Buccari Bucer 741
besetzt hielten. Nach der Landung Napoleon's im März >815 rückte er an der Spitze deszweiten Armeecorps der ital. Armee unter dem Oberbefehl von Frimont abermals gegenLyon vor und stand in Savoyen dem Marschall Suchet gegenüber, bis Paris übergeben war.Hierauf besetzte er ohne Widerstand die Stadt, errichtete daselbst ein Generalgouvernementund Kriegsgerichte zur Bestrafung der Tumultuanten, gegen welche er nun weit strenger alsdas erste Mal verfuhr. Nach dem Frieden beschenkte ihn der Kaiser mit mehren Gütern inBöhmen und übergab ihm 1818 das wirkliche Obercommando in der Lombardei, das erzeither nur als Stellvertreter verwaltet hatte. Bei den piemontcsischcn Unruhen 1821 erhielter den Oberbefehl über die östr. Truppen, welche in Piemont die alte Verfassung Herstellensollten, ein Auftrag, den er mit so glücklichem Erfolge vollzog, daß ihm als Anerkennung der Zu-friedenheit eine sardinischc Dotation verliehen wurde. Er starb zu Mailand am 6. Juni 1825.
Buccari, eine kleine Stadt mit einem Schlosse im Kreise Fiume des Ungar. Küsten-landes oder Litorale an der Bucht von Buccaricza und am Quarnero, einem Busen desAdriatischcn Meers, liegt an einem Bergabhangc und hat einen kleinen, aber sehr gutenHafen für etwa 51» größere Schiffe, welche, gegen Sturm und Wogen gesichert, unmittelbaram Strande aus- und einladen können. Sie zählt 1900 E-, welche Leinwand verfertigen,Thunsischfang, Schiffbau und Schiffahrt und einen ziemlich lebhaften Ausfuhr- undKüsten-handel mit Fischen, Wein,Holz, Kohlen und andern ungar. Landesproducten betreiben. ImRang ist B. der zweite Seeplatz des Litorale, und die Rhederei daselbst beschäftigt 40 eigeneSchiffe. Eingeführt werden Ol, Salz, Mais, Colonial- und Seidenwaaren. — InderNähe liegt das Schloß Buccaricza, mit einem Hafen an der Bucht gleiches Namens,das ehemals die Grafen Zriny besaßen, die es 167 i in Folge einer Verschwörung gegen dasöstr. Kaiserhaus verloren.
Buccentaur oder Bucentoro hieß die prächtige Galeere, in welcher der Doge vonVenedig seit 1311 jährlich am Himmelfahrtstage unter großen Feierlichkeiten eine Streckeweit auf oas Adriatische Meer hinausfuhr und zum Zeichen der Oberherrschaft der Republiküber das Meer durch Versenkung eines Rings sich gleichsam mit demselben vermählte. Derletzte Bucentoro wurde 1728 gebaut, und noch zeigt man in Venedig ein kleines Bruchstückdieser reich vergoldeten Galeere.
Bucephälus, d. i. Stierkopf, hieß das Pferd Alexander des Großen, welches er als^cin Lieblingspferd, da es an einer Wunde, nach Andern an Alter gcstorl-n war, am Hy-daspes begraben und um dessen Grab er die Stadt Bucephalia anlcge-c ließ. s?ndcmder bis dahin ungebändigtc B. von Alexander zuerst sich willig lenken ließ, wurde der Aus-spruch des Orakels zu Delphi erfüllt, nach welchem der Bändiger desselben der Thronfolgerdes Philippus werden sollte.
Bucer (Martin), einer dcrKirchenrcformatoren des 16. Jahrs)., gcb. 1491 zuSchlctt-stadt im Elsaß, trat fast noch als Knabe >505 in den Dominicanerorden. Seiner Talente-wegen vcranlaßte ihn der Prior des Klosters zu Heidelberg, Theologie zu studiren. Mit Eifertrieb B. neben der Theologie und den philosophischen Wissenschaften das Studium der griech.und hebr. Sprache. Auf Empfehlung des Ritters Franz von Sickingen ward er sehr jungHofprediger des Kurfürsten von der Pfalz. Er war durck des Erasmus Schriften vorberei-tet, als die persönliche Bekanntschaft mit Luther bei der Heidelberger Disputation im 1.1518die Umwandlung seiner religiösen Überzeugungen vollendete. Verfolgungen von Seiten derMönche nöthigtcn ihn, als er in den Niederlanden, wohin er den Kurfürsten begleitete, öffent-lich seine neugewonnenen Ansichten über Religion predigte, zu Sickingen zu flüchten. Seiter Luthcr's Benehmen auf dem Reichstage zu Worms im I. 1521 gesehen hatte, gehörte erzu dessen entschiedenen Anhängern. Nach Sickingcn's Tode im Begriff, sich nach Wittenbergzu begeben, ward er durch den Pfarrer zu Weißenburg veranlaßt, ihm im Amte beizustehcn,doch bald wurden Beide durch den Bischof von Spcicr vertrieben, worauf B. 1523 nachStrasburg.ging, wo er Prediger an der Thomaskirchc wurde. Die hier schon eingeleitetcReformation siegte bald durch B.'s und der andern Geistlichen Bemühen. Bei den Streitig-keiten zwischen Luther und Zwingli suchte er die rechte Mitte und machte die Vereinigungbeider Parteien zu seinem Hauptgeschäft; doch zog er sich, als er in der Lehre vom AbendmahlZwingli's Ansicht beitrat, den harten Tadel Luther's zu, Auf dem Reichstage zu Augsburg