Druckschrift 
2 (1845) Balde bis Buchhandel
Entstehung
Seite
745
Einzelbild herunterladen
 

Buchdrnckerkunst 745

kestcm und in der chines. Provinz Thian-Schan-Nanlu, gehören der kaukasischen Racc undhauptsächlich der pers. Nation an. Sie sind von mittlerer Statur, rvohlgcbildct und schlank,habe» eine größtcntheils Helle und lebhafte Hautfarbe, curop. Gesichtszügc, schwarzes undfeines Haar, einen dichten, wohlgcpflegtcn Bart, große, schwarze und feurige Augen, eineHabichtsnase und zeigen in ihrer ganzen Haltung und in ihrem Äußern etwas Edles undJmponirendes. Die Tracht sowol der Männer wie der Frauen hat etwas sehr Gefälliges.Ihre Lebensart ist einfach, geistige Getränke sind durch den Islam verboten und werden nurvon den Reichen im Geheimen getrunken. Von Charakter sind die Buchrren feig, daher sieauch stets fremden Herren unterkhan waren, falsch, habsüchtig, listig und betrügerisch; gast-frei, gutmüthig und gefällig, wenn es der Handelsvortheil erheischt. Sie sind sehr industriöS,namentlich sehr thätige Handels- und Geschäftsleute und die umsichtigsten und einflußreich-sten des ganzen Mittlern Asiens, weshalb sie sich auch großen Wohlstand erworben haben.

Bnchdruckerkunst. Die Buchdruckerkunst nimmt unter den Erfindungen des mensch-lichen Geistes, durch den Einfluß, welchen sie auf die Cultur und die Fortschritte der Mensch-heit ausgeübt hat, eine der höchsten Stellen ein. Sie begründet daher mit Recht eine Epochein der Weltgeschichte. Nachdem man sich der Möglichkeit bewußt geworden, auf dem Wegedes Farbdrucks, Zeichnung und Schrift leichter und schneller, als durch Wiederholung mitder Hand und dem Griffel oder der Feder zu vervielfältigen, was in Europa nicht viel früherals gegen den Anfang des 15. Jahrh. geschehen zu sein scheint, und nachdem die Erfindungdes Leincnpapiers, als des besten und wohlfeilsten Druckmaterials, der Ölfarbe und derSchraubenpresse zu andern Zwecken vorangegangcn, war die Hauptaufgabe nun noch aufHerstellung der bequemsten und nachhaltigsten Druckformen gerichtet. Der Holzschnitt undder schon längst vorhandene Metallstich erhielten nun schnell bei den Briefdruckern und Gold-schmieden eine andere Gestalt, ja die Briefdrucker, welche hauptsächlich Spielkarten undAndachtsbilder fertigten, wendeten den Holzdruck bald auch auf kleine, ganz aus Text be-stehende Schulbücher (s. D on a t) an und kamen so der eigentlichen Buchdruckerkunst oderTypographie näher. Einige von ihnen (s. Costcr) scheinen sogar um die Mitte des 15.Jahrh. den Übergang zur Typographie oder zu dem Büchcrdruck mit beweglichen gegossenenLettern, auf eigenem, selbständigem Wege gefunden und bewerkstelligt zu haben, aber ihretypographischen Versuche wurden von der gleichzeitigen Mainzer Erfindung überflügelt undgeriethen, da sie in der niedrigen Sphäre des Briefdruckerhandwerks nicht so schnell zurvollen Entwickelung gelangen konnten und weniger beachtet blieben, ganz in Vergessenheit.Der Mainzer Patrizier G u t e n b e r g (s. d.) war es nämlich, der zuerst den mit dem reinenSchriftdruck zu erreichenden Zweck in seiner ganzen Größe ins Auge faßte, diesen allein sichzum Vorsatz machte und nicht eher ruhte, als bis er, nach vielen vorangegangenen Versuchen,nicht ohne fremde Gcldhülfc, den ersten Druck der ganzen Bibel auf typographischem Wegeendlich binnen einigen Jahren zu Stande brachte und so die erste eigentliche Buchdruckerei inMainz ins Leben rief, welche nunmehr die Schule oder das Vorbild aller andern wurde.

Bei dem xylographischen Bücherdruck muß die abzudruckende Schrift Seite für Seitealso mindestens auf doppelt so viele Tafeln, als sie Papicrbogen im Drucke einnimmt, inHolz geschnitten werden. Ist die Farbe auf die Holztafeln gebracht, so werden die Abdrücktdavon mit der Buchdruckerpresse genommen, wozu man sich anfangs statt derselben, des Rei-bers, wie bei den Spielkarten, bediente, der jedoch nur den Abdruck auf einer, nicht auf beidenSeiten des Papiers gestattete. Noch jetzt wird die Buchdruckern bei den Chinesen, wo sie mehr«Jahrhunderte älter als in Europa ist, auf diese Weise ausgeübt. Da ihre Schriftsprache nurWorte, aber keine Buchstabenzeichen hat, so konnten und mußten sie dabei stehen bleiben, nichtsdestoweniger verdanken sie der xylographischen Buchdruckcrkunft einen Umfang der Literaturund einen Reichthum der Bibliotheken, der größer ist als selbst bei manchem europ. Volk.In Europa aber mußte das Buchstabenalphabet der Sprachen bald darauf hinführen, dieBuchstaben einzeln aus Holz, Blei oder Zinn zu schneiden und daraus Druckformen für dieSchrift zusammenzusetzen, die nach gemachtem Abdruck auscinandergenommen und derenLettern (die einzelnen Buchstabenstempel) alsdann zu einer neuen Form wieder gebrauchtwerden konnten. Aber auch das Schneiden der Lettern in der erfoderlichcn Anzahl war eines-theils noch zu mühsam, anderntheils wurden sie auf diesem Wege weder gleichförmig, noch bei