706 Brückenwage Brüder des gemeinsamen Lebens
von Worms, sowie die Verstärkung des Brückenkopfs von Manheim durch die Östreicherim I. 1791 als beachtungswerthe Beispiele genannt zu werden. Unter den Heerführern,welche die Brückenschanzen zuerst anwendeten, ist namentlich der Prinz von Parma zu er>wahnen, der sich ihrer bereits 1579 in den Niederlanden bediente.
Brückenwage, s. Wage.
Brücker (Jakob), ein um die Geschichte der Philosophie sehr verdienter Gelehrter,war zu Augsburg am 22. Jan. >696 geboren. Sein Vater, ein wackerer Bürger, hatteihn zum Kaufmann bestimmt; die Auszeichnungen jedoch, welche er sich schon als Alum-nus des evangelischen Collegiums zu Augsburg erwarb, bewogen den Vater, seiner Nei-gung zu den Wissenschaften nachzugebcn. So bezog er 1715 die Universität zu Jena, woder damals berühmte Theolog Franz Buddcus durch seine eklektische Denkart ihn auf dasStudium der Geschichte der Philosophie aufmerksam machte. B. habilitirte sich und hielteinige Jahre Vorlesungen in Jena; 1729 kehrte er in seine Heimat zurück und wurde 1721Rector der Schule und Adjunct des Ministeriums in Kaufbeucrn. Schon vorher hatte er sichvornehmlich durchseine „Historia plli>n8opliicas ckoctriimc de üleis" (Augsb. 1723) vor-teilhaft bekannt gemacht, auch jetzt verhinderten ihn seine Amtsgeschäfte nicht in der Fort-setzung seiner Studien über die Geschichte der Philosophie. Das „Olüini Vinilelicum seumeletemstum kistoriae pliilo8opllicse triga" (Augsb. 1729) verschaffte ihm 1731 die Ehre,als Mitglied in die berliner Akademie ausgenommen zu werden. Bald darauf erschienen seine„Kurzen Fragen aus der philosophischen Historie" (7 Bde., Lpz. 1731—36), endlich, nach-dem er unterdessen als Diakonus und Hospitalprediger mehr Muße erlangt hatte, seine große„Umtoria critica pt>il(-8o^l>iso a mundi incui>gl>ul>8 sil nostram us^iie aetatem clecliicta"(5 Bde., Lpz. 1712— 11 , 1 .) neue Aust., 1766, mit einem Appendix von 1767) und derAuszug daraus, die „Institutionen distoriae pllilo8opllick>e" (Lpz. 1717), die mehrmalsgedruckt, auch ins Englische übersetzt wurden (von Enfield, 2 Bde., Lond. 1791,1.). Trotzvieler Mängel, die weniger dem Verfasser als der damaligen philosophischen Bildung über-haupt zur Last fallen, ist dieses größere Werk ein Zeugniß großen Fleißes und gründlicherGelehrsamkeit, welches für die Geschichte der Philosophie eigentlich erst die Bahn brach undnoch jetzt in vieler Hinsicht brauchbar ist. Außerdem gab B. noch einen „Bildersaal berühm-ter Schriftsteller" (19 Decaden, Augsb. 1711 —55, Fol.) und den „Ehrentempel der deut-schen Gelehrsamkeit" (5 Decaden, Augsb. 1717—19,1.) heraus. Mehre seiner einzeln er-schienenen Abhandlungen sammelte er in den „Mscellsnea Iu8tormo pbilo8opdicae, litera-rise, criticae" (Augsb. 1718). Er wurde 1711 als Pastor zum heil. Kreuz in seine Vater-stadt zurückberufcn und starb, nachdem er 1757 Senior daselbst geworden, am26.Nov. 177V.
Brüder des gemeinsamen Lebens oder Brüder vom guten Willen, auchHieronymianer oder Ereg orianer nach Hieronymus und Gregor dem Großen, diesie als Patrone betrachteten, hieß eine geistliche Brüderschaft, welche von Geert Groote, gcbzu Deventer 1319, gest. dasglbst 1381, und Florentius Radewin oder Nadewynzoon, gcb1359 zu Lecrdam in Südholland, gest. 1199 in Deventer, um 1376 gestiftet wurde. Indiese Vereinigung, welche eine Nachahmung der ersten Christengemeinden und ein Vorbildder später in der evangelischen Kirche entstandenen Brüdergemeinde (s. d.) war, wur-den Männer, die fromme, sittliche und geistliche Übung suchten, ohne Unterschied des Altersund Standes ausgenommen. Sie lebten in Gemeinschaft der Güter auf klösterliche Weise,ohne durch ein Gelübde gebunden zu sein, übten eine strenge Ascese, beschäftigten sich mitArbeit, besonders mit Abschreiben von Büchern, mit Gebet und Erziehung der Jugend, tra-ten vielen Misbräuchen in der damaligen Kirche entgegen und wirkten unablässig für denGebrauch der Muttersprache in religiösen und kirchlichen Din gen. Trotz der geh ässigen Feind-schaft, welche sie von den Bettelmönchen erdulden mußten, wurde ihre Vereinigung vonmehren Päpsten, auch von dem Concilium zu Kostnitz anerkannt und bestätigt. Die Anzahlihrer Brüderhäuser mehrte sich vorzüglich in den Niederlanden und ganz Norddeusich-land, aber auch in Italien, Sicilien, Portugal so, daß 1139 deren schon 15, 39 Jahre spä-ter aber mehr als 139 gezählt wurden. Das letzte entstand > 595 zu Cambray. Später tra-ten viele der Brüder der Reformation bei, andere ihrer Stiftungen nahmen die Jesui-ten in Besitz. Für den Unterricht ist die Wirksamkeit der Brüder des gemeinsamen Lebens