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Hauptsätze folgende sind: Das Leben erhält sich nur durch Erregung; diese kann bald zu stark,bald zu schwach, bald eine Surexcitation, bald eine Adynamie sein, doch ist jene bciwcitcmhäufiger als diese. Diese Zustände reflcctiren sich aber ursprünglich immer nur in einem be-stimmten Organe des Körpers, von welchem aus die übrigen Organe und Systeme durch Syn>pathien mit afsicirt werden können. Allgemeine Krankheiten ohne primaire Organcnlcide»,die sogenannten essentiellen Fieber, Dyskrasicn u. s. w., sind Undinge, und die Arzte, welcheseit Hippokrates dergleichen angenommen haben, Onkologisten. Am häufigsten unter allenOrganen sind der Magen und Darmkanal der Ncizung ausgesetzt, und daher die Magen-Darmentzündung, mit ihren Sympathien, namentlich im Herzen und Gehirn, die Basis derPathologie. Zwei Gri'mde waren es namentlich, welche der raschen Verbreitung dieser Lehre,die ein theilweises Gemisch von Brown'schen und Bichat'schcn Ansichten darstellt, Vorschubleisteten, ihr Zusammentreffen nämlich mit dem Hervortreten des rcinentzündlichcn Geniusder Krankheiten seit dem I. 1811 , für welchen die Curregeln der B.'schen Lehre nothwcn-dig die geeignetsten waren, und sodann die Einfachheit der von V- gelehrten Curmethvde.Seiner Lehre von der Magen-Darmentzündung ganz consequent, mußte er namentlichörtliche Blutentziehungen, durch zahlreiche Blutegel auf den Unterleib applicirt, als Univcr-salmittel am Krankenbette empfehlen. Vergebens bestrebten sich ruhigere Praktiker, dasThörichte zu beweisen, das in dem Erheben des B.'schen Cardinalsatzes zu einem Grund-pfeiler der Heilkunst lag, und die schädlichen Folgen des Misbrauchs der B.'schen Curmethodeaufzudccken; das Publicum, welches so gern nack dem ärztlich Neuen hascht, bevorzugte dieBroussaisisten mit seinem Vertrauen. Erst als allmälig die herrschende Krankheitscon-stitukion ihren Charakter vom entzündlichen zum gastrisch-katarrhalischen, gastrisch-nervösenänderte und die früher in der Mehrzahl heilsamen, ja nothwcndigen Blutentziehungen jeweniger und weniger von den Kranken vertragen wurden, auch die Sache aufgehört hatte,etwas Neues zu sein, da sank der Broussaisismus mehr und mehr von seiner Höhe, ohne in-dessen ganz um seinen Credit zu kommen. So wenig auch B.'s Lehre in ihrem ganzen Um-fang vor dem Nichterstuhl der Kritik zu bestehen vermag, so hat sie doch unverkennbar aufden Gang der Ausbildung der Medicin im Allgemeinen einen wohlthätigen Einfluß in mehrals einer Hinsicht ausgcübt, indem sie nämlich ein sorgfältiges Studium der pathologischenAnatomie, der physiologischen und pathologischen Sympathien und eine sorgfältigere Be-obachtung des Verlaufs und der Systeme, besonders der sogenannten specifischen Krankheits-proceffe, deren Vorhandensein B. und seine Schüler leugneten, hervorgerufen hat. Dahermag es denn auch gekommen sein, daß B.'s Lehren, wenn sic auch im Auslande überhauptund namentlich in Deutschland niemals allgemeine Geltung erlangt haben, doch auch hierin mancherlei Einzelheiten angenommen worden sind und ganz neuerlich von den Vertre-tern der physiologischen Heilkunde empfohlen werden, wie denn auch B. sein System I-u »>e-ckecine plstsioloAicjiie nannte. Vgl. Montegre, „k^utice bistorchuo sur In vie, les truvuux,les oziillions tle i;." (Par. 1839), Casper, „Charakteristik der franz. Medicin" (Lpz. 1822),Conradi, „Kritik der Vorlesungen B.'s über die gastrischen Entzündungen" (Hcidelb. 1821)und Spitta, „l^ovue cioctriiiuc ;>utbolo^icüe anctnre l). e;,itome" (Gött. 1822). — SeinSohn, Casimir B., geb. 1803 zu Saint-Servan in Ille et Vilaine, seit 1833 Arzt undProfessor am Val-de-Grace, zeigte sich als eifrigen Schüler seines Vaters, dessen Lehren c>noch jetzt vertheidigt.
Broussonet (Pierre Marie Auguste), franz. Arzt und Naturforscher, geb. zu Mont-pellier am 28. Febr. 1761, promovirte in einem Alter von noch nicht 18 Jahren mit seinerAbhandlung „Varise tbsses circa resziirationem" und studirte hierauf zu Paris Naturge-schichte, namentlich Zoologie, welche er zuerst in Frankreich in der während seines Aufent-halts in London herausgegebenen „Icbtk)-ol»j;me elecas l." (Land. 17 82) nach dem Linnc"-schen Systeme cintheilte. Nach seiner Rückkehr nach Paris ließ ihn Daubenton, obgleich einGegner Linne's, zu seinem Stellvertreter am (lcdlegc de krsnce und 1781 zu seinem Ge-hüsten in der Thierarzneischule ernennen; auch wurde er Mitglied der Akademie. Diepariser Ackerbaugesellschaft, deren Secretair er seit >787 war, bekam durch ihn einen neue»Aufschwung. Außer den Arbeiten für diese Gesellschaft gab er das für den Landmann so nütz-liche „I-'-uinee rurale ou caleuckrier ä l'usa^e des cultivateiirü" (2 Bdc., Par. 1787—88)