Druckschrift 
2 (1845) Balde bis Buchhandel
Entstehung
Seite
679
Einzelbild herunterladen
 

Britannicus (Cäsar)

Brocchi

679

und kleinen Orten in der röm. Provinz bestanden, vervollkommnctcn sic sich bald in denKünsten des Friedens, und auch das Christenthum verbreitete sich früh, schon zu Ende des2. Jahrh. in B.; die Verfolgungen Diocletian's trafen auch die brit. Christen und auf demersten Concilium, das unter Konstantin dem Großen 4 ll zu Arles gehalten wurde, erschie-nen die drei brit. Bischöfe von Aork, London und Lincoln.

Britannicus Cäsar (Tiberius Claudius Germanicus), der Sohn des KaisersClaudius und der Messalina, wurde wenigf Tage nach des Vaters Regierungsantritte ge-boren. Als erstgeborener Sohn war er der rechtmäßige Thronerbe; allein Claudius, vonseiner zweiten Gemahlin, der herrschsüchtigen Agrippina, überredet, nahm ihren Sohn ersterEhe, Dvmitius Nero, an Kindesstatt an und erklärte diesen, da er drei Jahre älter war alsB., zu seinem Thronfolger, worin der feile Senat zustimmte. Agrippina aber suchte dessen-ungeachtet, unter dem Vorwände mütterlicher Zärtlichkeit, B. in möglichster Unmündigkeitzu erhalten. Sie gab ihm nur Diener, die ihr ergeben waren, ließ seinen treuen Lehrer So-sibius ermorden, erlaubte ihm nicht, außerhalb des Palastes zu erscheinen, ja sie wußte sogarihn seinem Vater zu entfremden, indem sie diesen überredete, daß B. blödsinnig und epileptischsei. Der alte schwache Kaiser gab zwar zu verstehen, daß er Agrippina's Ränke durchschaue;aber sein durch sie bewirkter Tod hinderte ihn, den begangenen Fehler wieder gut zu machen.Nero ward zum Kaiser ausgerufen, und B- blieb fortwährend unter strenger Verwahrung.Als Agrippina später sich mit Nero selbst veruneinigte und ihm drohte, statt seiner B. aufden Thron zu setzen, ließ Nero denselben 56 n. Chr. vergiften.

Britiniäner nannte sich eine besondere Congregation der Augustinermönche nachihrem ersten Wohnsitze, Britin, in der Mark Ancona. Sie hatten eine sehr strenge Lebensart,und ihre Kleidung bestand in einer grauen Kutte, jedoch ohne Gürtel, wodurch sie sich von denMinoriten unterschieden. Auch sie traten der 1256 von Alexander IV. zu Stande gebrach-ten allgemeinen Vereinigung der verschiedenen Kongregationen der Augustinermönche bei.

Briren, 'eine von Bergen rings umschlossene Stadt und starke Festung in der Lstr.Grafschaft Tirol, am Einflüsse der Rienz in die Eisack, ist der Sitz eines Bischofs und hatmehre Klöster, ein Stift vom Orden der Englischen Fräulein, einen Don, mit einem Capitel,ein Gymnasium und ein Taubstummeninstitut. Sie zählt 6566 E-, welche sich von dem leb-haften Verkehre auf der hier durchführenden Hauptstraße von Deutschland über den Bren-nerpaß nach Italien nähren, einige Fabriken unterhalten und mit Eiscnwaarcn, Wein undTaback handeln. Die Umgegend ist freundlich und das Klima mild. Nicht weit vonB. liegtdas durch seine Eisen- und Stahlfabriken berühmte Fulpmcs, dessen Handel bis nach Ame-rika reicht. In B. wurde im 1.1668 ein Concil gehalten und auf diesem Clemens lll. zumPapst gewählt. Im 12.Jahrh. gehörte cs zur Partei der Guelfen; seine Einwohner verwü-steten das Gebiet der kaiserlichgesinnten Stadt Crcmona, mußten aber nach der EroberungMailands durch Friedrich I. des Kaisers Gnade nachsuchen und demselben huldigen. Dashier schon im - 1 . Jahrh. von St.-Cumanus gestiftete Biskhum war theilweise reichsunmittel-bar, theilweise von Ostreich abhängig, wurde aber seit dem luneviller Frieden gänzlich demöstr. Kaiserhause unterthan. Die Stadt wurde 1865 an Baiern abgetreten, 1816 aber anOstreich zurückgegeben. Im I. 1838 wurde sie, um die tiroler Hauptstraße und den Bren-ncrpaß, sowie die übrigen Pässe Tirols gegen einen Angriff von Italien aus zu schützen,durch Maximilianische Thürme befestigt.

Brvcat (franz. brncart) heißen alle Gold- und Silberstoffe, sowie reich mit Goldund Silber durchwebte Seidenzeuge. Die schönsten Arbeiten dieser Art werden in Lyongefertigt. Ein ähnliches Zeug geringerer Sorte, in welches Wolle eingewebt ist, heißt Bro-catello. Der Handel mit solchen Artikeln nach dem Orient ist noch immer sehr beträchtlich.

Brocchi (Giovanni Battista), berühmter Naturhistorikcr und Reisender, aus alteradeliger Familie, geb. zu Bassano am 18. Febr. 1772, sollte eigentlich in Padua die Rechtestudiren, fand aber mehr Wohlgefallen an dem Mineraliencabinet, dem botanischen Gartenund der Bibliothek als an den juridischen Vorlesungen. Daher ging er auch, statt zu pro-moviren, nach Rom und dann nach Venedig, wo er als eine Frucht seiner Studien in denröm. Museen die Abhandlung „8»IIa structnru (I7S2) herausgab. Er befreun-

dete sich mit Lanzi, ordnete das Mineraliencabinet des Patriziers Ascanio Molia und bald