Bastion Bataillon 101
und eine große dorisch- Säule in Bronze, 130 F. hoch, welche den Genius Frankreichs trägt,auf dem Bastillenplahe aufgestellt, und auf der einen Seite derselben die Namen der Bastil-lenstürmer, auf der andern die der in den Julitagen Gefallenen cingezeichnet.
Bastion oder Bollwerk nennt man ein Festungswerk, das aus zwei Facen undzwei Flanken besteht. Die Facen stoßen in einem ausspringenden Winkel, Saillant oderBollwerkswinkel, zusammen, der nicht zu spitz sein darfund dessen Spitze der Bollwerkspunktoder die Pünte heißt. Die Flanken schließen sich mit einem stumpfen Winkel, dem Schul-terwinkel, an die Facen, und dieser Punkt heißt der Schulterpunkt. Das andere Ende derFlanken schließt sich mittels eines eingehenden Winkels, welcher der Courtinenwinkel genanntwird, an die Courtine oder den Zwischenwall, der je zwei und zwei Bastionen miteinander ver-bindet, und der Punkt, wo Flanke und Courtine zusammenstoßen, heißt der Courtinenpunkt.Die Verlängerung der Facen nach Rückwärts auf den gegenüberstehenden Courtinenpunktheißt die Streich- oder Defenslinie und der dadurch mit der Flanke entstehende Winkel derStreichwinkel, der in der Regel 90" beträgt. Die Hintere Öffnung eines Bastions heißt dieKehle oder Gorge. Sind die vier Wälle, aus denen ein Bastion besteht, aus den Erdhorizontaufgesetzt, so entsteht im Innern des Bastions ein fünfeckiger leerer Raum, in welchem ge-wöhnlich ein gemauertes Pulvermagazin steht, und ein solches Bastion heißt ein leeres oderhohles; ist dagegen der innere Raum mit Erde ausgefüllt, so heißt das Bastion ein volles(bastion plein). Ist das Bastion durch einen schmalen Graben, den Kehlgraben, von denhintern Werken getrennt, so entsteht daraus ein detachirteS Bastion.
BastionirteS System. Wenn der Hauptwall einer Festung so gebildet ist, daß ernur aus Bastionen und Courtinen besteht, so nennt man ein solches System ein bastionirtes,zum Unterschiede von dem Polygonal-System, bei welchem die Umwallungslinien in stum-pfen Winkeln ohne bestimmte Vorsprünge zusammenstoßen. Die Entfernung je zweier Ba-stionsspitzen oder Pünten heißt die Polygonseite, welche gewöhnlich solang gemacht wird, daßvon den Flanken aus die Bastionsspitzen noch mit Kleingcwehrfeuer bestrichen werden kön-nen, also im Maximum 300 Schritt. Zwischen je zwei Bastionen und mitten vor derCourtine liegt das Ravelin, auch Halbmond («leim-Iune) genannt als ein wesentlicher Be-standtheil des bastionirten Systems. Dieses System ist das älteste und wurde schon im16. Jahrh. von den Italienern angewendet, zählt auch noch gegenwärtig die meisten Anhän-ger. Von den ältern Festungen haben fast alle einen bastionirten Hauptwall, und alle Vau-ban'schen und Cormontaigne'schen sind, obwol mit einigen Modifikationen, nach diesemSystem gebaut. Bousmard hat das bastionirte System wesentlich verbessert. Vgl. Zastrow,„Handbuch der vorzüglichsten Systeme der Befestigungskunst" (Berl. 1828) und Blesson,„Geschichte der großen Befestignngskunst" (Berl. 1830).
Bastonnäde heißt die bei den Türken gebräuchliche Strafe, welche in Schlägen aufdie Fußsohlen oder auch auf den Rücken besteht, die mit einem knotigen Stricke oder ledernenRiemen gegeben werden.
Bataille, s. Schlacht.
Bataillon heißt ein aus vier bis sechs Compagnien bestehender selbständiger Schlacht-Haufe, dessen sich die Franzosen schon im 16. Jahrh. bedienten. Die Spanier und Italienergebrauchten dafür das Wort B ata gl ia oder auch Terzia; die Deutschen habm sich beiderBenennungen bedient. Gegenwärtig versteht man unter Bataillon zumeist einen bestimmtenTheil eines Regiments, ehemals aber einen abgesonderten taktischen Körper von 3—4000 M-in tiefer Kampfstellung, häufig so tief als breit, der in 15 — 20 Compagnien getheilt war.Die Masse bestand aus Pikeniercn, welche von drei Reihen Musketiere umgeben waren;die übrigen Musketiere wurden in vier besondern Haufen auf die Ecken gestellt und oft alsBlänker unter dem Namen entants psrclus gebraucht. Der Aberglaube verlangte, daß dieRotten und Glieder der Bataillone aus ungleichen Zahlen, z. B. aus 59 Gliedern, jedes zu51 M. bestehen mußten. Dadurch wurden die Schlachthaufen schwer theilbar und überdiesunbehülflich. Gegenwärtig hält man den Grundsatz fest, die Bataillone zwar nicht zuschwach, allein niemals so stark zu machen, daß sie nicht noch durch die Stimme eines Ein-zelnen (des Commandeurs) beherrscht werden könnten, also zwischen 600—1000 M. Diepreuß. Bataillone sind auf dem Kriegsfuß 1000 M. stark und in vier Compagnien getheilt,