzogs, mit freundlichen Umgebungen, hat etwa 7500 E., darunter 80 Juden,ein Residcnzschloß und ein neues Schloß, zwei protestantische und eine neue katholische Kirche,eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Schullchrerseminar und mehre andere Schulen undAnstalten. Das 1828 von dem Herzog Ferdinand gestiftete Kloster der BarmherzigenBrüder wurde 1832 aufgehoben und ist in eine Armenschule umgewandelt. Bedeutend istbesonders'der Korn- und der Wollhandel. An Leben und Verkehr hat K. besonders gewon-nen durch den Bahnhof der Magdeburg-Lcipziger und der Bcrlin-Anhaltischen Eisen-bahn, der zugleich das schönste Gebäude in K. bildet, aber wegen der privilegirten Spiel-bank in so Übeln Ruf kam, daß der Herzog sich l83 5 entschloß, den Pacht mit den In-habern derselben aufzuheben.

Kothurn, griech. Kothvrnoe, hieß bei den Alten eine Art hoher, bis an dasSchienbein festgeschnürter Schuhe, wie sie ursprünglich, um sich beim Gehen auf unebenemBoden und beim Springen gegen äußere Verletzung und Verrenkung zu schützen, von denHirsch- und Gemsenjägcrn aufKreta, später auch in Lakonien getragen wurden, daher mansie auch der Diana und ihrem Jagdgefolge beilegte. Äschylus (s. d.) führte diese Fußbe-