Brüder des Sieges
Brüdergemeinde
er
von besonderer Bedeutung gewesen. Zwar hegten die Stifter gegen alle Wissenschaften,welche nicht unmittelbar praktischen und moralischen Werth hatten, Geringschätzung, wes-halb die Hähern wissenschaftlichen Studien in den Brüdcrhäusern sehr wenig Pflege fanden,desto eifriger wurde von ihnen der Volksunterricht gefördert. An manchen Orten errichtetensie in ihren Häusern selbst Schulen, an andern schlossen sie sich an schon bestehende Schulenan, unterrichteten darin, unterstützten die Schüler und vertheilten Bücher. Nach dem Wie-dcraufblühcn der Wissenschaften in Italien entzogen auch sie der dadurch entstandenen gei-stigen Bewegung sich nicht, besonders in Deutschland und den Niederlanden. Nächst denStiftern der Brüderschaft sind,,von den Hieronymianern hauptsächlich zu nennen GerhardZerbold von Zütphen, Thomas a Kempis und der gelehrte Cardinal Nikolaus Cusa. VglDelprat, „Die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens" (deutsch von Mohnike, Lpz. 1840).
Brüder des Sieges, s. Franz von Paula.
Brüder und Schwestern deS freien Geistes nannte sich im 13. Jayry. eine inden Rheingegcnden entstandene, später auch in Frankreich und Italien verbreitete Sekte,welche auf Grund der biblischen Lehre vom freimachcnden Geiste nicht nur der Kirche, son-dern auch dem Moralgesetze den Gehorsam aufkündigte. Diese Richtung, durch pantheistischePhantasien gefördert, führte zu Auflösung der Ehe und zu einer Unzucht, die ihnen denSpottnamen Schwestriones zuzog. Einige stellten sogar den Grundsatz auf, daß kör-perliche Handlungen der Seele nicht angerechnet werden könnten. Die Synoden zu Kölnim I. 13i>6 und zu Trier im I. l310 beschlossen ihre Unterdrückung, und in den Verfol-gungen, die nun über sie ergingen, wurden sie bekehrt und zerstreut, zum Theil auch ge-tödtet. Ähnliche Ansichten hegten zur Zeit der hussitischen Unruhen die Adamiten (s. d.).
Brüdergemeinde (evangelische) oderBrüderunität nannte sich die Neligions-gesellschaft, welche von den Nachkommen der in ihrem Vaterlande verfolgten Mährischenoder Böhmischen Brüder (s. d.) gegründet ward, die 1722 unter Begünstigung desGrafen von Zinzendorf (s. d.) auf dem Gebiete seines Ritterguts Berthclsdorf in derOberlausitz, an der Mittagsseite des Hutbcrgs, sich anbauten und nach ihrer Colonie, die sicHerrnhut nannten, von Andern auch den Namen Herrnhuter erhielten. Als die Zahl derColonisten sich dermaßen gemehrt hatte, daß die Verschiedenheit in ihren Religionsbegriffendas Bedürfniß einer gemeinschaftlichen Übereinkunft über feste Regeln des Glaubens undLebens fühlbar machte, wurden unter Leitung des Grafen von Zinzendorf gewisse Ver-einigungspunkte festgesetzt, in welchen man die Unterscheidungslehren der verschiedenen pro-testantischen Glaubensbekenntnisse, deren Verwandte sich hier versammelt hatten, unberührtließ, nur die Grundwahrheiten des Christenthums als Glaubensartikel annahm und eineden Satzungen der alten mährischen Brüderkirche ähnliche Verfassung und Kirchenzucht ein-führte. Unter dem Namen eines freiwilligen Einverständnisses nahmen alle EinwohnerHerrnhuts am 13. Aug. 1727 diese Statuten feierlich an und bildeten so den ersten Stammder Brüdergemeinde, als deren Stifter Zinzendorf anznsehen ist. Die Nachkommen jenerersten Colonisten, denen bald durch landesherrliche Verbote untersagt wurde, noch mehre ausBöhmen und Mähren cinwandernde Brüder aufzunehmen, machen indcß nur den kleinstenTheil dieser jetzt so zahlreichen Gemeinde aus. Um den protestantischen Glaubensvcrwandtcnden Zutritt zu der Gemeinde zu erleichtern und die Einigkeit zu erhalten, finden bei derselbendrei Tropen oder Arten des Lehrbegriffs statt: der mährische, zu dem die von jenen Aus-wanderern abstammenden und alle weder aus der lutherischen noch aus der reformirten Kirchebeigetretenen Mitglieder gehören, der lutherische und der reformirte. Kinder folgen jederzeitdem Tropus ihrer Altern, und der Übertritt von einem zum andern ist weder erlaubt nochnöthig, da das wesentlich Christliche nicht in kirchlichen und dogmatischen Bestimmungenbesteht. Die Brüdergemeinde will keineswegs für eine besondere Neligionspartci gehaltensein; sie setzt ihr Eigenthümliches nur in eine genauere Verbindung zur Gottseligkeit undhat, obwol Zinzendorfs und besonders Spangcnberg's (s. d.) Schriften bei ihr in gro-ßem Ansehen stehen, keinen eigenen durch besondere symbolische Bücher festgesetzten Lehrbe-griff, vielmehr erklärte sie sich auf Anfrage der Regierung ausdrücklich dem Augsburgi-fchen Glaubensbekenntnisse verwandt, und wurde auch in mehren Staaten dafür anerkannt.
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