Kosegarten (I. Gottfr. Ludw.) Kosegarteu (Ludw. Theobul) 355
der Nahe von Fontainebleau ein Landgut, wo er bis 1814 in ländlicher Ruhe lebte. Einekurze Zeit weilte er darauf in Wien während des CongresseS. Am 9. Apr. 1814 bat er denKaiser Alexander schriftlich um eine Amnestie für die Polen in der Fremde, und foderte ihnaus, König von Polen zu werden und dem Lande eine freie, der engl, ähnliche Verfassungzu geben. Mit Lord Stewart reiste er 18t 5 nach Italien und ließ sich dann 1816 zu Solo-thurn nieder. Von hier machte er im Apr. >811 einen Freibrief bekannt, durch welchen eraufseinem Gute Siechnowice in Polen die Leibeigenschaft aufhob. Übrigens lebte er ein-sam im Umgänge mit wenig Freunden. Landwirthschaft war seine liebste Beschäftigung.Ein Fall mit dem Pferde in einen Abgrund unweit Vevay wurde die Veranlassung seinesTodeS am 15. Oct. 1817. Er war nie verheirathct. Von den Vereinigten Staaten Nord-amerikas bezog er eine Pension und hatte so viel eigenes Vermögen, daß sich bei seinem Tode106000 Fr. baar vorfanden. Auf Kosten des Kaisers Alexander wurde 1818 durch denFürsten Jablonowski sein Leichnam aus Solothurn abgeholt und in dem Dom zu Kra-kau beigeseht, wo man ihm auch ein Denkmal errichtete. Vgl. Falkenstein, „K.'S Leben"(2. Aust-, Lpz. 1834).
Kosegarten (Joh. Gottfr. Ludw.), ordentlicher Professor der orient. Sprachen zuGreifswald, der Sohn des Nachfolgenden, geb. zu Altenkirchen auf der Insel Rügen am>». Sept. 1792, studirte seit 1808 zu Greifswald Theologie und Philologie und ging,als die Neigung zu den oriental. Studien in ihm erwachte, >811 nach Paris, um denUnterricht der dortigen Orientalen zu genießen. Nach seiner Rückkehr ins Vaterland wurdeer >815Adjunct der theologischen und philologischen Facultät zu Greifswald, 1817 ordent-licher Professor der oriental. Sprachen in Jena, 1824 aber in gleicher Eigenschaft nachGreifswald zurückberufen. Unter seinen Schriften erwähnen wir die Ausgabe der„Moallaka" des arab. Dichters Amr den kelthum (Jena 1819); die deutsche Übersetzungdes ind. Gedichts „Kola" (Jena 1820); das mit Jken ans dem Persischen übersetzte„l'üti nLmeti", eine Sammlung pers. Märchen (Stuttg. >822); die Ausgabe der„I^ibri Ooronae legsio, i<1 est commentarii in kentateucbum icsraitici ab -äbarnne ben«Uii»i conrcrijiti aliquot;>artic»lae" (Jena >824); „Bemerkungen über den ägypt. Texteines Papyrus aus der Minutoli'schen Sammlung zu Berlin" (Greifsw. 1824); die„Onwmentatio äe prisc» ^«-g^liornm literalura" (Wenn. 1828); die „(Uirestomatbiaarab." (Lpz. 1828); die Ausgaben der arab. Annalen des Taberi (2 Bde., Greifsw.>831 fg.), der unter dem Namen „Litüb al ^gchsni" bekannten großen Liedersammlung(Greifsw. 1840 fg.), und der ind. Fabelsammlung „pantsckatantrs" (Bonn >845);ferner die von ihm herausgegebene Chronik Kanhow's, „Pomerania oder Vrsprunck, Al-theil und Geschicht derVölcker vnd Lande Pomern u.s.w." (2 Bde., Greifsw. >816—17),und seine „Pommerschen und rügischenGeschichtsdcnkmäler" (Bd. I, Greifsw. >834).
Kosegarten (Ludw. Theobul), deutscher Dichter, geb. am l.Febr.I758 zu GreveS-mühlen, einem Mecklenburg. Städtchen, erhielt daselbst seine erste Bildung, studirte zuGreifswald, war dann Rector der Schule zu Wolgast und erhielt 1792 die Stelle einerPredigers zu Altenkirchen auf der Insel Rügen. Auf dieser patriarchalischen Insel lebteer, im Genüsse der Natur, seiner Familie, der Poesie, den Wissenschaften und in achtungs-werther Ausübung seines Amtes, eine Reihe glücklicher Jahre, bis er 1807 einen Ruf alsProfessor der Geschichte nach Greifswald annabm, wo er Professor der Theologie undPastor zu St.-Jakobi wurde und als Rector der Universität am 26. Oct. 1818 starb.Seine Romane, z. B. „Jda von Pleßen" (2 Bde.), seine „Gedichte" (2 Bde., Lpz. 1788),seine „Rhapsodien" (3 Bde., Lpz. >790—1801), seine „Romantischen Dichtungen"(6 Bde., Dresd. 1800—6), seine „Legenden" (2 Bde., neue Aust., Berl. 1816), seineepisch-idyllischen Gedichte „Jukunde" (6.Aust., Berl. 1843) und „DieJnselfahrt" (Berl.>804), seine vaterländischen Gesänge, akademischen Reden und seine Übersetzungen, z. B.vonRichardson's „Clarissa" (8Dde., Lpz. 1790—93), erwarben ihm einen weitverbreitetenRuf. Am beliebtesten wurde sein idyllisches Epos „Jukunde", welches jedoch seinen Vor-bildern, der „Luise" von Voß und Goethe's „Hermann und Dorothea", weit nachsteht.Seine Romane sind, und zwar mit Recht, gänzlich vergessen; dagegen verdienen manche
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