Doppelsterne 429
Minute (genauer 32 Sekunden) voneinander abstehen; schon in den ersten vierJahrcn hatteer 4-15 beobachtet und zwar nach seiner Eintheilung (er theilte sie in Elasten und rechnetesie zur ersten, zweiten, dritten, vierten Elaste, je nachdem der Abstand der einzelnenSterne weniger als 4 , zwischen 4 und 8 , zwischen 8 und 16 , zwischen 16 und 32 Sekundenbeträgt) 97 der ersten, 162 der zweiten, 1 >4 der dritten, > 32 der vierten Elaste. Bedeutenderweitert wurde die Kenntniß der Doppclsterne durch Struvc, Hcrschel den Jüngern undSouth. Struve lieferte 1820 einen Katalog von 441 Doppelsternen, 1827 aber einen weitreichhaltigem von 3112 Doppelsternen, worunter 987 der ersten, 675 der zweiten, 659 derdritten, 736 der vierten Elaste und nur 346 bereits in Hcrschel's Verzeichniß befindliche,außerdem 52 dreifache Sterne. Er hatte vorher innerhalb zweier Jahre zu diesem Zweckebeinahe 126000 Sterne gemustert, nämlich alle Sterne der acht ersten Größen und die Hellernder neunten vom Nordpol bis 15 ° südlich vom Äquator, also in etwa fünf Achteln derganzen Himmelskugel. Auch er rechnet nur solche Sterne zu den Doppelsternen im engemSinne, bei denen der Abstand der einzelnen Sterne nicht über 32 Sekunden beträgt, undtheilt sie nach dem Abstande in acht Ordnungen. Das neueste Werk Struve's, welches mi-krometrische Messungen der Doppelsterne enthält, zählt 21 neu entdeckte Doppelsterne auf,außerdem 2 fünffache, 9 vierfache, 119 dreifache. Hcrschel der Jüngere und South legten schon1823 der Gesellschaft der Wissenschaften in London eine Denkschrift vor, welche die ResultatederBeobachtungen von 380 doppelten und dreifachen Sternen enthält. Seit 1834 hatHerschelderJüngere mehre Jahre lang von der Südspitze Afrikas aus dieSterne deS südlichen Himmelsgemustert und dabei eine große Menge neuer Doppclsterne entdeckt, wiewol sehr nahe Doppcl-sterne am südlichen Himmel vergleichungsweise selten sind. In den fünf Verzeichnissen, dieer überhaupt geliefert hat, sind über 3200 Doppelsterne enthalten, von denen der größteTheil von ihm zuerst aufgefunden und beschrieben worden ist. Im Ganzen kennen wir dem-nach über 6000 Doppclsterne (bei denen der Abstand der einzelnen Sterne nicht überMinute beträgt), von denen etwa 1930 zur ersten, 1310 zur zweiten, ebensoviel zur dritten,1450 zur vierten Herschel'schen Elaste gehören.
Schon diese große Anzahl von Doppelsternen macht es in hohem Grade wahrscheinlich,daß die meisten aus Sternen bestehen, die sich wirklich, nicht nur scheinbar nahe sind, oder,wie man dies kürzer ausdrückt, daß die meisten physische, nicht optische Doppclsterne sind, dader Fall einer zufälligen scheinbaren Nähe verhältnismäßig nur selten Vorkommen kann.In der gedachten, schon 1767 von dem engl. Physiker John Mitchel geäußerten Vermuthungbestärken uns folgende Umstände: I) die unverhältnismäßig große Anzahl von Doppel-sternen der ersten Elaste, während bei scheinbar nahestehenden Sternen die der viertenElaste beiweitem am häufigsten sein und die Zahlen der Doppelsterne in den vier Elastensich beinahe wie 1 , 3 , 12 und 48 verhalten würden; 2 ) die größere Häufigkeit der HellernDoppclsterne, indem von den Sternen der drei ersten Größen fast der sechste, von denender sechs ersten Größen der zehnte, von denen der sechsten bis neunten Größe nur der25 ., von noch kleinern erst der 42 . Stern ein Doppelstern ist; 3 ) das verhältnißmäßighäufige Vorkommen des Falls? daß die verbundenen Sterne an Helligkeit fast gleich sind,wenn auch allerdings meist der eine (Nebenstern oder Begleiter genannt) viel kleinerals der andere (Haupt- oder Centralstern) ist, z. B. bei Rigel im Orion, bei dem Polar-sterne, wo der eine der zweiten, der andere der elften Größe ist u. s. w.; bei nur schein-barer Nähe der Sterne könnte es sich nur höchst selten kessen, daß zwei scheinbar einander sehrnahe, in der That weit voneinander entfernte Sterne gleich hell erschienen, und zwar nur dann,wenn der entferntere Stern in gleichem Verhältnisse Heller und entfernter als der andere wäre/also seine größere Entfernung durch seine größere Helligkeit völlig genau compensirt würde.
Was aber durch die aufgezählten Gründe nur wahrscheinlich gemacht wird, ist durchHrrschel's Beobachtungen zur unumstößlichen Gewißheit erhoben worden. Derselbe fandnämlich (zuerst an dem Doppelsterne Castor in den Zwillingen) statt der vermutheten schein-baren Bewegungen, aus dknen er eine Bestimmung der Parallaxe der Fixsterne herleikenzu können hoffte, Bewegungen ganz anderer Art, dir nur durch eine wirkliche Bewegungdes einen der zu einem Doppelsterne verbundenen Sterne um den andern erklärt werdenkonnten, woraus sich zugleich ergab, daß ihre Nähe nicht blos scheinbar sein konnte. Hier»