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2 (1845) Balde bis Buchhandel
Entstehung
Seite
681
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Brockes Brockmann 681

sicht; man überschaut eine Gegend von 17 M. im Umkreise und erblickt durch Fernröhreda- Zifferblatt am Dome zu Magdeburg. Aus dem höchsten Gipfel hat der Graf vonStolberg-Wernigerode im 1.1800 an die Stelle des kleinen unbequemen Hauses auf derHeinrichshöhe ein großes einstöckiges Gebäude aufführen lassen, welches den Fremden alleBequemlichkeiten bietet, ununterbrochen von einem Kastellan bewohnt wird und vor demgegenwärtig ein hölzerner Thurm errichtet ist, zum bequemern und bessern Genuß der Aus-sicht. Die Zahl der Brockenbesucher beläuft sich jetzt jährlich auf 2000—2500.

Brockes (Barthold Heinr.), seiner Zeit ein gefeierter Dichter, gcb. am 22. Sept.1880 zu Hamburg, der Sohn eines Kaufmanns, studirte zu Halle die Rechte und bereistesodann Italien, die franz. Schweiz und Holland. Nach seiner Rückkehr wurde er 1720 indas Rathscollegium seiner Vaterstadt ausgenommen, zu mehren wichtigen Sendungen undÄmtern gebraucht und erhielt, seiner geschickten Geschäftsführung wegen, 1735 die Amt-mannsstelle in Ritzcbüttel. Zuletzt Befehlshaber des Bürgermilitairs, Protoscholarch undkaiserlicher Pfalzgraf, starb er zu Hamburg am 16. Jan. 1747. Sein „Irdisches Vergnü-gen in Gott" (!>Bde.,Hamb. 1721—38) enthält eine Sammlung religiöser Naturbctrach-tungen in selbständigen Gedichten, die, für ihre Zeit von Bedeutung, selbst von Geßner undWieland der Benutzung nicht unwerth gehalten und von den Kritikern der damaligen Zeitals Muster in ihrer Gattung empfohlen wurden. Der Naturbetrachtung, welche sich mehrin äußerer, besonders in spielender oft kindischer Wortmalerei gefällt, folgt bei ihm stets einemoralische Nutzanwendung oder breite religiöse Betrachtung. Doch besaß er eine erstaun-liche Reimfertigkcit, und obgleich seine Gedichte jetzt veraltet sind, überraschen sie doch imGanzen durch Reinheit des Ausdrucks und einzelne gelungene Naturschilderungen. Auchschrieb er ein Passionsoratorium „Der für die Sünde der Welt gemarterte sterbende Jesus"(Hamb. >712), das von mehren berühmten Componisten der damaligen Zeit in Musik ge-setzt und bis 1727 mehr als 30 mal neu aufgelegt wurde. Als Übersetzer, besonders vonThomson's „Jahreszeiten", der ihm vielfach als Muster vorschwcbten, während er anderer-seits ebenso oft die damals verweichlichten ital. Dichter nachahmte, war er nicht unverdienstlich.

Brockmamr (Joh. Franz Hieronymus), unter den deutschen Schauspielern einer derberühmtesten, geb. am 30. Sept. 1735 zu Grätz in Steiermark, wurde von seinem Vater,welcher Zinngießer war, zunächst zu einem Barbier in die Lehre gegeben. Um die Welt zusehen, entfernte er sich indeß sehr bald heimlich von seinem Lchrherrn und wurde Bedientereines Offiziers, dem er, schlechter Behandlung wegen, ebenso schnell entlief wie den Mön-chen, die ihn aufgefangcn und für das Kloster bestimmt hatten. Bei einer Seiltänzcrtruppe,welche auch kleine Schauspiele gab, betrat er zuerst 1760 zu Laibach die Bühne, kehrte je-doch dann wieder in das väterliche Haus zurück, wo er sich nachher abermals von einer her-umziehcnden Schauspielcrtruppe anwerben ließ, mit der er mehre Jahre lang in den östr.Staaten umhcrzog. Im I. 1765 heirathete er die Tochter der Dircctricc, Maria TheresiaBodenburg, dcbutirte 1768 bei der Kurz'schen Gesellschaft als Crispin, während sie die Co-lombine gab, und kam nach mancherlei Kreuz- undQuerzügcn 1771 nach Hamburg, wo-hin ihn Schröder gezogen hatte. Obgleich er anfangs nicht recht gefallen wollte, bildete ersich doch unter Schröder's Leitung zu einem solchen Grade von Vollendung aus, daß ermit Lekain und von Engländern sogar mit Garrick verglichen werden konnte. Besondersbegründete er seinen Ruf als Hamlet in Shakspeare's Stück gleiches Namens, welches1776 in der Schröder'schcn Bearbeitung zuerst in Hamburg zur Aufführung kam. ImI. 1778 mit dem für damals bedeutenden Gehalt von 2000 Fl. von Joseph II. nach Wienberufen, wollte er auch hier anfangs nicht gefallen; doch traten die Cabalen vor seinemmächtigen Talente sehr bald zurück; er wurde der Liebling des Publicums, was er bis zuseinem Ende blieb. Vor seinem Abgänge nach Wien trat er zu Anfang des 1.1778 alsGast in Berlin auf, wo ihm die in den Theaterannalen bis dahin unerhörte Ehre widerfuhr,nach der Darstellung des Hamlet hervorgerusen zu werden. Von 1789—91 war er Direc-tor der wiener Hofbühne; zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts trat er in das Fach derVäter, sowol der komischen als tragischen, über, die er mit gleicher Vollendung gab, undstarb zu Wien am 12. Apr. 1812. In seiner Glanzzeit war er nächst oder neben Fleck dererste Heldenliebhabcr- und Charakrerspielcr Deutschlands. Seinem ausgezeichneten Talent«.