Druckschrift 
2 (1845) Balde bis Buchhandel
Entstehung
Seite
746
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716 Bttchdruckerknnst

Anwendung jenes weichem Materials haltbar genug. Deshalb wurde auf das vor demFarbdruck längst bekannte Vcrviclfältigungsmittcl des sogenannten trockenen Abdrucks odervielmehr des Abgusses zurückgcgangcn und der Lcttcrnguß (s. Schriftgießerei) dadurchendlich zur Vollkommenheit gebracht, daß die in Stahl geschnittenen Buchsiabcnstcmpel(Patrizcn) in eine kupferne Matrize geschlagen, diese in eine Gießform gebracht und mittelseines leichtflüssigen, sich schnell wieder hinlänglich erhärtenden Metallgcmisches, die Letterndaraus in so gleichförmiger und bequemer Gestalt gegossen werden, als zur Zusammensetzungeiner festen Druckform aus so vielen kleinen Bcstandthcilcn crfoderlich ist. Diese Zusammen-sctzung der Form geschieht in folgender Art. Die Lettern werden in flache, 2'/, Zoll tiefe, 4 F.lange und 2'/, F. breite Kästen gelegt, welche 108148 Fächer haben, welches ungefährdie Zahl der einzelnen Buchstaben und sonstigen Zeichen ist, die bei deutschen und lat. Schrift-gattungen gebraucht werden. Die Lettern, welche am häufigsten Vorkommen, liegen in großemFächern der Hand am nächsten, die übrigen, aus demselben Grunde, mehr oder weniger außerder gewöhnlichen Alphabctfolgc. Die abzusetzende Handschrift hat der Setzer vor sich aus demBlatthaltcr oder Tcnakcl, in der linken Hand ein die Breite der Zeilen bestimmendes Instru-ment, der Winkelhaken genannt, in welches er jedes Wort der Handschrift Buchstabe fürBuchstabe setzt; zwischen jedes Wort kommt, um es von dem nächsten zu trennen, ein Stück(Spatium), das niedriger als der Buchstabe selbst ist, damit es nicht auf dem abgcdrucktcnBogen zum Vorschein komme. Auf diese Weise werden nun die Seiten nach und nach gebil-det, wie das Format der Bücher es bestimmt. Sind die zu einem Bogen nöthigen Seitengesetzt, so macht man zwischen die einzelnen Seiten so viel Raum oder Stege, als die Größedes zu bedruckenden Papierbogens erlaubt, und umschließt das Ganze mit einem eisernenNahmen, sodaß die einzelnen Lettern, Zeilen und Seiten eine feste Form bilden. Die Formkommt nun in die Presse, und nachdem man so viele Probeabdrücke von derselben gemacht,als nöthig sind, um die im Satze entstandenen Fehler zu verbessern, schreitet man zum Druckeselbst. Die Form wird in die richtige Lage gebracht und hierauf durch Ballen oder Walzenmit Farbe (Druckerschwärze) gleichmäßig geschwärzt. Der zu besserer und gleichförmigererAnnahme der Farbe angefcuchtete Bogen Papier wird in den Deckel der Presse gelegt, miteinem Rähmchen überdeckt, aus welchem die abzudruckcnden Seiten ausgeschnitten sind unddurch einen einfachen Mechanismus unter die Preßplatte (Tiegel) gebracht, diese durch einenHebel (Preßbengel) auf den Deckel heruntergedrückt und so der Abdruck der Form auf dasPapier bewirkt. Deckel und Form werden nun unter dem Preßtiegel wieder hervorgczogen.der auf einer Seite bedruckte Bogen herausgenommcn und dies so oft wiederholt, als Ab-drücke von einer Form gemacht werden sollen. Ebenso verfährt man auch mit der zweitenForm, um die andere Seite des Bogens zu bedrucken. Die Form wird dann gereinigt undauseinander genommen (abgelegt), um die Lettern zu anderm Satze zu verwenden. Mankann ungefähr hunderttausend Abdrücke von einer Form machen, dann aber sind die Letternso abgenutzt, daß man sie umgießen muß. Ein fleißiger und geschickter Setzer setzt täglich an1 0090 Lettern, und ebenso viel legt er ab. Zwei Drucker, von denen einer die Form schwärzt,der andere dieselbe abdruckt, liefern täglich 23000 Bogen auf einer Seite.

So wurde im Wesentlichen und bis auf kleine nach und nach hinzugekommcne Ver-besserungen, die Buchdruckcrkunst schon in den ersten typographischen Werkstätten in Mainzausgcübt. Die eine derselben war durch Verbindung Gutcnberg's mit dem vermögendenMainzer Bürger Fust entstanden, in Folge der Auflösung ihres Gcsellschaftsvertrags aberganz an diesen gekommen. Aus ihr ging 1455 oder 1456 Gutcnberg's erstes großes Druck-werk, die 42zeilige, undatirte, sogenannte Gutenbcrg'sche Bibel in zwei Foliobänden hervor,und nachdem der kunstfertige Schreiber, Peter Schösser, Fust's Schwiegersohn und Theil-nehmer an seinem Buchdruckergeschäfte geworden war und den Letternguß dergestalt ver-bessert hatte, daß auch mit kleinern als den bisherigen Lettern von der Größe der in dendamaligen Missalbüchern gebräuchlichen Schrift, also gedrängter und wohlfeiler gedrucktwerden konnte, folgte der Psalter von 1457, das erste größere gedruckte Buch mit Anzeigedes Druckjahrs und 1159 dasRationale" des Durandus, jenes noch als Chorbuch zumKirchengebrauch mit der grüßten Missaltype, dieses mit der neuen kleinen Type gedruckt.Neben dieser, nach Fust's Tode von Schösser allein und von seinen Nachkommen ein Zahr-