352 Korybanten
(in der spätem Picardie) gelegenen Klosters dieses Namens. Es wurde zuerst in der Ge-gend von Paderborn begründet, weil aber die Gegend umher zu unfruchtbar war, 822 anseine gegenwärtige Stelle verlegt. Kaiser Ludwig der Fromme verlieh demselben viele Län-dereien und große Vorrechte; es stand unmittelbar unter dem päpstlichen Stuhle, und sehrbald gewann der Anbau um dasselbe das Ansehen einer Stadt; doch litt es zu Anfängedes l t>. Zahrh. durch die Einfälle der Ungarn. Einer Sage zufolge schenkte Kaiser Lotharim I. 844 dem Kloster die Insel Rügen; wenigstens hat es fortwährend auf dieselbe An-sprüche gemacht, die auch durch Papst Hadrian IV. l 154 bestätigt wurden. Der Abt zuK. war deutscher Reichsstand und hatte unter den gefürsteten Äbten die letzte Stelle. NächstFulda war K. eine Hauptpflanzstätte der Cultur in Deutschland. Ansgar (s. d.), derApostel des Nordens, ging 826 aus diesem Kloster hervor, und von ihm soll die Schule da>selbst gegründet sein, welche im 9. und >0. Jahrh. in hoher Blüte stand. Unter den vielenGelehrten, welche in K. gebildet wurden, gedenken wir nur Widukind' s (s. d.), um dieMitte des >0. Jahrh. K. hatte einen Länderbcsitz von 5 UlM. mit IVOVVE., als cs17S4vom Papst Pius VI. zum Bisthum erhoben wurde. In Folge des NeichsdeputationS-hauptschlusses kam das Ländchcn 1893 an Nassau; 18V7 wurde es dem Königreiche West,falcn und 1815 Preußen einverleibt. Bei der neuenDiöcesaneinrichtung des preuß. Staa-tes hob der Papst auch das Bisthum zu K. auf. Im I. 1822 wurde der Länderbesitz derehemaligen Abtei K. unter dem Titel eines Mediatfürstenthums vom Könige von Preuße»auf den Landgrafen Victor Amadeus von Hessen - Nheinfels - Notenburg (s. d.)übertragen, der dasselbe bei seinem Tode auf die Prinzen Victor und Ludwig von Hohen-lohe-Waldenburg .Schillingsfürst vererbte (s. Hohenlohe). Die Klosterkirche ist imgoth. Stile gebaut, im Innern sehr prachtvoll auSgestattet und enthält eine Menge Grab,denkmäler benachbarter Dynasten. Die Bibliothek, in der die fünf ersten Bücher von desTacikus „Annalen" aufgefunden wurden, welcher Codex nachher in die Bibliothek vonFlorenz kam, und das Klostcrarchiv, das die schätzbarsten Urkunden aus den frühesten Zei-ten enthielt, sind zerstreut. Benutzt wurde letzteres von Falcke zu seinem „Oclex tracliti»NUIN cnrkcheiw." (Wolfenb. 1752, Fol.). Vgl. Wigand, „Geschichte der Abtei K."(Höxter 1819) und desselben Werk „Der korvcische Güterbesitz aus den Quellen darge-stellt" (Lemgo 1831). — Großes Aufsehen als wichtige Quelle für die CulturgeschichtedeSMittelalters erregte das zuerst von Wedekind in den „Noten zu einigen Geschichtsschrei-bern des deutschen Mittelalters" (Bd. >,Hft.4,Braunschw. 1823) herausgegebene „ekro-uiaon corbejeuse", welches ungefähr die Zeit von 768—1187 umfaßt. Insbesondere mitRücksicht auf den Herausgeber ohne weitere Prüfung in die Reihe der deutschen Geschichts-quellen gestellt, lenkte zuerst Ranke's Scharfsinn die Discussion auf die Echtheit desselbenhin, die ihm verdächtig erschien. Um weitere Untersuchungen darüber zu veranlassen, machtedie historisch-philosophische Classe der Societät der Wissenschaften zu Eöttingen >838 dieUntersuchung der Echtheit des „Liiromcon oorbeseuse" zum Gegenstände einer Preis-frage. Gekrönt wurde von den eingegangenen Schriften die von S. Hirsch und G. Waitz,welche, in Ranke's „Jahrbüchern des Deutschen Reichs unter den sächs. Kaisern" (Bd. 3,Abth. I, Bcrl. 1839) abgedruckt, das Chronikon für unecht erklärte und den Pastor Falcke(gest. 1752) als den Abfasser nachzuweisen suchte. Zu demselben Resultate kam auchSchaumann in seiner auf gleiche Veranlassung abgefaßten Schrift „Über das (lliromconcorbesense" (Gött. >839), während Paul Wigand in seiner Schrift „Die KorveischenGeschichtsqucllen" (Lpz. 1841) den Historiker Paullini (gest. 1712) als Verfasser nachwies.Da sich indeß der erste Herausgeber nicht von der Unechtheit des ChronikonS überzeugenkonnte, so brachte er die Sache noch einmal vor das literarische Forum, indem er einenPreis auf den Beweis der Echtheit des Werks setzte und die Historisch-theologische Ge-sellschaft zu Leipzig zur Richterin ernannte, die der einzigen eingegangenen Schrift vonKlippel, die nachher unter dem Titel „Joh. Fr. Falcke und das Obrouicon corliesense"(Bremen 1843) im Druck erschien, den Preis zuerkannte, obschon darin weniger die Echt-heit des Chronikons nachgewiesen, als vielmehr von Falcke der Verdacht abgeleitet ist, das-selbe zusammengestellt zu haben.
Korybanten hießen nach Korybas, dem Sohne Jasion'ö und der Cybele, die