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2 (1845) Balde bis Buchhandel
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Bretschneider (Heinr. Gottfr.)

leicht, originell und mit nationaler Selbständigkeit bewegt. Zeichnen sich auch seine Lustspielemehr durch gelungene Ausführung und brillantes Detail als durch Originalität der Ersin-düng und Rcichthum der Composition aus, so sind sie doch fast alle von der ersten bis zurletzten Scene unterhaltend; auch hat er in seinen neuesten Dramen sich vom franz.-classischmEinflüsse freier zu erhalten und mit Glück den großen Mustern der alten Nationalbühne an-zuschlicßen gewußt. Proben aus seinen lyrischen und satirischen Gedichten enthält Wolfs„Lloresta «1e rima« moüernas castillanus" (Bd. 2).

Bretschneider (Heinr. Gottfr.), ein durch sein unstetes Leben, seine Freimüthigkeitundsatirische Schriften merkwürdiger Mann, geb. am 6. Mär; 1739 zu Gera, wo sein VaterBürgermeister war, kam von dem herrnhutischen Institute zu Ebersdorf, wo er durch-Hungerstehlen, durch aufgezwungene Andächtelei an Allem zweifeln lernte, auf das Gymnasium za ^Gera. Nachher Cornet, später Rittmeister bei einem preuß. Frcicorps, gerieth er in Gefangen-schaft und blieb, seinen Studien überlassen, bis 1763 in einer franz. Festung. Auf Empfeh-lung des Reichshofraths von Moser wurde crLandcshauptmann in Nassau-Usingen, legte aber,als Einschränkungen in den Finanzen ihm diese Stelle verkümmerten, dieselbe nieder und unter-nahm nun bis l 7 7 3 abenteuerliche Reisen nach Frankreich, Holland und England. In Mainzdurch den holländ. Gesandten mit dem Aufträge beehrt, die Herzogin von Northumberlandnach dem Continente zu begleiten, begab er sich, von diesem mit Geld versehen, nach London,reiste aber plötzlich nach Versailles ab, wo er vom Grafen Vcrgennes geheime Aufträge unddurch eine von ihm selbst für unecht gehaltene Urkunde Geld erhielt, wodurch er sich in den !Stand gesetzt sah, in Deutschland seine Frau und Kinder wieder aufzusuchen. Die von ihm '1801 verfaßte und in Nicolai's Nachlaß gefundene, später in Blackwood's „Liiinbnr^ii ,-w.- jga-iilie" ins Englische übersetzte Beschreibung dieser Reiseabenteuer gab Göckingk, nebst bio-graphischen Nachrichten unter dem Titel „Reise nach London und Paris, nebst Auszügenaus B.'s Briefen" (Bcrl. 1817) heraus. Nachdem B. einige Zeit unter dem Minister von ^Hohenfeld in Koblenz gearbeitet, fand er eine Anstellung als östr. Vicelandeshauptmann zu !Wersche; im Banat, dann als 1778 das Banat Temeswar dem Königreiche Ungarn einvec-leibt wurde, als Bibliothekar an der Universität zu Ofen, wo er von den Anhängern der ihnwüthend hassenden Jesuiten verfolgt wurde. Gerade hierdurch aber kam er in Bekanntschaftmit Joseph II., der ihm 1782 eine Anstellung bei der Studiencommission zudachte. Da in- !deß sein Umgang mit Nicolai, bei dessen Besuch zu Wien im I. 1781, der nicht ungegnw- ldete Verdacht, daß er die meisten Materialien zu dessen „Reisen" geliefert habe, iyn dm jWienern verhaßt gemacht hatte, so war ihm eine Anstellung an der ncuerrichtetcn Univer-sität zu Lemberg mit dem Charakter eines Gubernialraths sehr gelegen. Kränkelnd und vonJesuitenchikanen verfolgt, wurde er 1809 mit Hofrathscharakter in den Ruhestand versetztund begab sich nach Wien. Von einem Franzosen nach der Schlacht bei Wagram niederge-rannt und dadurch am Arme, nachher durch wiederholten Schlagfluß gänzlich gelähmt, ver-schied er, noch in seinen letzten Stunden in der Phantasie mit seinen Feinden sich herum-hauend, auf dem Gute seines Freundes, des Grafen Wrtby, zu Krzini; bei Pilsen am I.Nov. 18 lv. Meusel veröffentlichte die ihm übergebenen handschriftlichen Aufsätze und denAnfang einer Selbstbiographie B.'s, wie die Mitthcilungen des Sohns desselben, des ösir.Generals von B-, in den „Vermischten Nachrichten und Bemerkungen" (Erl. 1816) und den„Historischen und literarischen Unterhaltüngen" (Kob. 1818) mit vielfachen eigenen Bemer-kungen und Ergänzungen. Unter B.'S frühern Schriften erwähnen wir das komische EpoS„Graf Esau" (1768), „Papilloten" (Franks. 1769) und „Fabeln, Romanzen und Sinngedichte" (1781). Das bedeutendste Verdienst aber erwarb er sich als unerschrockener Bekämpf»alles Unwahren und Unechten, alles Lugs und Trugs in seinen satirischen Schriften, wie inseinem vom Kaiser Joseph veranlaßten „Almanach der Heiligen auf l 7 88, mit Kupfernund Musik, gedruckt in Rom mit Erlaubnis der Obern", worin Pfafferei und MönchS-legenden verspottet und beleuchtet werden, und in „Waller's Leben und Sitten, wahrhaft oderdoch wahrscheinlich beschrieben von ihm selbst" (Berl. 1793), worin er Leben und Sittender damaligen wiener Welt, die Ränke der Rcichshofräthc und ihrer Agenten, das Unwesender dortigen Afterlogen und die Umtriebe der unechten Freimaurerei mit den lebendigstenFarben schilderte. Dasselbe kernige Streben bekunden seine Aufsätze in der „Berliner Mo»