Druckschrift 
2 (1845) Balde bis Buchhandel
Entstehung
Seite
698
Einzelbild herunterladen
 

lM Browne (Müxim. Ulysses, Reichsgraf von)

um unter ihm in dem gegen Dänemark beschlvssencn'Kriegc zu commandiren. B. erkühntesich, dem Kaiser zu sagen, daß dieser Krieg ebenso ungerecht als unpolitisch sei, woraufihm dieser befahl, seine Würde nicderzulegcn und das Reich zu verlassen. Doch noch che B.abgcrcist war, ließ ihn der Kaiser rufen und bestätigte ihn nicht nur in seinen Würden, son-dern ernannte ihn überdies zum Gouverneur von Licfland, wo er 30 Jahre blieb und vielenützliche Anstalten traf. Durch Joseph l!. ward er 177!) zum deutschen Ncichsgrafen erho-ben. Einige Jahre vor seinem Tode fodcrte er Alters wegen von Katharina II. seinen Ab-schied, allein sie gab ihm die Antwort: „Herr Graf, nichts kann uns trennen als der Tod."Er starb zu Riga am 18. Sept. 1792, nachdem er 20 Jahre zuvor sich schon seinen Sarghatte machen lassen, den er öfters besah, sowie er sich auch jährlich sein Testament vorlesen ließ.

Browne (Maxim. Ulysses, Neichsgraf von), östr. Gencral-Feldmarschall, ein Ver-wandter des Vorigen, war zu Basel am 23. Oct. 1705 geboren. Sein Vater hatte als An-hänger des Königs Jakob's II. sein Vaterland verlassen müssen und kaiserliche Kriegsdienstegenommen, in denen er, nachdem er 1716 in den Reichsgrafcnstand erhoben worden war,1721 starb. B. trat ebenfalls in östr. Dienste, nahm zuerst 1734 an dem ital. Feldzuge ge-gen die Franzosen und Sardinier Thcil, machte dann 1737—39 die drei Feldzüge gegendie Türken mit und wurde, da er sich stets rühmlich ausgezeichnet hatte, zum Feldmarschall-Licutenant und Beisitzer des Hofkricgsraths ernannt. Beim Einbrüche Fricdrich's II. inSchlesien gegen Ende des I. 1740 stellte man ihn diesem zuerst entgegen; zwar mußte ervor dessen Übermacht zurückweichcn, doch vereinigte er sich hierauf mit dem indeß herange-komnicnen Feldmarschall Neipperg, führte in der Schlacht bei Molwitz am 10. Apr. >741den rechten Flügel, mit welchem er den Preußen am längsten Stand hielt, und leitete end-lich, als ältester Fcldmarschall-Licutcnant, in der Schlacht bei Chotusitz unweit Czaslau am17. Mai 1742 den Oberbefehl. Während des östr. Erbfolgckriegs war er zuvörderst inBöhmen und Baiern unter Khcvenhüller bald da bald dort militairisch beschäftigt und hattean der Vertreibung der Franzosen aus Baiern großen Antheil. Hierauf diente er unterdem Fürsten von Lobkowitz in Italien, wo er namentlich den glücklichen Angriff von Veletriam 11. Aug. 1744 ausführte, und wurde sodann wieder nach Baiern und von da nach demRhein geschickt. Im I. 1746 ging er von neuem mit einem Heere von 30000 M. nachItalien, wo er gleich anfangs sehr glücklich agirte. Er trug namentlich sehr viel zum Siegeüber die vereinigte franz. und span. Armee in der blutigen Schlacht bei„Piacenza bei, er-oberte die berüchtigten Engpässe der Bocchetta, worauf sich Genua den Ostrcichcrn unter-werfen mußte, das jedoch hernach in seiner Abwesenheit wieder verloren ging, und war be-reits im Begriff, Genua aufs neue cinzunehmen, als die Nachricht von den aachcner Frie-denspräliminarien cintraf. Zur Belohnung seiner Verdienste wurde er 1749 zum Gouver-neur von Siebenbürgen ernannt; zwei Jahre darauf erhielt er das Generalcommando inBöhmen und 17 54 die Feldmarschallswürdc. Als Friedrich II. 1756 den Krieg aufs neuebegann, fehlte es freilich der kaiserlichen Ar-mee zur Eröffnung eines Feldzugs an Geschütz,Pferden und andern Bedürfnissen, da man zu Wien ungeachtet aller Vorstellungen B.'sden Angriff des Königs für unmöglich gehalten hatte. Mil gewohntem Eifer betrieb indesB. die nüthigcn Vorkehrungen, sodaß er sehr bald dem König entgcgentretcn konnte. Zwarverlor er die Schlacht bei Lowositz am I.Oct. 1756, doch kostete den Preußen dieser Siegviel Leute. Trotz des erlittenen Unfalls drang er sieben Tage spater gegen Sachsen vor, umdie zwischen Pirna und dem Königstein cingeschloffene sachs. Armee zu befreien. Obschon erseine Absicht nicht erreichte, so zwang er doch die Preußen, Böhmen zu verlassen. NachWien zur Theilnahme an den Bcrathungen des Hofkricgsraths berufen, stimmte er für Er-greifung der Offensive und rieth, Friedrich II. in Sachsen anzugreifen, aber weder hier nochspäter, als er dem Entschlüsse des Herzogs Karl von Lothringen, ein festes Lager bei Pragzu beziehen, lebhaft widersprach, ward er gehört. So kam cs am 6. Mai >757 zur un-glücklichen Schlacht bei Prag. B. war unter den Feldherren zuerst auf seinem Posten, wen-dete durch rasch getroffene Anordnungen die von den Preußen versuchte Überflügelung abund schlug ihren ersten Angriff unter Schwerin mit großer Tapferkeit zurück. Bei dieserGelegenheit erhielt er jedoch am linken Schenkel eine schwere Verwundung, in Folge deren