L 18 Baukunst
asiat. Elements, erhielt der Säulenbau bei den griech.-ionischen Völkern. Durch diese Nr-tionalunterschicde entwickelten sich in selbständiger Abgeschlossenheit der dorische und derionisch« Baustil, jener vornehmlich den westlich-griech., dieser den östlich-griech. Gegendenangehörig. Zur lautersten Schönheit aber gediehen beide im eigentlichen Herzen Griechen-lands, in Athen, wo im Zeitalter des Pcriklcs die bewundernswerthcsten Baudenkmale desgesammten Alterthums entstanden. Als eine dritte griech. Bauweise pstegtman die korinthischeanzuführen; doch beruht diese zunächst nur darin, daß an die Stelle des ionischen Capitälsein reicher geschmücktes Capitäl in der Form eines großen Akanthuskclches gesetzt ward; auchgeschah dies bei den Griechen nur in seltnen Fällen. Eine andere Weise des Säulenbaus warbei den Etruskern entstanden; sie scheint sich aber nicht zu einer höhernEntfaltung durch-gebildet zu haben. Daneben hatten die Etrusker gleichzeitig das Gewölbe zur Anwendunggebracht, ohne dasselbe jedoch seinen eigenthümlichen, sehr abweichenden Principien gemäßdurchzubilden. In der später» Zeit ihrer nationalen Blüte wandten sich die Etrusker einerNachahmung der griech. Formen zu. Dasselbe Verhältniß zeigt sich bei den Römern, derenfrühere Cultur sich aus der etruskischen, wie die spätere auf der griech. gründete. In ihrerBaukunst ließen sie Gewölbe- und Säulenbau durcheinander gehen, ohne die heterogenenFormen beider zu einem höher organischen Ganzen zu verschmelzen. Für den Säulenbaubedienten sie sich gern der korinth. Säule und gestalteten ihrer Eigenthümlichkeit gemäß dasGanze zu einer reichern Pracht; auch brachten sie statt des korinth. Capitäls sonst mancher-lei decorative Capitälformen auf. Ihre Baudenkmale zeichnen sich weniger durch ihre Durch-bildung als durch die Großartigkeit der Anlage aus; höchst charaktervoll erscheinen besondersihre dem öffentlichen Nutzen und Vergnügen gewidmeten Bauten, wie die Märkte, dieBasiliken, die Thermen, die Theater und Amphitheater, die Triumphbogen, die Brückenu. s. w. Das erste Jahrhundert der Kaiserregierung bezeichnet die Blütezeit der röm. Bau-kunst ; vom Ende des 2. Jahrh. an beginnt ihr Verfall. In den asiatisch-römischen Bau-ten mischt sich von dieser Zeit an den eigentlich klassischen Elementen mancherlei Fremdarti-ges bei, was allmälig die völlige Auflösung jener herbeiführte, zugleich aber auch schon dieKeime zu einer neuen Entfaltung in sich trug.
Eine wesentlich neue Entwickelung der Baukunst begann von jener Zeit an, in welcherdas Christenthum öffentliche Geltung erhielt und neue, jugendlichkräftige Nationen auf denSchauplatz der Geschichte traten. Für den Anfang waren es freilich nur die entarteten röm.Formen, in denen dieser ncueBeginn sich zeigte. Die christlich-römische Basilika war eine roheNachahmung der antiken Basilika, und doch von vorn herein, was bei dieser wenigstens nicht ingleichem Grade der Fall war, auf die bedeutsamere Wirkung des Innern angelegt. In mehrselbständiger Ausbildung erschien die b y zan tini sche Ba uku nst, welche zuerst darauf aus-ging, die Formen des Gewölbes, im Gegensatz gegen die des antiken Säulenbaus, als höherberechtigte darzustellcn; doch blieb sie bei dem Beginn dieser Bestrebungen stehen; die Ge-staltung des Einzelnen war mehr Nachahmung orientalisirend-antiker Elemente, als daß sieaus dem Organismus des Baus selbst hervorgegangen wäre. Die Zeit Justinian's, unterdem die Sophienkirche in Konstantinopel erbaut'wurde, bezeichnete die Blütenepoche diesesStils; doch blieb der byzantin. Baustil im östlichen Reiche unverändert, und auch die russ.Baukunst ist noch eine, zum Theil zwar sehr phantastische Abart desselben. In den Länderndes europ. Occidents fand der byzant. Baustil ebenfalls Eingang, aber nur in beschränktemMaße; hier herrschte im Ganzen der röm.-christliche Basilikenstil vor, der von Italien ausauch nach allen übrigen Ländern umhergetragen wurde und bis in das Zeitalter Karl desGroßen und darüber hinaus gültig blieb. Gleichzeitig mit dieser Periode der alt-christlichenBauweise hatte auch die Baukunst der Araber ihren Ursprung genommen. Sie beruhte aufeiner ähnlichen Auffassung antiker Elemente, zum Theil unter unmittelbarem Einfluß desröm.-christlichen Basilikenbaus und des byzantin. Baustils, womit sodann jedoch mancherleioriental. Formen, namentlich der Hufeisenboge» und der Spitzbogen, verschmolzen wurden.Sie hatte verschiedenartige Weisen der Gestaltung je nach den Ländern, zu denen die Araberden Islam hinübertrugen, und je nach den Perioden der Entwickelung selbst; durchgehendaber zeigte sie dasselbe Streben nach phantastischem Reiz und nach üppig prächtiger Dekora-tion, zu welcher in den verschiedensten Ländern dieselben Formen, als Äußerungen gemein-