II
Buen-Retiro Buffon
weitern Kämpfen und mannichfachen inner« Zerwürfnissen, nachdem der General San-Martin die Spanier zurückgetrieben hatte, trat die constituirende Versammlung zum zwei-ten Mal im Marz 1816 zu San-Migucl-dcl-Tucuman zusammen, woraus am 9. Julidie sinnliche Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Provinzen am Rio-de-la-Plats(s. Plata-Union) erfolgte.
Buen-Retiro, ein auf einer Anhöhe östlich von Madrid gelegenes königliches Lust-schloß, das im Viereck gebaut, an den Ecken mit Thürmen versehen ist, wurde zu Anfängedes !7.Jahrh. vom Herzoge von Olivarez, einem Günstlinge Philipp's lV., erbaut undkam 1645 nach dessen Tode an die Krone, worauf es wegen seiner gesundenLage der gewöhn-liche Aufenthalt der königlichen Familie im Frühjahre war. Als die Franzosen > 808 Madridräumten, und die Spanier die Stadt in Vertheidigungsstand setzten, war B. als Schlüsselder Stadt beim Angriffe der Franzosen am 5.Dec. der Hauptgegenstand des Kampfes. DieErstürmung des Schlosses durch die Division Vilatte hatte die Kapitulation Madrids zurFolge. Schon bei diesem Sturme war die frühere Pracht des Schlosses und namentlich derherrliche Park fast ganz vernichtet worden; unter der franzvs. Herrschaft wurde es, da mandie Wichtigkeit des Punktes, um die unruhige Stadt im Zaume zu halten, erkannt hatte, ineine Citadelle umgeschaffen, mit einem Wall umgeben und die etwa 2000 Schritt seitwärtsgelegene Porzellanfabrik zur Deckung der Citadelle in ein detachirtes Fort verwandelt, inwelches sich auch während der Schlacht von Talavera die Besatzung Madrids zurückzog.
Büffel nennt man die aus Indien stammende Rindcrart mit großen gekrümmtenHörnern und breiter gewölbter Stirn, welche nach und nach sich in Asien, Afrika>und Amerikaverbreitet hat und in Europa vorzüglich in der Campagna-di-Roma in Italien und inUngarn heimisch geworden ist. Zwar lassen sich die Büffel sehr schwer bändigen, auch ist ihrFleisch nicht wohl zu genießen; doch werden sie als Hausthiere geschätzt, weil sie zu langedauernden schweren Arbeiten sehr brauchbar sind, weniger kostbares Futter als das gewöhnlich«Rindvieh verlangen, vortreffliche Milch geben und ihre Haut ein vorzügliches Leder liefert.
Buffon (George Louis Leckere, Graf von), einer der größten Naturforscher undSchriftsteller des 18. Jahrh., geb. zu Montbard in Bourgogne am 7. Sept. 1707, erhieltvon seinem Vater, Benj. Leckere, welcher Rath des Parlaments von Bourgogne war, eine sorg-fältige Erziehung. Der Zusill führte B. zu Dijon mit dem jungen Herzog von Kingstonzusammen, dessen Führer, ein gelehrter Mann, ihm Geschmack für die Wissenschaften ein-stoßte. Gemeinschaftlich mit ihnen bereiste er Frankreich und Italien und ging sodann nachEngland, wo er, um sich in der Sprache zu vervollkommnen, ein Werk von Newton und dieStatik der Gewächse von Halcs übersetzte. Bald aber trat er auch mit eigenen Werken hervor.Die wichtigsten seiner Untersuchungen, die er der Akademie, deren Mitglied er 1733 wurde,vorlegte, betrafen die Zusammensetzung eines Brennspiegels und Versuche über die Stärkedes Holzes und über die Mittel, sie dadurch zu vermehren, daß man die Bäume einige Zeitvor dem Fällen schält. Anfangs nur von einer unbestimmten Begierde nach Belehrung undRuhm beseelt, bekam er durch die Ernennung zum Intendanten des königlichen Gartens imI. I73S eine bestimmte Richtung auf die Wissenschaft, in welcher er sich einen bedeutendenNamen erwürben hat. Die Naturgeschichte, zumal aber die Zoologie, bestand damals nuraus einer ungeordneten Meng« großentheils unzuverlässiger Beobachtungen und Versuchensystematischer Anordnungen, die darum höchst unvollkommen sein mußten, weil theils dasMaterial mangelte und große Museen fehlten, theils Physiologie und Anatomie der Thiereauf sehr niedriger Stufe standen. Da die Naturgeschichte unter solcher Form den Gebildetentrocken und ungenießbar erschien, von den eigentlichen Gelehrten aber als unnütze Spielereibetrachtet wurde, so faßte B. den Gedanken, sie durch eine eigenthümliche Behandlung fürdie erster» anziehend zu machen, und bei den letztem wieder zur Ehre zu bringen. Sein Planeiner allgemeinen Naturgeschichte war umfassend genug; denn er beabsichtigte nichts wenigerals alle einzelnen Erfahrungen aus dem Gesammtgcbiete der Naturforschung zu sammeln,und sich ihrer zum Aufbau einer Theorie der Natur zu bedienen. Allein zur Ausführungfehlte ihm ebenso gründliches Wissen als Geduld zur mühsamen Forschung. Begabt mitsehr lebendiger Einbildungskraft und geneigt, durch glänzende aber mühelos herzustellendcHypothesen aus Zweifeln und Ungewißheiten sich zu besieien, war er mehr als billig der