716 Brühl (Friedr. Aloysius, Graf von)
mehre Aronämter in Polen oder wußte sie seinen Söhnen zuzuwenden. Auch vom Auslande ^her breiferte man sich, den vielvermögenden Günstling August's >11. zu ehren. Die KaiserinElisabeth verlieh ihm den Andreas-Orden und Kaiser Karl VI. erhob ihn zum Reichsgrafen.Ungeheure Summen verwendete B. auf des Königs, noch mehr aufseinen eigenen Hofstaat.
Er hielt 200 Bediente und bezahlte seine Ehrenwache besser als der König die seinige; seineTafel war die köstlichste, seine Garderobe die glänzendste und seine häusliche Einrichtung dieüppigste. „B.", sagt Friedrich >>., „war der Mann dieses Jahrhunderts, der die meisten Klei-der, Uhren, Spitzen, Stiefeln, Schuhe und Pantoffeln hatte. Cäsar würde ihn zu jenen schön-frisirten und parfümirten Köpfen gezählt haben, die er nicht fürchtete." Durch diese Ver-schwendung kam es denn auch, daß beim Ausbruche des Siebenjährigen Kriegs, als Friedrich II.1756 in Sachsen einfiel, das Land nur 17000 M. entgegcnzustellen vermochte, die sich §bald aus Mangel an Zufuhr in dem Lager von Pirna dem Feinde ergeben mußten. DerKönig und seine Minister flüchteten nach Warschau, wo sie bis zum Abschluß des Huberts-burger Friedens blieben. Das durch B.'s Verschwendung erschöpfte Land aber mußte alsBeute des Siegers indeß die Fehlgriffe des Ministers, der sich unpolitischerweise in das ^Bündniß gegen Friedrich I I. mit eingelassen hatte, aufs härteste büßen. Kurz nach der Rück-kehr aus Polen nach Dresden starb der König am 5.Oct. 1765, und B. folgte ihm schon am j28. Oct. im Tode nach, nachdem er bereits einige Zeit gegen seine Erschöpfung angekämpst 1hatte, um die Pflichten eines Günstlings unausgesetzt zu erfüllen. Prinz ckaver, der ihn per-sönlich haßte, ließ, als Administrator von Sachsen, B.'s Güter mit Beschlag belegen undeine Untersuchung verhängen. Da indeß B. klug genug gewesen war, alle seine Anordnungendurch die Unterschrift des Königs autorisiren zu lassen, endigte dieselbe damit, daß die Söhnealle Güter des Vaters erbten. Nicht zu verkennen ist übrigens, daß B.'s Prachtliebe undAufwand vielfach zur Aufmunterung und wirksamen Unterstützung der Künste und Wissen-schaften in Sachsen Veranlassung wurden. Seine Bibliothek, die 62000 Bände umfaßte,wurde für 60000 Thlr. verkauft; sie ist ein Hauptbestandtheil der königlichen öffentlichen >Bibliothek zu Dresden und zeichnet sich durch innern Gehalt wie durch äußere Eleganz aus.Vgl. Justi, „Leben und Charakter des Grafen von B." (5 Bde., 1760—6-1) und die „Zu-verlässige Lebensbeschreibung des Grafen von B. und des Cabinetsministcrs A. I. Fürstenvon Sulkowski" (Franks, und Lp;. >766).
Brühl (Friedr. Aloysius, Graf von B.), der älteste Sohn des Vorigen, geb. zu Dres-den am 31.Juli 1730, von seiner Mutter, einer höchst würdigen, verständigen und geistreichenFrau, mit ebenso viel Klugheit und Sorgfalt als Strenge erzogen, studirke in Leipzig undLeyden. Er ward bereits in seinem 10. Jahre poln. Kron-Großfeldzeugmeister und wohnte,nachdem er Europa durchreist hatte, einigen Feldzügen der Östreicher im SiebenjährigenKriege bei. Nach August's I II. Tode verlor er alle seine Ämter in Polen und Sachsen, docherhielt er einige durch dessen Nachfolger, den König Stanislaus, zurück. Auf seiner Herr-schaft Pförten lebte er nun in stiller Zurückgezogenheit den Wissenschaften, festlichen Vergnü-gungen und seinen Freunden und starb am 30. Jan. 1703 zu Berlin, wo er seinen BruderKarl besuchte. Einer der schönsten Männer, von bewundernswürdiger Leibesstärke, Virtuosauf dem Basson und andern Instrumenten, ein tüchtiger Zeichner und Maler, ein gründ-licher Mathematiker, besonders im Artillcriewcsen, welches kennen zu lernen er fast ein gan-zes Jahr in der Stückgießerei zu Augsburg unerkannt arbeitete, und in der Lustfeucrwerkereierfahren, war er ein vollendeter, feingebildeter Weltmann, der die meisten europ. Sprachenmit Anmuth und Gewandtheit sprach und schrieb und in der Kunst der Unterhaltung seineTriumphe feierte. Eine seiner Hauptliebhabereien war das Theater; ein solches hatte er zuPförten errichtet, für das er selbst die erfoderlichen Decorationen malte und Stücke schrieb,in denen er als Darsteller auftrat. Diese und andere Stücke, darunter auch mehre demFranzösischen nachgebildet, erschienen unter dem Titel „Theatralische Belustigungen" (5 Bde.,Dresd. 1785—00). Einige derselben, wie z. B. „Die Brandschatzung", die Bearbeitung ^einer wahren Anekdote aus dem Siebenjährigen Kriege, wurden eine Zeit lang auf den deut-schen Bühnen mit Beifall gesehen. Sein bestes Stück ist vielleicht „Wie man einen Betrügerentlarvt" (Dresd. 1787). Nachlässig hingeworfen sind seine Lustspiele, doch reich an echt