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8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
328
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328 Konstalttiuopel

die Gesandten der Mächte, mit denen die Pforte in Krieg gerieth, gesperrt wurden, dasaber jetzt in Folge von Erdbeben sehr verfallen ist, und die zwei, von den Kaisern Justinianund Valens erbauten Wasserleitungen mit mehren ansehnlichen Cisterncn, von denen aberdie größte, ein ebenso merkwürdiges als großartiges Bauwerk, sehr verfallen ist. InderVorstadtKassim-Pascha befinden sich der Palast des KapudanPascha und dasSeezeughaussammt den dazu gehörigen Magazinen und Schiffswerften; Ealata, von den Genuesen!im Mittelalter gegründet, dem Serail ziemlich gegenüber, am Hafen liegend, über den hiereine Schiffbrücke zur Verbindung beider Stadttheile führt, ist der Sitz der europ. Kauf-leute und zahlt darum eine Menge schöner massiver Häuser; weiter nach Osten, schon amBosporus, liegt Top-Khana mit der großherrlichen Stückgießerei, von der es auch den Namenhat, und auf der Höhe hinter diesen drei Vorstädten, Pera, der Sitz der europ. Gesandten,die hier ihre Paläste haben, und außerdem vorzüglich von Griechen bewohnt, die außerandern Vorstädten noch besonders die vom Leuchtthurm Fanar benannte bewohnen (s. Fa-narioten). Vor dem jenseit des Bosporus liegenden Scutari liegt mitten in ersterm aufeinem Felsen der sogenannte Leandersthurm, der befestigt ist und zum Gefängniß dient,den man aber nicht mit dem durch die Sage von Her o (s. d.) und Leander berühmt ge-wordenen im Hellespont verwechseln darf. In Ejub, das nur von Türken bewohnt wird,befindet sich die Moschee, worin jeder neue Sultan bei seinem Regierungsantritt mit demSchwerte Osman's umgürtet wird, eine Cercmonie, welche die Stelle der Krönung vertu».K. zählt sammt den Vorstädten gegen 90000 Häuser und ungefähr 650000 E., darunter>20000 Griechen, 90000 Armenier, 50000 Juden und 2000 Europäer oderFranken. DieZahl der Dschamien oder größer» Moscheen beläuft sich auf 500, worunter l 3 Sultans-moschcen, die der kleinern oder Mesdscheds auf 50-00; ferner gibt es 23 griech. Kirchen untereinem Patriarchen der Griechen, dem geistlichen und auch halb weltlichen Oderhaupte dergriech. Untcrthanen der Pforte, nebst den zwölf Synodalbischöfen desselben; eine russ.-gricch. Kapelle; drei armenische Kirchen mit einem armenischen Patriarchen; neun katho-lische Kirchen mit zwei Kapellen, sechs Klöstern und einem Bischof; sowie zahlreiche jüb.Synagogen. An Unterrichts- und ähnlichen Anstalten finden sich 518 Medressen oderhöhere Lehranstalten, >285 Mechteb oder Elementarschulen; ferner eine Marineschul!,eine Akademie, wo Unterricht in Mathematik, Astronomie, Ingenieur- und Artillerie-Wissenschaft, Schiffahrtskunde, Geographie u. s. w. ertheilt wird, eine medicinische, haupt-sächlich von deutschen Ärzten geleitete Akademie, sämmtlich auf Staatskosten unterhaltenund hauptsächlich zur Bildung künftiger Beamten, besonders fürs Militair und die Marinebestimmt; ein griech. Gymnasium; 37 Bibliotheken, von denen die des griech.Patriarchenund des Serails berühmter sind, als sie verdienen; mehre Buchdruckereien, worunter fünftürkische. K. hat ferner gegen 300 öffentliche Bäder, eine Menge Kasernen, Basars, Hos-pitäler und eine Unzahl Kaffeehäuser, häufig mit den Bädern verbunden. Der EewerbsleißK.'s, obschon noch immer in mehren den Orient eigenen Zweigen, wie in der Verfertigungeiniger Ärten Leder, Zeuche und Teppiche, in Gold- und Silberstickereien, Juwelierarbeiten,Waffenfabrikation u. s. w., nicht unbedeutend, ist doch in Folge des riesenhaften Auf-schwungs der Industrie im westlichen Europa gegen früher jetzt sehr gesunken. Dagegen istder Handel, in Folge der unvergleichlichen Lage der Stadt, noch immer höchst bedeutend,und hat in Folge der vermehrten Verbindung mit dem Orient sich sogar gehoben. Derselbebefindet sich besonders in den Händen der fränk. Handelshäuser (hauptsächlich Italiener,Östreicher, Engländer und Franzosen), sowie der Griechen, Armenier und Juden. Ebensobedeutend als der Handel ist auch die Schiffahrt der Stadt, die jetzt insbesondere durchDampfschiffahrtslinien nach allen Seiten hin gefördert wird und K. viel zugänglichergemacht hat als früher. Durch das Zuströmen vieler Westeuropäer sowie durch die Re-formen des Sultans Mahmud hat K., obschon der eigentliche Kern der Türken so gut wie garnicht davon berührt worden ist, doch wenigstens im Äußern einen viel europäischen! Anstricherhalten. Man findet jetzt förmliche europ. Gasthöfe und Kaffeehäuser, ital.Opern u.s.w.,und die Plackereien, die sonst für den Europäer bestanden, haben meist aufgchört. Dagegenhat K. aber auch viel von seinem oriental. Aussehen, besonders hinsichtlich der Tracht derBevölkerung, eingcbüßt. In der Umgebung der Stadt, besonders längs des Bosporus,