718 Brüllotv Vrumakre
Kupferstichkunde, geb. am I6.Febr. 1780 zu Düsseldorf, der Sehn des nachmaligen Galerit«inspcctors, Joseph B.'s, in München, widmete sich anfangs auf der Akademie zu Düssel-dorf, dann in München der ausübenden Kunst, bis er sich in Folge seiner Anstellung bei derKupferstichsammlung in München seit 1808 ausschließlich der Kupferstichkunde zuwendete,in deren Interesse er wiederholt Deutschland, Frankreich, Holland und Italien bereiste. Im1. 1822 wurde er Conservator an der gedachten Sammlung, um die er sich namentlich durchsine neue zweckmäßige Ordnung nach Schulen und Malern, sowie durch ein Jnventariumund einen Realkatalog und auch dadurch verdient gemacht hat, daß er sie um l oonoo Exem-plare vermehrte. Sein „Oictionnaire des Monogramme" (2 Bde., Lpz. 1817 — 18,-1.)ergänzte er durch die „Ikable generale des Monogramme" (3 Hefte, Münch. 1820) undließ es dann in einer gänzlich umgearbeiteten neuen Ausgabe (3 Bde., Stuttg. 1832—3-t,4.) erscheinen. Erstand im Begriff, ein auf 10 Bände berechnetes Supplement des „Veintre-graveur" von Bartsch herauszugcben, als die Cholera am 13. Nov. 1836 ihn dahin raffte.
Brüllow (Karl), ein ausgezeichneter Historienmaler, geb. um > 800 zu Petersburg,erhielt seine erste Bildung auf der dortigen Akademie. Im I. 1823 ging er nach Italien,mit Unterstützung eines unter dem Schutze der Kaiserin Elisabeth stehenden Vereins. Erfertigte dort zunächst mehre vortreffliche Copien nach Rafael; sein selbständiger Ruhm abergründet sich auf das große, auch durch den Stich bekannt gewordene Gemälde, welches denletzten Tag von Pompeji, nach dem Berichte des jüngern Plinius, darstellt und gegenwärtigin der Eremitage zu Petersburg sich befindet. Seine Portraits sind durch kräftiges Coloritausgezeichnet, auch seine Genrebilder werden gerühmt.
Ärumaire hieß im republikanischen Kalender Frankreichs die Zeit vom22. Oct.—-20.Nov. Berühmt ist besonders der 18. Brumaire des J.VIII, nach dem Gregorianischen Kalenderder 9. Nov. 1799. An diesem Tage wurden in der franz. Republik das Directorium und dieVerfassung vom I. Ill durch Bonaparte gestürzt, der als erster Consul die Zügel der Regie-rung ergriff. Das Fortbestehen der Directorialregierung war allerdings durch mehrfacheUmstände unmöglich geworden. Von Italien, der Schwei; und Holland aus bedrohten dieHeere der, mit Ausnahme Spaniens und Preußens, nach dem Congresse zu Rastadt zu einerneuen Coalition zusammengetretenen europ. Mächte die Grenzen des durch die Politik desConvents in seinem Innern geschwächten und zerrütteten Frankreichs. Inmitten dieser üblenLage und der öffentlichen Unglücksfälle gewannen auch die bisher durch die glänzenden Siegedes Directoriums niedergchaltenen politischen Parteien einen neuen Spielraum. Schon dieErgänzungswahlen der Gesetzgebenden Körper vom Flore'al des I. VI waren so sehr imSinne der streng republikanischen Partei ausgefallen, daß das Directorium am 22. Flore'aldiese Wahlen durch einen die Constitution verletzenden Streich für ungültig zu erklären wagte.Da diese Gcwaltthat die Republikaner erbitterte und zu gemeinschaftlichen Maßregeln trieb,so fielen im folgenden Jahre die Wahlen für die Gesetzgebenden Körper wieder zu ihren Gun-sten aus, und dies hatte die Folge, daß das Directorium am 30. Prairial (l 8. Juni) >709durch die Räche, welche sich in Permanenz erklärten, desorganisirt wurde. Die Stützen desalten Directoriums, Treilhard, Merlin und Lareveillere, mußten austreten, an Newbcll'sStelle trat gesetzlich Sieyes ein, Barras aber verließ seine Amtsgenossen, um sich diesembcizugesellen. Sieyes war der erklärteste Feind dieser schwachen und abgenutzten Regierung;er hatte die Absicht, die Constitution vom J. Ill, die nur noch von den Direktoren Gohier undMoulin, durch den Rath der Fünfhundert, und im Volke durch die entschiedene republikanischePartei gestützt wurde, zu stürzen und die Revolution durch eine definitive Constitution zuschließen. Bonaparte hatte im Orient die Lage Frankreichs erfahren; die Gelegenheit, seineseit den Siegen in Italien genährten ehrgeizigen Entwürfe zu verwirklichen, schien ge-kommen ; er durchsegelte aus einer Fregatte das mit engl. Schiffen bedeckte MittelländischeMeer und landete am 17. Vcnde'miaire des I. VlII (8. Oct. 1799) zu Fre'jus. Obschon so-eben Brune und Massen« durch ihre Siege über die coalirten Heere Frankreich gerettet hat-ten, so wurde Bonaparte doch vom Volke und der Partei der Gemäßigten als der Retter desVaterlands empfangen. Je zurückhaltender er sich anfangs benahm, je undurchdringlicherseine Plane erschienen, um so mehr wurde er von den Parteihäuptern gefürchtet. Sieyeszauderte lange, sich ihm zu nähern, denn er hielt ihn für zu ehrgeizig, als daß derselbe seine