682 Bröder Brodziniki
kam ein ausdruckvollcs Gesicht, ein sprechendes feuriges Auge, ein sonores und außerordent- §
lich biegsames Organ zu Hülfe. Er stand an hinreißendem Feuer Fleck, an Gewalt der Lei- j
denschaft Schröder nach; aber er übertraf namentlich jenen durch ein bis in die leisesten j
Nuancen durchdachtes Spiel, diesen durch den liebenswürdigen Ausdruck zarter, sich ein- ,
schmeichelnder Empfindung. Die Eigenschaften der Eckhof-Schröder'schen Epoche, Wahr- ,
heit und Natürlichkeit, fanden in ihm ihren vollendeten Repräsentanten, und nichts konnte >
ehrenvoller für ihn sein, als Jffland's Ausspruch, daß er die personificirte Wahrheit sei. Keine j
Ausgabe war ihm zu hoch, keine Nolle zu schwierig, aber auch die scheinbare und weichlichste ;
wuchs mir ihm und gewann in seiner Darstellung eine nie geahnte Bedeutung. , ,
Bröder (Christian Gottlob), Verfasser der bekannten lat. Grammatik, wurde 174t l
zu Harthau bei Bischofswerda geboren und war anfangs Diakonus in Dessau, zuletzt Pa- j
stör und Superintendent zu Beuchte im Hildesheimischen, wo er am l 4. Febr. l 819 starb. <
Ein großes Verdienst erwarb er sich um die gründliche Erlernung der lat. Sprache durch z
seine Grammatiken und Lehrbücher, die wegen ihrer wahrhaft praktischen Richtung undtrefflichen Beispielsammlung fast ein halbes Jahrhundert lang beim Unterrichte in dieser sSprache mit dem besten Erfolge angewendet wurden und ziemlich als einzig sichere Normdienten. Namentlich scheint auch F. A. Wolfs Empfehlung für die überaus schnelle und l
weite Verbreitung dieser Lehrbücher viel beigetragen zu haben. Zuerst gab B. die „Prak- <
tische Grammatik der lat. Sprache" (Lpz. 1787; 18. Aufl., 1828) und später die „Kleine j
lat. Grammatik mit leichten Lectionen für Anfänger" (Lpz. 1795; 26. Aufl. vonL.Nams- >
Horn, 1835) heraus, nebst einem „Wörterbuche" dazu (22. Aufl., Lpz. 1835). Nächstdcm >
schrieb er ein „Elementarisches Lesebuch der lat. Sprache" (Hannov. 1806; 9. Aufl., 1829), j
dann „Die völlige Gleichheit der griech. und lat. Sprache in der Rangordnung oder Stel- ,
lung der Wörter" (Halberst. 18 l 3; 2. Aufl., 1822) und „Die entdeckte Rangordnung durch ,
eine Regel bestimmt" (Lpz. 1815; 2. Aufl., 1817), welche beide letztere Schriften aber nicht ,
so günstig ausgenommen wurden. ! s
Brody, eine sehr wichtige, freie Handelsstadt im Kreise Zloczow des östr. Königreichs ,
Galizien, unfern der russ. Grenze des ehemaligen Volhyniens, in einer waldumgrcnzten >
Ebene, ist der Sitz einer kaiserlich-königlichen Kammer, eines Haüptzollamts, eines Handels- s
und Wechselgerichts und hat fünf Vorstädte, mehre Marktplätze, wie den Ring- oder Alt- ,
markt, den Schloß- und Ncumarkt, ein herrschaftliches Schloß mit Garten, das dem Gra- l
fen Potocki gehört, eine katholische und zwei griech. Hauptkirchen, drei Synagogen, eine jü- <
dische Realschule, eine katholische Haupt- und Mädchenschule und ein reiches Hospital. Sie !
zählt 26000 E, darunter 22NVV Juden, im Übrigen Polen, Deutsche und Beamte und istdie erste Handelsstadt des Königreichs und nächst Lemberg auch die bevölkertste. B. ist dergroße Tauschhof zwischen den östr. Staaten und dem russ. Reiche, ja man kann sagen, zwi- s
schen dem Occident und Orient. Vierzig Großhandlungen und mehr als 290 kleinere Kauf- j
leute, fast insgesammt in jüdischen Händen, betreiben die großartigsten Geschäfte in Schlacht- j
Vieh, Pferden, Wachs, Honig, Talg, Häuten, Pelzwerk, Ungar-, Rhein- und franz. Weinen, j
Anis, eingemachtem Obst, Seide, Glas, Porzellan und Salz. Außerdem gibt es daselbst !
Gerbereien und Leinwebereien. j
Brodzinfki (Kazimierz), einer der vorzüglichsten poln. Dichter der neuern Zeit, warzu Krolowko in der ehemaligen Starostei Lipna 1791 geboren. Zur Zeit des Herzogthums <
Warschau trat er 1899 zu Krakau in die Reihen der vaterländischen Streiter und ward !
Unteroffizier bei der Artillerie. Schon damals ließ er seine ersten Gedichte, „Uieni-r n-iejskie" ,
(Krak. 1811), erscheinen, die zuerst wieder darauf hinwiesen, daß eine reiche Quelle für die j
Poesie aus dem Leben des poln. Landvolks zu schöpfen sei, und in denen der volksthümliche i
Ton und Charakter trefflich wiedergegeben waren. Nachdem er eine Zeit lang in Warschau -
und Modlin gestanden hatte, zog er > 812 mit den Franzosen gegen Rußland. Mit den Re- !
sten des poln. Heers kam er >813 als Artillerieoffizier nach Krakau zurück und folgte dann ,
dem Zuge durch Ostreich und Sachsen. In der Schlacht bei Leipzig gefangen genommen, ,
wurde er auf sein Ehrenwort entlassen und lebte nun ein Jahr in Krakau. Dann begab er !
sich nach Warschau, wo er Professor der Ästhetik an der Universität wurde. Schon vor Mi- i
ckiewicz hatte er versucht, die in Nachahmung ausländischer Muster erschlaffte poln. Poesie !