Brühl (Hans Moritz, Graf von) Brulliot 717
komischen Zügen; nur fällt bei einem so feingebildeten Weltmanne die oft unedle Schreibartdoppelt auf. Meißner's „Alcibiades" wurde von ihm in das Französische übersetzt.
Brühl (Hans Moritz, Graf von) auf Martinskirchen, ein Neffe des Ministers, derSohn seines Bruders, geb. am 2». Dec. 1736 zu Wiederau, war auf der Universität zuLeipzig, wo er 1759—54 studirte, ein Liebling Gellert's, der später mit ihm auch correspon-dirte, sowie Cronegk's Freund. In Aufträgen des sächs. Hofes ward er 1755 nach Parisund 17 59 nach Warschau gesendet, wo ihn August 111. zum Kammerherrn und Landeshaupt-mann in Thüringen ernannte. Unter dem Administrator Taver erhielt er l 7 64 den Gesandt-schastspostcn zu Paris, später den zu London, wo er am 9. Jan. 1899 starb. Um die Astro-nomie, die er gründlich kannte, hat er sich durch Verbesserungen an mehren, besonders chro-nometrischen Instrumenten, sowie dadurch verdient gemacht, daß er den Baron von Zachvorzugsweise zu dem Studium dieser Wissenschaft anregte. Auch in der Staatsökonomiebesaß er gründliche Kenntnisse, wie unter Anderm seine „Heckerckes snr ckivers »Issels <Ie.I'econnmie politchue" (Dresd. 1781) beweisen. Seine kostbaren astronomischen Instru-mente vermachte er der Sternwarte zu Leipzig.
Brühl (Karl Friedr. Mor. Paul, Grafvon)/ebenfalls ein Neffe des Ministers, der Sohndes 1811 verstorbenen preuß. Obersten und Chausscebau-Jntendanten HansMoritz,Gra-fcn v on B., des jüngsten Sohns des Ministers, geb. zu Pforten am l 8. Mai 1772, erhielt diesorgfältigste Erziehung durch seine Mutter, eine geborene von Schleierweber und Friedenau,gest. 1816, welche große Talente für Gesang, Musik und theatralische Darstellung besaß undmit den ausgezeichnetsten Männern in Verbindung stehend, überhaupt zu den gebildetstenFrauen ihrer Zeit gehörte. Von Kindheit auf war B. Zeuge und selbst Theilnchmcr theatrali-scher und musikalischer Kunstübungen, die auf dem zu Pförten und Scifcrsdorferrichteten Pri-vat-und Familientheatcr stattfanden, auf welchem, neben Reinecke, dessen Frau und Brandes,sein Vater und Oheim selbst auftraten. Entscheidend war für ihn der Aufenthalt mit seinenAltern in Weimar im 1.1785, wo Goethe ihn in der Mineralogie und Herder und Wieland inandern Zweigen unterwiesen. Auch trat er hier als Mitglied des gesellschaftlichen Thcatervcr-eins mehrmals vor der geistreichen Herzogin Amalie auf. Im 1. 1799 wurde er Jagdjunkerin Berlin und 1796 Forstrefercndar bei der kurmärk. Kammer; doch ununterbrochen setzte erseine Studien fort; er trieb Musik unter Fasch, die Zeichenkunst unter Genelli und versuchtesich auch im Radircn mit Erfolg. Im 1. 1798 besuchte er Weimar abermals, wo er unterGoethc's Leitung wieder bei dem herzoglichen Privattheater wirksam war. Auch nachdem er>89» Kammerherr des Prinzen Heinrich von Preußen geworden, mit dem er einige Jahrezu Rheinsberg verlebte, wurde er dem Theater nicht entfremdet, da der Prinz eine franz.Schauspielertruppe unterhielt. Später ward er Kammerherr bei der Königin Mutter und>819 bei der Königin Luise. Im I. 1813 machte er den Feldzug als Major im General-stabe mit und begleitete sodann nach dem Friedensschlüsse den König von Preußen nachParis und London, wo wieder Theater und Theaterwcsen ilm besonders beschäftigten. Nachder Rückkehr wurde er 1815 zum Generalintendanten der königlichen Schauspiele in Berlinernannt und entwickelte in diesem Wirkungskreise eben so viel Geschmack als rastlose Thätig-keit, die sich bis auf das kleinste, namentlich auf die Correctheit vcr Costüme und Dekora-tionen erstreckte.- Letztere Eigenschaft machte ihn vor Allen berufen, auch der Anordner allerFestzüge zu sein, welche im königlichen Schlosse stattfanden. Wie ernst er es meinte, bewieser durch die Begründung des „Dramatischen Wochenblatt" auf eigene Kosten, welches inseinen drei Jahrgängen (1815 —17) außerordentlich viel Werthvolles enthält. Auch schrieber Vorreden zu mehren Werken über Costüme und Dekorationen und gab mit Spiker die„Darstellung des Festspiels Lalla Nuckh, welches auf dem am 27. Jan. 182 l im königlichenSchlosse veranstalteten Maskenball gegeben wurde" (Berl. 1822, mit 23 Kpfrn.) heraus.Der Verlust seines ältesten Sohns, Kränklichkeit und Misvcrständnisse beim Theater ver-blaßte» ihn, 1828 seine Entlassung zu nehmen, die ihm der König mit allen Beweisen derAnerkennung und Gnade gewährte. Seit 1839 General-Intendant der königlichen Mu-seen, in welcher Stellung er aufs neue seinen Kunstsinn bewährte, starb er zu Berlin am 9.Aug. 1837 und wurde am 29. Aug. in der Kirche zu Seifersdorf bei Dresden beigesctzt.
Brulliot (Franz), ein ausgezeichnet fleißiger und gelehrter Arbeiter im Gebiete der