Broekhuyzen Broglie (Familie) 683
zu einem neuen volksthümlichen Leben zu erwecken; daher konnte es nicht fehlen, daß er, alsdieser auftrat, einer seiner rüstigsten Vertheidiger war. Durch seine Gedichte, besonders aberdurch seine in Zeitschriften erschienenen Abhandlungen trug er sehr viel zum Siege der neuenromantischen Dichterschule bei. Sehr bald schwang er sich unter die ersten Kritiker Polensauf. Seit Auflösung der Universität lebte er amtlos in Warschau, an einer Brustkrank-heit leidend. Mit Mühe erlangte er endlich die Erlaubniß, zur Herstellung seiner Ge-sundheit sich in die böhmischen Bäder zu begeben; doch kehrte er nicht wieder in die Heimatzurück. Er starb am 10. Oct. 1835 in Dresden, wo seine Landsleute ihm aus seinem Grabeeinen einfachen Denkstein gesetzt haben. Der Hauptgrund seines Todes war der Schmerzüber das Unglück des Vaterlandes, der sich selbst in seinem Antlitz ausprägte. Er war einüberaus sanfter, gefühlvoller Mensch; Vaterlandsliebe und Religion waren die Grund-typen seines Lebens. Viele seiner Gedichte konnten bisher der Zeitverhältnisse wegen nichtveröffentlicht werden; eine Sammlung seiner Schriften hat neuerdings begonnen (Bd. 1—1, Wilna 1842). Auch als Übersetzer des Hiob, der „Leiden des jungen Weither" undserbischer und böhm. Volkslieder war er thätig.
Broekhuyzen (Jan van), gewöhnlich äamis Vrvukkusius genannt, ein bekannterholländ. Dichter und Philolog, geb. am 20. Nov. 1640 zu Amsterdam, stammte aus eineransehnlichen Familie und genoß den Unterricht in der Schule seiner Vaterstadt, wo ein vonihm verfertigtes Gelegenheitsgedicht wegen der reinen Latinität, die er namentlich der Unter-weisung des gelehrten Adrianus Junius verdankte und wegen der schönen Gedankenent-wickelung Aufsehen erregte. B.'s Absicht, sich ganz den Wissenschaften zu widmen, wurdedurch seinen Vormund vereitelt, der ihn für die Apothekerkunst bestimmte, die er jedoch spätermit den vaterländischen Kriegsdiensten vertauschte. Als Capitainlieutenant schiffte er sichunter dem Admiral Ruyter 1674 nach den Westindischen Inseln ein. Auch im Sturmund Ungewitter blieb ihm hier die Poesie getreu. Auf der Höhe der Insel Dominica über-setzte er David's 44. Psalm in lat. Verse und dichtete seinen „Celadon oder das Verlangennach dem Vaterlande". Als er im Herbste desselben Jahres zurück und nach Utrecht kam,knüpfte er mit mehren Gelehrten, besonders mit Grävius, Bekanntschaft an und veran-staltete hier eine Sammlung seiner lat. Gedichte (Utr. 1684; Prachtausgabe, Amst. 1711,4.), die auch in das Holländische übersetzt wurden. Bald nachher ward er als Offizier nachAmsterdam verseht; 1607 erhielt er als Hauptmann seinen Abschied und starb am 15.Dec. 1707. Seine vielseitige gelehrte Bildung bewies er durch die Ausgabe der Gedichtedes Sannazar, noch mehr aber durch die Bearbeitung des Properz (Amst. 17 02; neue Aust.,1726, 4.) und des Tibull (Amst. 1708; 2. Aust., 1727, 4.).
Broglie, eigentlich BrogliooderBroglia,ist eine Piemont. Familie, welche demftanz. Staate mehre im Kriege und der Diplomatik ausgezeichnete Männer geliefert hat. —Frans. Marie, Herzog vonB., Marschall von Frankreich, geb. zu Paris am II.Jan. 1671, nahm seit 1680 an allen Feldzügen in den Niederlanden, in Deutschland undItalien ruhmvollenAntheil, wurde vielfach in diplomatischen Geschäften gebraucht und stiegdurch alle Grade 1734 zum Marschall auf. Im östr. Erbfolgekriege hatte er zuletzt denOberbefehl über die Armeen von Baiern und Böhmen, zog sich aber dadurch, daß er dasHeer aus die ftanz. Grenzen zurückführte, die Unzufriedenheit des Hofes zu. Er starb am22. Mai 1745. — Sein ältester Sohn, Victor Franc., Herzog vonB., ebenfallsMarschall von Frankreich, geb. am 10. Oct. 1718, begann in der Schlacht von Guastallaund Parma 1734 seine militairische Laufbahn, auf der er aber bei allem seinen Muthe nichtimmer glücklich war. Im Siebenjährigen Kriege kämpfte er unter d'Estre'es bei Hastenbeckund unter Soubise bciRoßbach. Als Oberbefehlshaber war er um so glücklicher bei Bergen.Zur Belohnung für den hier erfochtenen Sieg ward er zum deutschen Reichsfürsten ernannt.Mishelligkeiten zwischen ihm und dem von der Pompadour begünstigten Soubise vcranlaßtenaber seine Zurückberufung und die Verweisung vom Hofe. Beim Ausbruche der Revolutionernannte ihn Ludwig XVI. 1780 zum Kriegsminister. Er befehligte die Truppen, welcheParis im Zaum halten sollten; als jedoch der Abfall derselben alle seine beabsichtigten Maß-regeln vereitelte, wandcrte er aus. In dem Feldzuge von 1702 stand er an der Spitze einerAbtheilung Ausgewanderter, und 1794 errichtete er ein Corps im engl. Dienste. Nach der