Bruno (Giordauo)
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Bischöfe Hugo von Grenoble, dem er seine Absicht entdeckt hatte, 1084 in die vier Stundenvon der Stadt entfernte Wüste Chartrcuse geführt. Hier in einem engen, von zwei schroffenFelsen überragten Thale war cs, wo B. und seine Gefährten 1086 einen der strengstenMönchsorden gründeten, der von derWüste den Namen Kalthäuser (s.d.) erhielt. PapstUrban O., früher einer der ausgezeichnetsten Schüler B.'s, berief 1089 seinen vormaligenLehrer zu sich. B. folgte dem Rufe, aber ungern, und erhielt, da er jede geistliche Würde, selbstdas Erzbisthum von Reggio ausschlug, t 09-1 die Erlaubniß, eine zweite Karthause in derEinsamkeit von dclla Torre i» Calabrien zu gründen, der er bis zu seinem Tode im I. > 101Vorstand. Schon Leo X. erlaubte 15 l 4 den Karthäusern, ihrem Stifter zu Ehren eine eigeneMesse zu halten; Gregor XV. dehnte >623 dieselbe auf die ganze katholische Kirche aus,worauf B. 1628 unter die Zahl der Heiligen versetzt wurde. B. hatte seinen Schülern keinebesonder« Vorschriften gegeben; erst 1581 kam eine vollständige Regel für die Karthäuserzu Stande, welche Jnnocenz XI. bestätigte. Von den ihm bcigelegtcn Schriften (Par. 1524und Köln 1611, Fol.) werden nur die beiden Commentare über die Psalmen und die Briefedes Paulus sowie einige Briefe für echt gehalten. — Ziemlich gleichzeitig mit B. lebte einanderer Bruno, der Mönch in einem sächs.Kloster war und eine „Oistoria belli saxnuici"geschrieben hak, die von 1073—82 reicht, wegen der darin eingewebten Urkunden von Wich-tigkeit und bei Archer in den „8crh>tt. ror. germ." (Bd. 1) gedruckt ist.
Bruno (Givrdanv), ein durch Originalität, poetische Kraft und Kühnheit der Spccu-lation ausgezeichneter Philosoph, geb. um die Mitte des 16 . Jahrh. zu Nola im Ncapolita-nischcn, wurde zunächst Mönch, führte aber, wie es scheint, seiner Spöttereien wegen überdie Mönche flüchtig geworden, nach der Sitte jener Zeit ein sehr unstetes Leben. Er warum 1580 in Genf, wo er cs durch seine Paradoxen und seine Heftigkeit mit den intolerantenCalvinistcn bald verdarb, und ging dann nach Paris, wo er als Gegner der AristotelischenPhilosophie sich so viele Feinde machte, daß er 1583 nach England zu gehen für gut fand. Dochschon um 1585 kehrte er nach Paris zurück, dann lehrte er 1586—88 zu Wittenberg Phi-losophie, ohne angestellt oder Protestant zu sein. Im I. 1589 war er in Helmstedt und1591 in Frankfurt am Main; 1592 aber kehrte er nach Italien zurück, wo ihn dieInquisition zu Venedig verhaften ließ und 1598 der Inquisition zu Rom überlieferte, dieihn nach zweijähriger Gefangenschaft und vergeblichem Warten auf den Widerruf seinerLehren, als Apostaten, Ketzer und Abtrünnigen von dem Ordcnsgelübdc, am 17. Febr. 1600verbrennen ließ. B. litt die Todesstrafe, die er durch Widerruf hätte abwenden können, mitStandhaftigkeit. In seinen Aschermittwochstischreden („Oeua ckelle ceneri") vertheidigte erdas System des Kopernicus; in dem besonders berühmten „8j,sccio ckella bestis tlionkuut«:"(Par. 1584) versetzte er die Tugenden an die Stelle der Thiere als Gestirne an den Him-mel, wobei er manchen satirischen Blick auf seine Zeit warf; noch entschiedener trat die Satirein seiner Schrift „(lsdala <Iei cavallo keAuseo coli' sggiunta clel' asino Oillen'ico" (Par.1585) hervor, in welcher er das Glück der Unwissenheit pries. Seine eigentlich philosophi-schen Ansichten enthalten seine Schriften „De la causa, principio et uuo" (Ven., wahr-scheinlicher Lond. 1584) und „Del inlmito universo et moncki", welchen Gegenstand erspäter in dem Gedichte „Oe innumersbilibus, i,neuen.?« et inügurabili seu eie universo etmunelis liliri VIII" nochmals behandelte. Der Hauptcharakter seiner Schriften ist, nachHegel, eine schöne Begeisterung eines Selbstbewußtseins, das den Geist sich innewohnenfühlt und die Einheit seines Wesens mit allen Wesen weiß. Es ist etwas Bacchantisches indiesem überreichen, übcrströmenden Bewußtsein, das der großen inner« Begeisterung auchseine persönlichen Verhältnisse aufopfert; aber cs ist noch ohne wissenschaftliche Bildung,greift nach allen Formen und artet häufig in trübes, verworrenes Wesen, in mystische Schwärmerei aus. So besonders in den dunklern Schriften, in denen er die Topik und Mnemonikdes Raimundus Lullus (s. d.), welche er an die Stelle der damaligen Logik setzen wollte,mit Künstlichkeit ausführt. Mit den hellsten Einsichten in die Natur der Dinge verband erden Glauben an Astrologie und Magie. In neuerer Zeit hat namentlich Jacobi die Auf-merksamkeit wieder auf B. gelenkt, aber der Spinozistische Pantheismus, den er ihm beimaß,ist bei ihm noch nicht anzutreffen; seine Lehre war nichts anderes als ein Wicdcrhall deralexandrin. und B. darin nichts weniger als original. Er schrieb auch Gedichte, z. B. „Ike-