116 Defraudation Degerando
Hinsicht auf das Wohlbefinden des Organismus, in welchem sie sich finden, gänzlich indifferent.JmPflanzenreiche finden ganz dieselben Verhältnisse der Deformitäten statt wie un Thicrreiche.
Defraudation, wörtlich so viel als Betrug, pflegt man sowol die Veruntreuung derBeamten in Bezug aus fiscalische Gelder zu nennen, als auch die Hinterziehung von in-
directen Steuern, daher z. B. Zolldefraudation.
Desterdar, der Titel des Finanzministcrs der Pforte, kommt von dem im Persischenund Türkischen gebräuchlichen Worte De ft er her, welches das öffentliche Steuerregisterbezeichnet, und für welches eine von der gewöhnlichen türk. Kanzleischrist verschiedeneSchriftart sowie andere' als gewöhnliche Zahlzeichen im Gebrauch lind. Der Desterdar, imPersischen Defterbed, ist einer der türk. Großwürdenträger, dem, mit Ausnahme bcs kai-serlichen Privatschatzes, der unter dem Kasnadar-Baschi steht, das ganze Finanzwesen desvsman. Reichs, die Erhebung aller Gefälle und Steuern, die Auszahlung aller Besoldungenund Ausgaben, die Verwaltung aller Lehen und Staatsgüter untergeben sind. Die Kanzleides Defterdars, dem zwei Unterdefterdars zur Seite stehen, wird Defterchan ge-nannt und ist in mehre Bureaus eingetheilt, an deren Spitze die Chodschagans stehen.
Degarmren heißt eine ausgerüstete Festung ihres Geschützes und ihres Mund- undKriegsvorrathS entledigen, um sie dem Feinde zu übergeben, oder aus Mangel hinreichenderVertheidigungsmittel zu verlassen, in welchem Falle man auch bisweilen die Wälle undVertheidigungswerkc zerstört.
Degenfeld, ein altes sreiherrliches Geschlecht, welches aus der Schweiz stammte undbei- seiner Übersiedelung nach Schwaben um 1280 von der Herrschaft Degenfeld an derLauter unweit Schwäbisch-Gmünd seinen Namen erhielt. Historisch merkwürdig aus diesemGeschlechts ist Christoph Mart. vonD., der im Dreißigjährigen Kriege unter Wallen-stein und Tilly, dann in den Niederlanden unter Spinola, hierauf unter Gustav Adolfkämpfte und seine- Eifers und seiner Treue wegen, womit er Schweden und Frankreichdiente, zuletzt zum Generalobersten der ausländischen Truppen ernannt wurde. Im I. > 643ging er jedoch in den Dienst der Republik Venedig über, stritt hier als General der Cavalerierapfer gegen Papst Urban VM. und die Türken und zog sich endlich auf seine Güter inSchwaben zurück, wo er 1653 starb. — Seine Tochter, Maria SusannaLoysa,Nau-gräfinvonD., kam noch sehr jung an den Hof des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalzund ward Hoffräulein bei dessen Gemahlin Charlotte, einer geborenen Landgräfin vonHessen-Kassel. Die Ehe des kurfürstlichen Paars war nicht glücklich. In demselben Grade,als die Kurfürstin durch kaltes, stolzes Benehmen das Herz ihres Gemahls von sich entfernte,fühlte der Kurfürst von der Schönheit, dem Geiste und der Anmurh des Fräuleins sich ange-zogen. Es entspann sich zwischen beiden Liebenden ein lat. Briefwechsel, der, nach verschie-denen heftigen Scenen zwischen der Kurfürstin und ihrem Gemahle, bei welcher Gelegen-heit die Kurfürstin sogar den Versuch machte, das Fräulein zu erschießen, mit der Trennung(wiewol nicht förmlichen Scheidung) des kurfürstlichen Paars endigte. Am 15. Apr. 1657ließ sich der Kurfürst die Freiin öffentlich an die linke Hand antrauen. Später erhieltsie mit Zustimmung aller Agnaten und kaiserlicher Bestätigung den Titel einer Rau-gräsin. Sie lebte mit ihrem Gemahle in der glücklichsten Ehe, starb im Wochenbette mitdem vierzehnten Kinde am 18. März 1677 und wurde mit großer Pracht zu Manheim be-stattet. Vgl.Lipowsky, „Karl Ludwig, Kurfürst von der Pfalz und Maria Susanna Loysa,Raugräfin von D." (Sulzb. 1824) und „Frcdegunde oder Denkwürdigkeiten zur geheimenGeschichte des hannöv. Hofs" (Berl. 1825).
Degerando (Jos. Marie, Baron von), bekannt als philosophischer Schriftsteller so-wie als Stifter vieler nützlicher Anstalten, wurde am 29. Febr. 1772 zu Lyon geboren, wo seinVater Baumeister war. Nachdem er seine Studien vollendet hatte, ging er 1797 mit seinemJugendfreunde Camille Jordan nach Paris und, als dieser nach dem 18. Fructidor geächtetwurde, nach Deutschland, wo er als gemeiner Soldar in die Armee Maffena'S trat. Wäh-rend dieses Feldzugs schrieb er seine erste von der Akademie gekrönte Abhandlung, welche erspäter in seiner Schrift „Des siFnes et <le l'srt cie penser eonsiclörös clrnnr leurs rspport:rnutusl," (4 Bde.,/Par. 18V0) erweiterte. Seine von der Berliner Akademie gekrönte Ab-handlung „De ia göoÄutivn üe» counaisss-uces duwames" (Berl. 1862) war ein Vor-